Grünstadt
Nach Weihnachten: Diese Grünstadter Gaststätte schließt
Wie ist das immer schön! Heiligabend im Grünstadter Bistro in der Obersülzer Straße beginnen, dabei den weihnachtlichen Vorbereitungsstress ablegen und dann ganz entspannt zur Familie fahren. Viele Leute genießen diese Tradition bei Glühwein und Bratwurst im Biergarten. Ein letztes Mal werden sie es in diesem Jahr am 24. Dezember tun können. Danach dreht die Wirtin Ina Dollmann den Schlüssel herum und kehrt dem Lokal den Rücken.
Die Gäste bedauerten das sehr und reservierten in Scharen „noch ein letztes Mal“, erzählt die 43-Jährige von entsprechenden Reaktionen auf ihre schon im Oktober in den sozialen Netzwerken und auf ihrer Website verbreitete Ankündigung, Le Bistro zu schließen. Sie selbst gehe auch mit einem weinenden Auge, habe sie doch zahlreiche schöne Erinnerungen an ihre Zeit in der Küche und im Gastraum.
Nach reiflicher Überlegung so entschieden
Jede Menge Spaß hätten ihr auch die Konzertabende an jedem letzten Donnerstag im Monat gemacht, erzählt sie. Bei der November-Veranstaltung gab sich der Heidelberger Musiker und Produzent Klaus Schimmer mit Blues und Rock die Ehre. Zum Abschluss der beliebten Kulturreihe, die stets viel Anklang fand, wird am 19. Dezember die Band Dry Aged aus Worms auftreten.
Ina Dollmann macht das Lokal „nach reiflicher Überlegung aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen“ zu. Ihr sei klar geworden, dass sie diesen Job keine 25 Jahre mehr durchhalten werde. Sie erzählt von Zwölf- bis 16-Stunden-Tagen, nach denen Sonntag und Montag als Ruhetage ihr nicht zum Regenerieren ausreichten.
„Am Montag bin ich immer schon am Vorbereiten und Einkaufen für die gesamte kommende Woche“, berichtet die gebürtige Grünstadterin. „Ich brauche einfach mehr Lebensqualität.“ Mehr Personal zur Entlastung einzustellen, könne sie sich nicht leisten. „Im Januar wird der Mindestlohn schon wieder angehoben. Ich kann die gestiegenen Kosten nicht grenzenlos an die Kunden weitergeben“, erklärt sie.
Weitere Aushilfe sind keine Option
Ihre acht Aushilfen, von denen jeweils vier in der Küche und im Service arbeiten, bekämen dann bis zu 603 statt derzeit 556 Euro. Ihren Entschluss, aufzugeben, habe sie den Minijobbern bereits im September mitgeteilt. Zwei von ihnen, die sich nebenberuflich in der Gastronomie etwas dazu verdienen, hören eventuell mit ihr zusammen auf, wie sie erzählt. Die übrigen – meist junge Leute, die sich ihr Studium mit Kellnern finanzieren – würden sich hingegen etwas Neues suchen.
Dollmann selbst ist seit knapp 20 Jahren in dem Lokal mit je knapp 80 Sitzplätzen innen und außen tätig. Anfangs war sie eine Angestellte des Eigentümers Martin Ader. Davor war sie bei Vito Cunsolo in der TSG-Gaststätte beschäftigt. Im September 2016 machte sie sich im Le Bistro als Pächterin selbstständig.
Der 43-Jährigen, die von 1999 bis 2002 in der Frankenthaler Weinstube Filling Köchin gelernt hat und später dann in Heidelberg den Fachwirt im Gastgewerbe absolvierte, stehen nach eigenen Angaben ab kommendem Jahr verschiedene Optionen offen. Näheres möchte sie dazu nicht ausführen. Sie werde aber definitiv einen Job haben. Wobei es eine Umstellung sein werde, nicht mehr die eigene Chefin zu sein.