Grünstadt Obersülzen: Bauen wie mit Lego-Steinen

Architektin Nina Schmidt (links) plant Gebäude, die aus den Argisol-Elementen zusammengesetzt werden, die Hans-Jürgen und Kathar
Architektin Nina Schmidt (links) plant Gebäude, die aus den Argisol-Elementen zusammengesetzt werden, die Hans-Jürgen und Katharina Becker in den Händen halten.

WIRTSCHAFT REGIONAL: Die Bewa GmbH entwickelt in Obersülzen Bauelemente, eine Art Lego-Steine, mit denen Bauherren ihre Häuser zum Teil selbst errichten können. 300 Gebäude werden pro Jahr mit den Argisol-Elementen gebaut. Die Firma spürt den Boom in der Baubranche.

«OBERSÜLZEN.» Hans-Jürgen Becker hat schon als Kind mit Lego-Steinen gespielt und früh eine Faible für Planung entwickelt. Aus dieser Leidenschaft ist 1986 eine Geschäftsidee entstanden, die weltweit eingeschlagen hat. Becker baut Schalungselemente aus Neopor, einem Kunststoff, der beim Hausbau mit Beton ausgegossen wird. „Wir haben Typenhäuser entwickelt, die alle Wohnwünsche abdecken. Das reicht vom Reihenhaus bis zur Villa, auch ein Schwimmbad oder eine Garage kann mit den Elementen errichtet werden“, erklärt der Firmenchef. Eines der Musterhäuser steht in Grünstadt und kann besichtigt werden. Argisol ist eine eingetragene Marke, die sowohl im Direktvertrieb als auch über den Fachhandel vertrieben wird. Das Prinzip ähnelt tatsächlich den berühmten dänischen Lego-Bausteinen, jede Hausform kann damit gebaut werden, individuelle Lösungen sind die Spezialität des Obersülzer Unternehmens. „Was unser System ausmacht, ist das kleine Rastermaß, das heißt die Rillen, mit denen der Baustein auf jede beliebige Größe gekürzt werden kann.“ Erfunden wurde das System von einem Schweizer Unternehmen, das sich die Bausteine auch patentieren ließ. Becker hat mit seinem Unternehmen den Verkauf nach Deutschland geholt und 2001 auch das Patent erworben. „Wir haben das System dann verbessert und 2007 ein neues Patent mit unserem Unternehmen angemeldet“, erklärt der Firmenchef. Vom Prinzip her könne der Bauherr das Zusammenstecken der Elemente alleine machen. „Beim Verfüllen mit Beton ist es erforderlich, dass ein Fachmann hinzugezogen wird. Dabei geht es darum, das Füllmaterial richtig zu verdichten und die Wand lot- und fluchtgerecht auszurichten“, erklärt Becker. Für den Rohbau brauche der Bauherr auf diese Weise maximal ein Drittel der Zeit, die sonst benötigt werde. Im Prinzip kauft der Bauherr eine Dämmung, die ausgegossen wird. „Das nennt man eine verlorene Schalung.“ Ein Kunde des Unternehmen, der die Bausteine für den Bau seiner Häuser einsetzt, werbe gezielt mit dem Begriff „Beton-Massivbauweise mit Vollwärmeschutz-Isolierung“. 1986 hat Becker die Firma zum Hausbau mit den Bauelementen gegründet. „Damals waren die Module noch aus weißem Styropor. Gleich mit der Gründung haben wir das erste Haus in Bobenheim-Roxheim gebaut. Drei Jahre später wurde das erste Mehrfamilienhaus mit 16 Wohneinheiten in der Uhlandstraße in Roxheim direkt an der B 9 errichtet“, informiert der Firmenchef. Grenzen setzt dieser Bauweise nur der Brandschutz, sieben Stockwerke können mit den Argisol-Modulen gebaut werden, 22 Meter maximale Höhe ist möglich. „Das hängt am Betonkern, der 14 oder 15 Zentimeter breit ist, je nach Art des Systems. Produziert wird das Argisol-System in Bielefeld bei einem Verschäumbetrieb, der sowohl die Werkzeuge als auch das Rohmaterial geliefert bekommt, und im Auftrag auf Lohnbasis die Elemente für Beckers Unternehmen herstellt. Dieses externe Unternehmen beschäftigt rund 70 Mitarbeiter und stellt noch andere Produkte her. In Obersülzen ist die Bewa GmbH angesiedelt, die sieben Vollzeit-Mitarbeiter und drei Aushilfen beschäftigt. Rund 300 Gebäude entstehen jährlich mit dem Argisol-System. „Wir sind derzeit dabei, zu expandieren, haben dafür 2007 ein Unternehmen gegründet, das Argisol-International heißt und die Produktionsanlagen für die Herstellung der Elemente vertreibt. Wir sind also im Maschinenbau und Hausbau gleichermaßen tätig“, erklärt Becker. Auf diese Weise generiere die Bewa GmbH einen siebenstelligen Jahres-Umsatz, mit steigender Tendenz. „Derzeit spüren wir den Boom im Bausektor“, so der 59-Jährige, der bereits die Nachfolgeregelung im Unternehmen im Auge hat. Tochter Katharina Becker ist auf dem Weg, in die Geschäftsführung einzusteigen. Die 29-Jährige soll das Unternehmen in die nächste Generation tragen. Wirtschaft regional Unter dem Motto „Wirtschaft regional“ stellen wir Unternehmen im Leiningerland und in Eisenberg vor, zuletzt berichteten wir über die Grünstadter Firma Rupi-Cologne, die Kabelstrümpfe produziert, und die Firma Hagenburger, die in Grünstadt feuerfeste Produkte herstellt.

Das Musterhaus der Bewa GmbH steht in der Albert-Schweitzer-Straße in Grünstadt.
Das Musterhaus der Bewa GmbH steht in der Albert-Schweitzer-Straße in Grünstadt.
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