Ebertsheim
Ortsdurchfahrt: Warum an dieser Ampel viele Rot sehen
Ebertsheim. Täglich rollen mehr als 10.000 Fahrzeuge über die L395 durchs Eistal. Tausende Autofahrer müssen somit die Lichtzeichen der Ampel in der Ebertsheimer Ortsdurchfahrt beachten und bei Rot halten – auch wenn die Rotphase vollkommen sinnfrei ist. Also wenn weder ein Fußgänger über die Landstraße noch ein Fahrzeug in sie einbiegen will. So, wie es über neun Monate lang an der Ebertsheimer Kreuzung war, als die Ampelanlage in bestimmten Zeitabständen automatisch auf Rot umschaltete – ohne das tatsächliche Verkehrsaufkommen an der Stelle dabei in irgendeiner Form zu berücksichtigen.
Die Folge: Der auf Tempo 30 limitierte Verkehrsfluss durch Ebertsheim wurde – willkürlich und damit unnötig – immer wieder unterbrochen. Kein Wunder, dass die Kritik an der Ampel und dem ständigen „Stop and Go“ von etlichen Verkehrsteilnehmern und Ortsdurchfahrt-Anliegern beim Ebertsheimer Ortsbürgermeister Bernd Findt landete. Dabei ist der eigentlich nicht zuständig, denn für die Landstraße und die Ampel zeichnet der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer verantwortlich.
Schäden schon bei Glasfaser-Arbeiten
Findt ist natürlich trotzdem tätig geworden, schließlich geht es um vermeidbaren Lärm und zusätzliche Abgase in „seiner“ Ortsgemeinde. „Ich habe die Mängel direkt nach Bekanntwerden der offensichtlichen Schaltfehler an der Ampel an den LBM in Speyer gemeldet“, betont er. Als Ursache wurde gemeldet, dass beim Verlegen des Glasfaserkabels im vorigen Jahr die in der Fahrbahn liegenden Kontaktschleifen der Ampel beschädigt worden sind. Diese (Fehler-)Meldung ging übers Ordnungsamt der VG Leiningerland an den LBM und erfolgte nach Angaben von Findt bereits Anfang des Jahres.
Nach relativ kurzer Zeit sei ein fester Schaltintervall in die Ampelsteuerung eingebaut worden, sagt Findt. Zudem habe die Leiterin der Straßenmeisterei versichert, dass eine Firma „zeitnah den Schaden an den Kontaktschleifen reparieren“ wolle. Dies war laut Findt aber bis zum endgültigen Ampelneubau Mitte August nicht der Fall: „Letztlich mussten wir über ein halbes Jahr darauf warten.“ Und das, obwohl Findt in regelmäßigen Abständen über das Ordnungsamt die fehlerhafte Ampel moniert hatte, „da die festen Intervallzeiten bei den Anwohnern und den Verkehrsteilnehmern starken Unmut auslösten wegen unnötig langer Wartezeiten, zu kurzen Grünphasen und erhöhten Schadstoffemissionen“.
Die Ampel ist aktuell auch nachts geschaltet
Vor etwa zwei Wochen wurde nun eine neue Ampelanlage installiert und auch die Kontaktschleifen sind neu. Gleich nach der Inbetriebnahme der Ampel „kamen aber bereits wieder Beschwerden, weil die Ampelanlage auch nachts in Betrieb war“, erzählt Findt. Darüber habe die Ortsgemeinde wieder übers Ordnungsamt den LBM informiert und um sofortige Abhilfe gebeten. Eine Reaktion sei jedoch nicht erfolgt, sagt Findt.
Zudem habe das Ordnungsamt eine Überprüfung und Schärfung der neuen Schaltwege angemeldet. Für Findt sind dies „alles in allem endlos lange Wege und zu wenige Schnittstellen bei den zuständigen Behörden“, zumal die Ortsgemeinde – obwohl direkt betroffen – „relativ wenig Einflussmöglichkeiten hat“.
Momentan läuft ein „Standardprogramm“
Eine Sprecherin des LBM bestätigt, dass die Kontaktschleifen an der Kreuzung in Ebertsheim bei der Verlegung von Glasfaserleitungen beschädigt worden seien und „dieser Schaden nun zusammen mit dem Umbau der Lichtsignalanlage behoben“ worden sei. Aktuell laufe die „Anlage noch in einem verkehrsabhängigen Standard-Programm“, sozusagen in den „Fabrikeinstellungen“. Nach Angaben des LBM erfolge „die Feinjustierung im Laufe des Septembers durch die Firma Yunex (vormals Siemens). Dabei würden auch die örtlich erforderlichen Lauf-, Räum- und Schaltzeiten eingestellt“. Anschließend werde die Verkehrssituation von der Verkehrsbehörde, konkret: Verbandsgemeinde-Vertretern und LBM, noch konkreter: Straßenmeisterei-Mitarbeitern, beobachtet und „gegebenenfalls nachjustiert“.
Auf Nachfrage betont die LBM-Sprecherin, dass der Betrieb „grundsätzlich Anregungen zur Anpassung von LSA-Schaltungen aufgeschlossen“ gegenüber stehe, meistens würde er diese Anregungen über die Verbandsgemeinde erhalten. Allerdings, so die LBM-Sprecherin weiter: „Ob die Vorschläge umgesetzt werden können, hängt üblicherweise von den Detektionsmöglichkeiten der jeweiligen Anlage, zu beachtender Räum- und Wartezeiten der Verkehrsströme sowie Eigenschaften des Steuergeräts ab.“ Dies müsse in Kombination zusammen mit dem Layout der Kreuzung gesehen werden. Je komplexer die Kreuzung ist, desto größer sei der „Kaskadeneffekt“ selbst kleinster Änderungen.
Wofür die Ampel beschlossen wurde
Den Antrag, den Verkehr in der Ortsdurchfahrt, über eine kombinierte Drück- und Bedarfsampel zu regeln, hatte der Ebertsheimer Gemeinderat unter Ortsbürgermeister Klaus Linska vor knapp 30 Jahren gestellt. Damals gab es nur einen Zebrastreifen für Fußgänger und einen Spiegel für den abbiegenden Verkehr, um die Eisenberger Straße besser einsehen zu können.
Mit der Ampel sollte, so der Gemeinderat, in erster Linie die Sicherheit für Fußgänger erhöht werden, die über die Kreuzung wollten: auf ihrem Weg vom Unterdorf über die Kreuzung in die dortige Grundschule sowie vom Oberdorf oder dem Ortsteil Rodenbach zur Kita im Unterdorf. Der Autoverkehr in der Ortsdurchfahrt sollte damals lediglich in Stoßzeiten mit der Ampel geregelt werden. Über Kontaktschleifen schaltete die Ampel in der Landstraße ausschließlich bei Bedarf auf Rot: also wenn ein Fußgänger die Straße überqueren oder ein Fahrzeug aus der Rodenbacher oder Hauptstraße abbiegen wollte. In verkehrsärmeren Zeiten – an Wochenenden und nachts – blinkte die Ampel nur mit orangefarbenen Licht auf: als Warnhinweis auf eine Kreuzung.
In den vergangenen Jahren war die Ampel aber nur zwischen 20 Uhr und 6 Uhr abgeschaltet. Sowohl an Samstagen als auch an noch verkehrsärmeren Sonntagen war die Ampel jedoch in Betrieb. Dies sei aus steuerungstechnischen Gründen nicht anders möglich, lautete dafür zuletzt die Begründung des LBM.