Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Bücherei-Leiterin: „Wir sind noch wichtiger geworden“

Amélie Schneider leitet die Grünstadter Stadtbücherei.
Amélie Schneider leitet die Grünstadter Stadtbücherei.

Amélie Schneider hat nach ihrem ersten Vortrag im Grünstadter Stadtrat viel Lob erhalten. „Man spürt, dass Sie das lieben“, „Sie sind mit Herzblut dabei“, „Es war ein schöner Vortrag“: Die neue Leiterin der Bücherei kann aber nicht nur überzeugend reden, sie hat auch eine klare Haltung.

Es war ein klares Statement, das Amélie Schneider jüngst im Grünstadter Stadtrat abgegeben hat: Büchereien werden gebraucht. Und zwar nicht nur, weil Menschen Bücher lesen sollten, sondern auch weil die öffentliche Bücherei einen Ort darstellt, in dem es um mehr geht als ums Wissensvermittlung: „Wir haben hier eine Kultureinrichtung, das Flaggschiff von Grünstadt“, sagt Schneider selbstbewusst.

In Zeiten, in denen die Kinder nach den Corona-bedingten Schulschließungen erhebliche Leseschwächen hätten, sagt Schneider: „Ich finde, wir sind noch wichtiger geworden.“ Deswegen hat sie die Grünstadter Stadtratsmitglieder gebeten, nicht an den Öffnungszeiten und am Personal für die Bücherei zu sparen. Die Kreisverwaltung verlangt nämlich von der Stadt, dass sie bei freiwilligen Leistungen – wie es Büchereien nun mal sind – eine halbe Million Euro einspart. Schneider sagt, man sei bereit, einen Beitrag zum Sparen zu leisten, etwa, indem die Gebühren für die Bücherei erhöht und das Mahnwesen verbessert wird: „Wir wollen mitwirken.“

Seit der Kindheit ein Bücherwurm

Amélie Schneider hat die Leitung der Stadtbücherei im Oktober 2022 übernommen, doch eine Bücherfreundin ist sie schon ihr Leben lang: Die 33-Jährige ist in Dirmstein in einer lesebegeisterten Familie aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife hat sie sich aus Leidenschaft fürs Lesen für die Ausbildung zur Buchhändlerin in Frankenthal entschieden. Doch der Laden wurde geschlossen und so musste sie die Ausbildung in Neustadt beenden. „Dort bin ich zehn Jahre geblieben, habe direkt nach meiner Ausbildung die Abteilung Kunst und Musik betreut und war für die Auszubildenden zuständig“, sagt sie. Schnell habe sie jedoch gemerkt, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sie noch mehr interessiere. Deshalb übernahm sie alsbald diese Abteilung und war fortan auch für Leseförderung und Kinderveranstaltungen zuständig.

Nach der Geburt ihrer ersten Tochter habe sie ehrenamtlich in einer kleinen Gemeindebücherei mitgeholfen und sei so in die Bücherei-Schiene gerutscht. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl von Ankommen, ein heimisches Wohlfühlen“, sagt sie lächelnd. Als Vorteil gegenüber einer Buchhandlung habe sie den konstanten Kontakt zu jenen Lesern empfunden, die immer wiederkommen: „Man kennt sich, der Kontakt ist persönlicher.“

Langsam in die Rolle hineingewachsen

2015 zog die Familie nach Obrigheim, Amélie Schneider begann 2019 nach der Geburt der zweiten Tochter und der Elternzeit als Mitarbeiterin in der Stadtbücherei Grünstadt. Anfang 2022 wurde sie dort stellvertretende Leiterin. Von Beginn an habe sie den Kinder- und Jugendbereich übernommen, ihr Steckenpferd. Ganz langsam sei sie schließlich in ihre heutige Rolle hineingewachsen, habe eine exzellente Einarbeitung erhalten von Renate Sobik-Rezmann, der vorherigen Leiterin. Sie habe Gelegenheit gehabt, jeden Tag etwas anderes zu lernen, bis sie am Ende gut vorbereitet war, erzählt sie: „Erstens hatte ich diese hervorragende Einarbeitung durch Renate, außerdem habe ich ein tolles Team von fünf Kolleginnen, die mir den Rücken stärken und mich hervorragend unterstützen“, sagt die neue Bücherei-Leiterin.

Sie wolle den eingeschlagenen guten Weg weitergehen, wobei ein Hauptaugenmerk auf der Leseförderung liegen soll. „Eine Studie zeigt, dass jedes fünfte Kind in Deutschland Probleme beim Lesen hat, deshalb ist Vorlesen für die Kleinsten schon so wichtig, sie werden dadurch konzentrierter und emphatischer“, betont Schneider. Wöchentlich kämen nach wie vor zwei bis drei Kindertagesstätten zum Bilderbuchkino in die Bücherei, wobei die Bilder aus den Büchern über einen Beamer auf eine Leinwand geworfen werden. „Neu anbieten möchte ich regelmäßige Angebote zu verschiedenen Themen, beispielsweise offene Angebote zu Märchen oder Basteln, alles ohne Anmeldung“, sagt sie. Kleinere Kinder für die Bücherei zu begeistern, sei einfach. Bei den älteren wird es da schon schwieriger: „Mein Ziel ist, Jugendliche wieder zurück zur Bücherei zu bekommen und ihnen zu zeigen, was es außer Büchern bei uns noch alles gibt“, gibt die Leiterin der Stadtbücherei eine Richtung vor. Sie betont, dass auch das Thema Medienkompetenz eine große Bedeutung habe: „Ich sehe es als Aufgabe der Büchereien an, über die Möglichkeiten und Gefahren des Internets und Social Media im Allgemeinen zu informieren.“

Ein Umzug steht an

Dieses Jahr steht für Schneider und ihre fünf Kolleginnen auch noch ein Umzug auf dem Programm – vom Brauhof in den schick sanierten Leininger Oberhof: „Wir freuen uns schon sehr auf den Umzug in die neuen Räume der Stadtbücherei, wo wir dann auch einen eigenen Veranstaltungsraum haben werden, ein Lese-Café und Räumlichkeiten, in denen sich besonders auch Jugendliche aufhalten können, beispielsweise zum Hausaufgabenmachen. Mein Wunsch ist: Es soll eine lebendige Bücherei sein, für jedes Alter. Jeder soll sich wohlfühlen.“

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