Grünstadt Ohne Hindernisse radeln

So soll die Beschilderung der barrierefreien Radwege aussehen.
So soll die Beschilderung der barrierefreien Radwege aussehen.

Mit dem Rad ohne Hürden von A nach B kommen – das soll auf rund 100 Kilometern im Süden des Landkreises Bad Dürkheim künftig möglich sein. Denn im Modellprojekt „Tourismus für alle“ geht es nun auch um barrierefreie Radwege. Aber was genau ist das eigentlich?

2,50 Meter breit muss ein barrierefreier Radweg mindestens sein. Ist die Breite nicht möglich, soll es zumindest Ausweichbuchten geben. Der Weg darf zudem höchstens eine Steigung von sechs Prozent haben, soll also mit relativ wenig Kraftaufwand schaffbar sein. Außerdem soll es barrierefreie Rastmöglichkeiten geben. Das bedeutet: keine Stufen, ein mit dem Rollstuhl unterfahrbarer Tisch, barrierefreie Toiletten – etwa in den Rathäusern der Orte, durch die diese Radwege führen. Der Landkreis Bad Dürkheim gehört zu zehn Modellregionen, die beim Landesporgramm „Tourismus für alle“ mitmachen, er hat sich dafür 2015 beworben. Das barrierefreie Radwegenetz soll es künftig zwischen Bad Dürkheim, den Verbandsgemeinden Wachenheim und Deidesheim sowie Haßloch und Neustadt geben. Und das ist das Besondere an dem Projekt: Nur zwei andere Landkreise machen mit, beide wollen jeweils „nur“ eine Strecke barrierefrei gestalten. „Bei uns werden es Rundstrecken in einem Netz“, erklärt Raimund Rinder, beim Kreis für Barrierefreiheit zuständig. Nach der Bewerbung des Landkreises 2015 passte es gut, dass der Landesbetrieb Mobilität 2017 eine Kontrolle der touristischen Radwege geplant hatte. Die Frage nach der Barrierefreiheit wurde dabei mitgeprüft. „Wir haben für die geplanten 100 Kilometer festgestellt, dass sie mit vertretbarem Aufwand barrierefrei zu machen sind“, sagt Rinder. Er geht davon aus, dass letztlich 70 bis 80 Kilometer barrierefreie Radwege umgesetzt werden. Aber: Der Kreis ist nur dafür zuständig, die Fördermittel zu beantragen. Das soll im Juni passieren. Bis dahin können die beteiligten Kommunen entscheiden, ob und mit welchen Strecken sie mitmachen. Ab der zweiten Jahreshälfte sollen die Gemeinden dann „ihre“ Radwege ertüchtigen, „das soll 2021 abgeschlossen sein“, führt Rinder aus. Im Jahr 2022 sollen die Wege zertifiziert und beschildert werden. Letztlich müssen die Kommunen selbst für anfallende Baukosten aufkommen – aber mit 85-prozentiger Förderung vom Land, wie die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses mitteilte. „Und das auf Wegen, die vielleicht sowieso hätten ausgebessert werden müssen“, hebt Rinder den Vorteil der Förderung hervor. Was konkret angegangen werden muss? Oft haben Wurzeln am Wegrand wachsender Bäume die Radwege beschädigt, beispielsweise in Haßloch in der Füllergasse. Manchmal müssen die Wege nur minimal anders geführt werden, um die Kriterien zu erfüllen. Manchmal ist das aber auch einfach nicht möglich. „Die B 39 liegt in Lambrecht zu eng an den Häusern. Deshalb ist Lambrecht Teil der Modellregion, aber nicht Teil des barrierefreien Radwegenetzes“, erklärt Rinder. Inklusive Planung, Zertifizierung und Beschilderung rechnet Rinder mit Kosten von rund drei Millionen Euro. Dann könnte es in Dürkheim knapp zehn Kilometer barrierefreie Radwege geben, in der VG Wachenheim rund 19, in Haßloch knapp 30, in Neustadt knapp 20 und in der VG Deidesheim knapp 22 Kilometer.

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