Grünstadt / Hettenleidelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Anschlägen und Terror-Aufrufen: So werden Umzüge geschützt

Im Vorjahr war die Fußgängerzone proppenvoll: Grünstadter Umzug am Fasnachtsdienstag.
Im Vorjahr war die Fußgängerzone proppenvoll: Grünstadter Umzug am Fasnachtsdienstag.

Im Leiningerland stehen zwei Fasnachtsumzüge an, bei einem hat eine Musikgruppe schon abgesagt: Terror-Angst. Wie der närrische Trubel 2025 vor Anschlägen geschützt wird.

Vielerorts schrillen gerade die Alarmglocken: Schließlich raste Mitte Februar ein Afghane in München mit einem Auto in eine Demonstration, er hat viele Menschen verletzt und zwei getötet. Und nun kursieren Botschaften im Netz, die zu Anschlägen auf Fasnachtsumzüge aufrufen. „Eine Musikgruppe hat abgesagt, weil die Mitglieder Angst vor einem Attentat haben“, berichtet Thomas Rös, Hauptorganisator des Faschingszugs, der sich am Sonntag wieder durch Hettenleidelheim schlängeln wird.

Nicht nur vor Lastwagen schützen

Am Fasnachtsdienstag folgt dann der närrische Aufmarsch in Grünstadt, für den Karlheinz Schneider seit 35 Jahren verantwortlich zeichnet. Er sagt: Ihm hat die Tat in der bayerischen Landeshauptstadt vor Augen geführt, „dass man sich nicht nur vor Lastwagen als Mordwaffe schützen muss“. Sind die Sicherheitsvorkehrungen für die närrischen beiden Veranstaltungen und auch den Grünstadter Sommertagsumzug am 9. März verstärkt worden? Wie schätzen die Ordnungskräfte die Gefährdungslage ein?

Zugmarschall in Grünstadt: Karlheinz Schneider.
Zugmarschall in Grünstadt: Karlheinz Schneider.

Thomas Jung, Chef der Polizeiinspektion Grünstadt, die für mehr als 46.000 Menschen zuständig ist, zeigt sich recht entspannt: „Den rheinland-pfälzischen Sicherheitsbehörden liegen derzeit keine Erkenntnisse oder Hinweise vor, die auf eine konkrete Gefährdung der Veranstaltungen während der diesjährigen Fasnachtskampagne in Rheinland-Pfalz hindeuten.“ Dies gelte gleichermaßen für die Events in Grünstadt und im Leiningerland.

Mehr sichtbare Polizeipräsenz

Dennoch ergebe sich aus der aktuellen Sicherheitslage, insbesondere im Kontext des Nahostkonflikts und des Krieges in der Ukraine, eine erhöhte abstrakte Gefährdung. Sie werde auf Landes- und Bundesebene kontinuierlich geprüft und bewertet, wobei die Behörden im engen Austausch miteinander stünden. Jung betont, dass bereits vor den jüngsten Vorfällen die Sicherheitsmaßnahmen in Rheinland-Pfalz auf einem hohen Niveau gewesen seien. „Auch wurde die sichtbare Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen erhöht.“

Polizeichef fürs Leiningerland: Thomas Jung.
Polizeichef fürs Leiningerland: Thomas Jung.

Speziell in seinem Zuständigkeitsbereich sei man in Abstimmung mit den Kommunalverwaltungen und den Organisatoren zu dem Ergebnis gekommen, dass der ohnehin schon hohe Kräfteeinsatz derzeit als ausreichend erachtet wird. Die Veranstalter müssten Sicherheitskonzepte erarbeiten, wenn mehr als 5000 Besucher erwartbar seien. „Bei den Umzügen in Hettenleidelheim und Grünstadt dürfte sich die jeweilige Zuschauerzahl in einem Bereich bewegen, bei dem die Erstellung eines solchen Konzeptes lediglich eine Kann-Vorschrift ist“, so der Polizeichef.

Fußgängerzone als Schutz

Schneider erklärt, dass für mehr Sicherheit wie auch schon im vergangenen Jahr auf die einst große Umzugsstrecke von rund 2,5 Kilometern – unter anderem über die Bitzenstraße – verzichtet wird. „Wir marschieren jetzt nur noch ungefähr 1000 Meter weit durch die dank dichter Bebauung gut geschützte Fußgängerzone“, sagt der 66-Jährige. Das gehe allerdings auch nur deshalb, weil sich der bunte Lindwurm nach der Zwangspause durch Corona erheblich verkürzt habe. Für Dienstag liegen ihm 14 Anmeldungen vor. Es waren einst fast vier Mal so viele: „2016 hatten wir 52 Zugnummern“, erinnert er sich.

Beginnt diesmal früher: Straßenfasnacht auf dem Grünstadter Luitpoldplatz.
Beginnt diesmal früher: Straßenfasnacht auf dem Grünstadter Luitpoldplatz.

Da es 2024 für den Riesentraktor der Kallstadter Brulljesmacher verdammt eng wurde in der Hauptstraße, werden jetzt nur noch Limousinen, Cabrios und Fahrzeuge bis zu einer Größe von VW-Bussen zugelassen. Zur Absperrung der Zufahrten an neuralgischen Punkten werden diesmal statt zweier Lastwagen gleich vier Brummis quergestellt. Auch seien deutlich mehr Polizisten und Ordnungshüter vor Ort. Die Besucher müssten überall mit Taschenkontrollen rechnen, am Bahnhof schaue die Bundespolizei in die Rucksäcke der Anreisenden. Was laut Schneider ebenfalls der Erhöhung der Sicherheit dient: der frühe Beginn der Faschingsparty auf dem Luitpoldplatz um 11.11 Uhr – schon lange vor dem Umzugsstart.

Sicherheitskonzept unverändert

Der Zugmarschall weiß aus Erfahrung: „Viele Mitfeiernde glühen vor. Und Alkohol steigt umso schneller zu Kopf, je leerer der Magen ist.“ Schneider hofft, dass sich dieses Problem mit einem reichhaltigen Essensangebot beheben lässt. Acht Verzehrstände werden aufgebaut, allein drei vom VfR und ganz neu einer von der Siedlergemeinschaft Grünstadt (SGG). Seit einigen Jahren kooperiere sein Verein, bei dem er seit 1990 Vorsitzender ist, mit der SGG. Unter anderem seien sie zusammen beim Sommerfest im Weingut Triebel aktiv. „Daraus ergeben sich Synergieeffekte“, so Schneider, dessen Stellvertreter an der Zugspitze Michael Wilhelm ist, der den Siedlern vorsteht.

Immer in Hettrumesien dabei: eine Abordnung des Radfahrvereins Einigkeit aus Rodenbach.
Immer in Hettrumesien dabei: eine Abordnung des Radfahrvereins Einigkeit aus Rodenbach.

In Hettenleidelheim wird die närrische Prozession des Feuerio auch von einem Zweiergespann geleitet: Thomas Rös, der seit 2018 den Hut aufhat, steht Donatus Becker zur Seite, der 1996 mit diesem Amt als Unterstützung von Peter Scholl begonnen hat, bevor er es dann lange allein gemacht hat. Als Duo sei das Sicherheitskonzept besser zu stemmen, findet Rös. „Nach der Pandemie hatten wir mit mehr als 5000 Besuchern gerechnet und mussten deshalb so einen Plan anfertigen“, erklärt der 52-Jährige. Becker sagt: „Ich war sehr erschüttert nach München und mein nächster Gedanke war: Was kommen jetzt noch für Auflagen?“ Aber nach den jüngsten Anschlägen war laut Rös keine weitere Verschärfung des Konzeptes notwendig gewesen.

Diesmal wird gleich abgeschleppt

An allen Zufahrtstraßen entlang der 2,3 Kilometer langen Strecke werden schwere Fahrzeuge stehen, die meisten von den sieben Freiwilligen Feuerwehren, die mit eingebunden sind, und zusätzlich drei Lastwagen. „Man muss sich aber klar sein: Hundertprozentig absichern kann man nicht“, so Rös. Inständig bittet er die Anwohner entlang der Route, die Halteverbotsschilder zu beachten. „Ab 8 Uhr darf am Sonntag kein Auto mehr dort parken“, betont er. Vor zwei Jahren ist der Zugmarschall von Haus zu Haus gelaufen und hat diejenigen, die ihren Wagen noch in der Straße stehen hatten, herausgeklingelt. „Das mache ich diesmal nicht mehr. Es wird direkt abgeschleppt“, warnt Rös.

Narretei in Hettenleidelheim: Fasnachtsumzug 2023.
Narretei in Hettenleidelheim: Fasnachtsumzug 2023.

An Ordnungskräften, einschließlich Sanitäter vom Deutschen Roten Kreuz, seien rund 110 Personen vor Ort. Jeder Motivwagen in dem rund 40 Nummern langen Umzug werde zudem von jeweils vier Ehrenamtlichen eskortiert. Aber die Anzahl der Fahrzeuge sei aufgrund der TÜV-Pflicht gegenüber früher deutlich zurückgegangen. „Als Fußgruppe ist es sowieso am besten. Da ist man näher am Publikum. Das macht mehr Spaß“, meint Rös. Auf dem Weg wird es an Ständen der FWG und der Kerweborsch vorbeigehen, „und mancher wird auf seinem Hof etwas ausschenken“, erklärt er. Mehr Speisen und Getränke gibt es dann an der Festhalle Gut Heil, wo abschließend eine Party steigt.

Termine

Fasnachtsumzug Hettenleidelheim: Sonntag, 2. März, Start um 13.31 Uhr im Lauberweg. Strecke: Wattenheimer Straße, Brunnenwiesenstraße, Hauptstraße, Altleininger Straße, Turnhallenstraße. Abschließend Party an der Festhalle Gut Heil.

Fasnachtsumzug Grünstadt: Dienstag, 4. März, Start um 14.11 Uhr an der Obergasse. Strecke: Hauptstraße (Fußgängerzone), Carrières-sur-Seine-Platz, Östlicher Graben, Synagogenplatz, Luitpoldplatz. Dort läuft schon ab 11.11 Uhr eine Party.

Aktualisierung

Die Schockwelle der Mannheimer Amokfahrt hat auch Grünstadt erreicht. Dort stehen am Dienstag Umzug und Straßenfasnacht an. Nun soll der Trubel besser geschützt werden.

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