Grünstadt Nachts von Polizisten bewacht

Schon gut vorangekommen ist Rolf Mayer auf seiner Fahrradtour nach Russland. Im Moment befindet sich der Grünstadter in Polen, bereits etwa 300 Kilometer von der westlichen Grenze entfernt. Den Nachbarstaat erreichte er genau eine Woche nach dem Start. Wie berichtet, hatte sich der Berufsfeuerwehrmann direkt nach einer 24-Stunden-Schicht in Mannheim am Donnerstag zuvor, 29. Januar, in den Sattel geschwungen. Die ersten Tage hatte er mit Dauerregen zu kämpfen.
Die Niederschläge seien so schlimm gewesen, erzählt er, dass er sein Zelt nicht aufschlagen wollte. „In der ersten Nacht, etwa 20 Kilometer hinter Hanau, fand ich eine Brücke, aber die war von einem Obdachlosen besetzt“, sagt er. Zum Glück fand der Abenteurer noch einen windgeschützten Unterstand, wo er sich schlafen legen konnte. Doch das Pech folgte auf dem Fuße: Plötzlich wachte er klitschnass auf, weil der Wind gedreht hatte. In der Früh rettete er sich in ein Schnellrestaurant, um seine Kleidung trocken zu föhnen. Zweimal hat der 54-Jährige, der wegen des Wetters täglich nicht mehr als 100 Kilometer schafft, in einem Buswartehäuschen Unterschlupf gefunden, auch bei Schneetreiben kurz hinter Fulda. Das erregte die Aufmerksamkeit der Polizei, und der Sportler befürchtete schon, man würde ihn davon jagen. Doch die Beamten nahmen nur seine Personalien auf. „Als ich sie bat, mich schlafen zu lassen, weil ich doch am nächsten Morgen weiter nach Moskau wollte, haben sie nur gelacht“, blickt der Grünstadter auf die Begegnung zurück. Die Streife habe dann mehrmals in der Nacht vorbei geschaut, um zu sehen, ob es ihm noch gut geht. „Die Polizisten waren ganz besorgt“, so Rolf Mayer. Seinen ersten Sturz hatte er in Thüringen. „Da war Glatteis unterm Schnee, aber mir ist nichts passiert“, erläutert er. Auch der Drahtesel blieb heil. Weil er in Sachsen keinen trockenen Unterschlupf fand, klingelte er an einem Haus und durfte im Gartenhäuschen schlafen. Am nächsten Morgen hat man ihm sogar eine Dusche und ein Frühstück angeboten. Frisch gestärkt ging es weiter gen Osten. In Berlin hat der Familienvater Bekannte besucht. „Dort konnte er mal seine Kleidung waschen und alles trocknen“, erklärt seine daheimgebliebene Frau Susanne. Geärgert habe er sich darüber, dass er einen Handschuh verloren hat. Das dürfe ihm nicht noch einmal passieren, sagt der Extrem-Radler. Zwar hat er ein Ersatz-Paar dabei, aber keine Gelegenheit, sich neue zu besorgen. Getränke sind auch nicht an jeder Ecke zu finden – und dummerweise ist Rolf Mayer sein mitgeführtes Trinkwasser eingefroren, obwohl er die Flasche mitten in viel isolierende Kleidung gesteckt hatte. Aber der Jugendtrainer des Kraftsportvereins Grünstadt lässt sich nicht entmutigen. Er radelt tapfer weiter: bei Regen, Nebel und ungemütlichen Temperaturen. Kurz vor der Grenze schlief er auf dem Heuboden eines Bauernhofs. In Polen hat er erstmals sein Zelt aufgeschlagen. Auf die Frage, ob’s noch Spaß macht, lacht er und meint: „Naja, geht so.“ (abf)