Leiningerland
Polizei: E-Bikes werden künftig öfter im Visier der Diebe sein
„In Zukunft werden wir wahrscheinlich mehr Fahrraddiebstähle zu bearbeiten haben“, sagt Kriminalhauptkommissar Horst Gesell beim Blick auf die Kriminalstatistik 2021 der Polizeiinspektion Grünstadt. Da ist zu lesen, dass sich die Anzahl der schweren Fahrraddiebstähle um etwa 40 Prozent, von 21 im Vorjahr auf nun 30 erhöht hat. Hinzu kommen 16 leichte Fahrraddiebstähle, also Fälle, in denen die Langfinger kein Schloss geknackt haben. Insgesamt wurden somit 46 Fahrräder im Zuständigkeitsbereich der Inspektion gestohlen. Dieser umfasst die Stadt Grünstadt und die Verbandsgemeinde Leiningerland.
Die prognostizierte Steigerung macht Gesell an einigen (bundesweiten) aktuellen Trends fest. So sind seit Corona die Anzahl der verkauften E-Bikes und Pedelecs praktisch explodiert. Das heißt: Immer mehr Menschen sind auf Zweirädern unterwegs. Verstärkt werde der Trend, aufs Fahrrad umzusteigen, sicherlich auch durch die hohen Benzinpreise. „Gerade für kürzere Strecken, etwa zum Brötchen holen, werden Bürger, insbesondere in den wärmeren Monaten, wohl vermehrt auf das kostensparende Zweirad umsteigen. Und dann vielleicht auch nicht immer das Fahrrad auf die Schnelle so vor Diebstählen schützen, wie es notwendig wäre“, sagt der stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Grünstadt. Es sei halt umständlich, wie etwa bei E-Bikes empfohlen, den schweren Akku vom E-Bike abzunehmen und mit in die Bäckerei oder ins Geschäft zu tragen. Oder wegen der kurzen Zeit der Abwesenheit das Kettenschloss rauszukramen und einen geeigneten Pfosten zum Anketten zu finden.
Die Räder sind wertvoller als früher
Die „guten“ Gelegenheiten für Fahrraddiebe werden also aller Voraussicht nach zahlreicher. Und nicht nur das: Die Objekte der Diebe-Begierden sind wertvoller. Denn der Kaufpreis für elektrisch unterstützte Fahrräder beginnt heutzutage bei etwa 2000 Euro auf der nach oben offenen Skala. Kein Vergleich also zum Preis für den früheren Drahtesel mit Drei-Gang-Schaltung, der für kurze Strecken ausgereicht hat. Es wird damit künftig nicht nur mehr „gute“, sondern auch „lohnendere“ Gelegenheiten für Kriminelle geben.
Gesell rät den Fahrradfahrern deswegen dringend, auch bei vermeintlich kurzen Abwesenheiten, den Akku mitzunehmen und das Zweirad „richtig abzuschließen“. Denn aus dem Jahr 2021 waren einige Diebstähle auch darauf zurückzuführen, dass zum Beispiel das Schloss ans Vorderrad gekettet worden ist – obwohl dies mit den heutigen Schnellspannern in Sekundenschnelle abmontiert werden kann. Oder das Zweirad stand völlig ungesichert vorm Hauseingang, weil der Besitzer gleich wieder wegfahren wollte. Ein ganz typischer Fall dafür, wie Gelegenheit Diebe machen kann. Einer der Gelegenheitsdiebe ist der Polizei voriges Jahr ins Netz gegangen. Der Mann aus dem Drogenmilieu war für eine Miniserie im Raum Grünstadt verantwortlich. Er hatte sein Diebesgut gegen Alkohol und Drogen getauscht.
Tipps, um Fahrraddiebstahl zu vermeiden
1. Rahmen und mindestens ein Laufrad an einen fest verankerten Pfosten oder ähnlichem anschließen. Das Objekt sollte hoch genug sein, damit man das Fahrrad nicht einfach mitsamt Schloss darüberheben kann.
2. Am besten ist ein massives Schloss. Ein Zweitschloss erhöht die Sicherheit zusätzlich. Am besten kombiniert man zwei unterschiedliche Schloss- und Schließtypen; mit einem zusätzlichen Schlaufenkabel kann man die beiden Laufräder mitsichern.
3. Bei Pedelecs oder E-Bikes immer den Akku mitnehmen, auch wenn dieser selbst abschließbar ist.
4. Zuhause stellt man das Rad am besten angeschlossen im eigenen Haus, etwa Flur oder Keller, ab.