Grünstadt O schaurig ist’s übers Moor zu gehn

Rainer Scheer
Rainer Scheer

In dieser neuen Folge seiner „Crime Corner“-Kolumne beschäftigt sich Rainer Scheer mit Margarete von Schwarzkopfs Kriminalroman „Der Moormann“. In diesem stößt eine Kunsthistorikerin in der niedersächsischen Moorlandschaft auf ein tödliches Geheimnis.

Die Aufgabe, einen Katalog für eine überregionale Kartenausstellung mit dem Titel „Aufbruch in die Zukunft – Karten aus der Zeit Georges III“ in der Leibnitz-Bibliothek in Hannover zu erarbeiten, klingt für die Kunsthistorikerin Anna Bentorp nach einer reizvollen Herausforderung. Da sie ahnt, dass die Beschäftigung mit alten Landkarten Ruhe erfordert, mietet sie ein kleines Häuschen in der Nähe von Bresterholz, nicht weit von Bremervörde entfernt und in einem Moorgebiet gelegen. Hier ist sie sozusagen gleichzeitig auch vor Ort, geht es doch um Karten, die auch genau diese Region abbilden, entstanden ausgangs des 18. Jahrhunderts. In eben diese Zeit, exakt in das Jahr 1788, blendet der Roman immer wieder zurück. Auch das kleine Haus, das Anna angemietet hat, findet bald Erwähnung. Margarete von Schwarzkopf liefert mit „Der Moormann“ beides: Regionalkrimi und historischer Krimi. Wie sie diese beiden Ebenen miteinander verwebt, das gefällt, denn durch die Rückblenden ist der Leser der Identifikationsfigur Anna immer einen Schritt voraus. Anna kommt bald mit einigen Menschen aus dem Dorf in Berührung, doch die nach außen transportierte reine Idylle trügt. Das liegt nicht nur an den Berichten über den Moormann, der dort einen Schatz seit Jahrhunderten bewachen soll. Anna ist weniger interessiert an Schätzen der Vergangenheit, sie ist auf ihre Karten fixiert und wundert sich gleichzeitig über einige alte Bücher, die sie in ihrem Domizil findet. Als sie nach einem Ausflug den Eindruck hat, dass jemand Unbefugtes das Haus betreten hat, entsteht langsam eine Atmosphäre der Unsicherheit und wachsender Gefahr. Als es einen ersten Todesfall gibt, sieht Anna ihre Befürchtungen wahr werden. „Der Moormann“ sticht durch seine zwei Erzählstränge aus üblichen Regionalkrimis angenehm heraus. Er ist sehr gut aufgebaut und die Historie wird kenntnisreich vermittelt. So entsteht auch ein Bild jener Jahre und der Arbeit von Kartographen, die von England aus in jenen Teil des heutigen Niedersachsens reisten, das damals zum Königreich gehörte. Anna Bentrop ist eine starke, sehr menschlich gezeichnete Hauptfigur. Ihre Gedanken und Ängste sind jederzeit nachvollziehbar und die oftmals düstere Atmosphäre im Moor, wie sie schon seinerzeit von der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Gedicht „Der Knabe im Moor“ gezeichnet worden ist, ist bei der Lektüre stets allgegenwärtig. „Der Moormann“ ist ein empfehlenswerter Trip ins Moor! Lesezeichen Margarete von Schwarzkopf: Der Moormann, Emons 2017, Broschur, 368 Seiten, 12,90 Euro.

Das Cover
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