Wattenheim
Nach mehr als fünf Jahrzehnten: Dieses Urgestein verlässt den Rat
Bei der konstituierenden Sitzung am Dienstag würdigte Carsten Brauer (CDU) gleich nach seiner offiziellen Ernennung als Ortsbürgermeister die ausgeschiedenen Mandatsträger für ihre Leistungen. Aus der CDU-Fraktion sind das Michael Fischbach, der in Ausschüssen noch weiter mitwirken wird, Bernhard Kaiser, der erst im Januar für Beate Kraft nachgerückt war, aber über jahrzehntelange Erfahrung verfügt, und Hans-Werner Wichter. Die Sozialdemokraten verabschiedeten Regina Imblan, die eine Zeitlang Beigeordnete war und sich schon 20 Jahre lang kommunalpolitisch engagiert, sowie Franz Pings. Stefan Langenstein aus der WG Nagel verlässt ebenfalls den Rat.
Das siebte scheidende Ratsmitglied ist ein „politisches Schwergewicht, das kein Sturm umhauen kann“, wie CDU-Fraktionssprecher Bernhard Korz es formulierte: Ernst-Albert Kraft nimmt nach mehr als fünf Jahrzehnten nicht mehr am Ratstisch Platz. „Wenn er kandidiert hätte, wäre er bestimmt wieder ins Gremium gewählt worden“, sagte Brauer über seinen Parteifreund, der „immer das Beste für Wattenheim“ will und ein „profunder Kenner“ seines Heimatorts sei.
Auf VG-Ebene bleibt Kraft aktiv
„Ernst-Albert Kraft ist einer, der Bescheid weiß“, so der Ortschef weiter, ehe er Konrad Adenauer zitierte: „Die Erfahrungen sind wie die Samenkörner, aus denen die Klugheit emporwächst.“ Brauer sagte über Kraft, dessen kommunalpolitische Karriere 1971 als Ausschussmitglied begann, der allein zehn Jahre Beigeordneter und 15 Jahre Bürgermeister war: „Es gibt keinen Posten, den er nicht schon einmal innegehabt hat.“
Anerkannt werden müsse auch, dass Kraft selbstbestimmt aus der Arbeit im Gemeinderat ausgestiegen sei. Allerdings: Auf VG-Ebene bleibt er noch aktiv. „Dort werde ich nach wie vor kämpfen für den Erhalt der Demokratie und für Wattenheim“, kündigte der Geehrte an, der sich angesichts der Laudatio auf ihn überwältigt zeigte und versprach, den Ratssitzungen in der Festhalle als Zuschauer weiter beizuwohnen.
Zwei Beigeordnete gewählt
Als es um die Ernennung seiner Stellvertreter ging, regte Ortschef Brauer an, statt drei Beigeordneter – wie es nach der Hauptsatzung möglich ist – nur zwei zu wählen. Als Kandidaten für den Ersten Beigeordneten schlug Korz den bisherigen Amtsinhaber Frank Häckel (CDU) vor. Für ihn votierten alle anwesenden zwölf Stimmberechtigten. Mit elf Mal „Ja“ und einem „Nein“ wurde anschließend Sandra Neumann (FWG) gewählt, die in der letzten Legislaturperiode ebenfalls schon Beigeordnete war. Häckel meinte daraufhin: „Die Zusammenarbeit mit Carsten und Sandra hat gut geklappt. Das werden wir fortsetzen.“
Aufgrund der neuen Besetzung des Gemeinderats regte Brauer an, die Hauptsatzung dahingehend zu ändern, dass künftig statt acht nur noch sechs Mitglieder einen Ausschuss bilden. Abgeordnet würden dann jeweils drei Christdemokraten, zwei Genossen und eine Person aus der FWG. Diesem Vorschlag wurde einmütig zugestimmt.
„Es soll sich jeder wohlfühlen“
„Ich sitze hier in Dankbarkeit“, sagte Brauer weiter. Mit Ideen und Engagement aller Mitglieder des Gremiums, in gegenseitigem Respekt und mit Toleranz sollten nun die Herausforderungen gemeistert werden. „Wir haben zum Ziel, unser Dorf vorwärts zu bringen, wobei unser Fokus auf der positiven wirtschaftlichen Entwicklung liegen sollte“, gab der Ortschef die Marschrichtung vor.
Brauer will gute Bedingungen für die Ansiedlung und den langfristigen Verbleib von Unternehmen schaffen. Vor diesem Hintergrund sei es ihm auch wichtig, die Bildungseinrichtung, für die Ortsgemeinde zuständig sei, zu stärken: „Wir werden in eine neue Kita investieren.“ Eine moderne Einrichtung für die Betreuung der Kinder sei mit ausschlaggebend für die Wohnortwahl. Brauer liegt darüber hinaus am Herzen, das Vereinsleben und das Ehrenamt zu fördern: „In Wattenheim wird Solidarität groß geschrieben. Hier soll sich jeder wohlfühlen.“
Ehrungen
Vom Gemeinde- und Städtebund gab es Urkunden für langjähriges kommunalpolitisches Engagement für Ernst-Albert
Kraft (CDU, 50 Jahre), für Hartmut Armbrust (SPD, 25), Regina Imblan (SPD, 20) und Bernhard Korz (CDU, 20).