Grünstadt Ohne Elektrizität bleibt auch das Mittagessen kalt
Noch nicht einmal die Türglocke hat funktioniert: Wer am Mittwoch die Kindertagesstätte Löwenzahn in Kirchheim besuchen wollte, der musste anklopfen. Denn die Kita war ohne Strom. Nicht, dass die Leiterin Nicole Eisenbeis die Sicherung herausgedreht hätte: „Die Kinder haben es sich so gewünscht“, sagt sie. Der besondere Tag gehört zum pädagogischen Konzept der Kita mit 110 Kindern.
Während nebenan pausenlos die Betonmischer für die Erweiterung des Kindergartens anrollten, herrschte im Hauptgebäude morgens beinahe gespenstische Ruhe. Eltern, die gewohnheitsmäßig das Licht anmachen wollten, wurden von ihren Sprösslingen ermahnt: „Ausmachen, ihr macht uns sonst den Tag kaputt.“ Mit der Taschenlampe suchten die Kinder dann Spielsachen heraus. Nur Heizung und Telefon liefen weiter. Auf andere Annehmlichkeiten musste jedoch verzichtet werden. Für die Erzieher in der Tagesstätte gehörte dazu beispielsweise der heiße Kaffee, für die Kinder der warme Tee. Natürlich war in der Kita auch das Mittagessen ausnahmsweise kalt: Es gab Wurstsalat und Mineralwasser. Höhepunkt des „Tages ohne Strom“ war der Besuch von Pascal Stocké, dem Klimamanager der Verbandsgemeinde Leiningerland, begleitet von Ortsbürgermeister Robert Brunner (CDU). Stocké hatte mehrere schwere Koffer mit Glühbirnen, Steckern und Schaltern dabei, dazu einen Heimtrainer. „Wo kommt der Strom her?“, wollte Stocké wissen. Tobias durfte gleich ausprobieren, wie man auf dem Heimtrainer elektrische Energie erzeugen kann. „Zeig uns, wie viel Ausdauer du hast“, forderte ihn der Klimamanager auf. Die Verbandsgemeinde hat das Ziel einer hundertprozentigen Wärme- und Stromversorgung mit erneuerbaren Energien formuliert. Dazu gehöre die Sensibilisierung, dass Strom bewusst verbraucht werden muss, „weil er nicht unbegrenzt da ist“. 17 Kinder, die ab dem Sommer in die Schule gehen werden, stellten interessiert ihre Fragen. Dann zeigte Stocké wieder einen seiner Koffer. „Was meint ihr, brauchen die Glühbirnen oder die LED-Lampen mehr Strom?“ Warmes Licht für die Glühbirnen brauche mehr Strom, kaltes Licht der LED-Birnen weniger, lernten die neugierigen Kinder als Faustregel. „Es kommt darauf an, für was man es braucht“, staunte die kleine Nina. Die Kita-Leiterin Nicole Eisenbeis und Bürgermeister Robert Brunner, studierter Ingenieur, waren begeistert: „Die Kinder sind schon richtige Experten“, staunten sie. Im vergangenen Jahr hatten die Kinder den Wurstmarkt besucht und entdeckt, was dort alles mit Strom betrieben wird – vom großen Scooter bis zur Pommesbude. Ein weiterer Besuch hatte der Rhein-Haardt-Bahn gegolten, und unterwegs wurde noch ein elektrisch betriebener Briefkasten für Pakete entdeckt. Am 24. März will sich die Kita Kirchheim mit den anderen Kindertagesstätten in der Verbandsgemeinde an der „Earth Hour“ beteiligen. An vielen Orten weltweit wird dann eine Stunde lang der Strom abgestellt. Pascal Stocké: „Wir haben bei uns dafür die Burg in Neuleiningen ausgesucht. Diese ist markant. Für die Kinder und abends hoffentlich viele Erwachsene wird es der krönende Abschluss eines Aktionstages werden.“