Hettenleidelheim
Poller-Wirrwar: Das waren die Hintergründe
Schon lange haben die Hettenleidelheimer, die In den Ransenäckern oder im Waldblick ihre Häuser haben, unter dem zunehmenden Durchgangsverkehr gelitten. Über die Westendstraße bildeten ihre Straßen eine ideale Abkürzung zwischen der A6 und Ramsen. Unter anderem, um mehr Ruhe in das Wohngebiet zu bekommen, segnete der Ortsgemeinderat am 19. März 2024 ein Verkehrskonzept ab. Angedacht war dabei auch die dauerhafte Sperrung der Westendstraße durch die Eigentümerin, die Anstalt öffentlichen Rechts (AöR), die die beiden Freibäder in Hettenleidelheim und Altleiningen betreibt. „Das erschien uns die beste Lösung“, sagte der Chef der Verbandsgemeinde Leiningerland, Frank Rüttger (CDU), am Mittwoch bei der Infoveranstaltung zum Poller-Hin-und-Her.
Laut Steffen Blaga (CDU) aus dem AöR-Vorstand wurde der Beschluss, der in seine Amtszeit als Ortschef fiel, von allen fünf AöR-Kommunen getragen. „Wir waren uns einig, den alten Kiosk gegenüber dem Bad-Eingang zu reaktivieren“, sagte er. Außerdem seien vom Land 1,3 Millionen Euro aus dem Klimaschutzprogramm Kipki zugesagt worden. Die Fördergelder seien für eine „energetische Bilanzkreislösung“ vorgesehen, für die man auf der Privatstraße einen verkehrsfreien Platz braucht: Die AöR möchte eine Freiflächen-Photovoltaikanlage (PVA) installieren, um die Schwimmbecken in den Bädern zu beheizen, wobei die erzeugte Energie selbst verbraucht wird. Nicht zuletzt sollte der frisch ausgebaute Waldblick geschützt werden.
Warum nur in eine Richtung zu?
Obwohl die Entscheidung für das Setzen von Pollern mitgeteilt wurde, waren die Bürger doch sehr überrascht, als am 20. Dezember plötzlich rot-weiße Pfosten mitten auf der Westendstraße standen. Da diese 1988 vom Gemeinderat für den öffentlichen Verkehr gewidmet worden war, was eine juristische Prüfung bestätigte, wurden die Pfosten am 24. Februar wieder entfernt. In der Konsequenz soll nun Plan B des Verkehrskonzeptes für diesen Bereich verfolgt werden. Dieser sieht vor, dass Waldblick und In den Ransenäckern zu unechten Einbahnstraßen werden: Die Einfahrt von Süden her wird verboten (außer für Radler), die Anlieger dürfen die Straßen jedoch in beide Richtungen benutzen.
Achim Raabe aus dem Publikum wollte wissen: „Warum werden die Autos nur aus einer Richtung aus dem Waldblick herausgehalten?“ Tobias Spangenmacher, stellvertretender Leiter Bürgerdienste bei der VG, verwies auf eine Verkehrszählung, wonach die meisten Fahrzeuge von der Autobahn gen Ramsen unterwegs sind. Dazu, dass die Messung vom 13. Dezember 2022 bis 7. Januar 2023 stattfand, bemerkten die Zuschauer lachend: „Genau in den Ferien!“ Spangenmacher sicherte eine weitere Erhebung außerhalb von Urlaubszeiten zu.
Durchgangsverkehr total verbannen?
Anlieger Hermann Becker wollte wissen, ob aus einem „reinen Wohngebiet“ der Durchgangsverkehr nicht komplett zu verbannen sei. Dem widersprach der Bauamtsleiter Dennis Zimmermann: „Nicht grundsätzlich. Das hängt von den Emissionen ab.“ Mehrmals gefordert wurde die Einrichtung einer Spielstraße. „Dann haben Sie wieder von beiden Seiten den Durchgangsverkehr und können nur noch in markierten Flächen parken“, so Spangenmacher.
Kritisiert wurde die durchgehende Pflasterung und Niveauangleichung von Fahrbahn und Gehweg im Waldblick, wodurch die Trennung von Auto- und Fußgängerbereichen entfalle und es leichter zu Unfällen kommen könne. Raabe sieht hier ein Haftungsrisiko der VG und machte deutlich: „Gegen das Verkehrskonzept kann man auch klagen.“ Zudem monierte er, dass das Lkw-Verbotsschild an der nördlichen Einmündung verschwunden sei. „Erste Spurrillen in der neu ausgebauten Straße sind schon zu sehen“, sagte er.
Tempo 30 auf den Kreisstraßen?
Weil der Verkehr nun in Richtung Ramsen über Kreisstraßen gelenkt wird, kam das Gespräch auf die Möglichkeit, Tempo 30 auf klassifizierten Verkehrswegen durchzusetzen. Spangenmacher hofft auf künftig bessere Chancen, aktuell müsse jedoch abgewartet werden: „Die StVO wurde novelliert und die Verwaltungsvorschriften dazu passieren am 21. März den Bundesrat.“
Und wohin soll nun die PVA? Laut Rüttger gibt es zwei Ideen: Entweder werde der Schwimmbad-Parkplatz entwidmet, was aber an strenge Bedingungen geknüpft sei. Oder die Module müssten so hoch aufgeständert werden, dass darunter Fahrzeuge abgestellt werden könnten. Auf keinen Fall wolle man sich den Zuschuss durch die Lappen gehen lassen.