Hettenleidelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Warnung vor Bränden mit der Fasnacht zu tun hat

Viele interessante Orden sind im Lauf der Geschichte des Fasnachtsvereins Feuerio aus Hettenleidelheim hergestellt worden.
Viele interessante Orden sind im Lauf der Geschichte des Fasnachtsvereins Feuerio aus Hettenleidelheim hergestellt worden.

Der Feuerio Hettenleidelheim feiert in dieser Kampagne sein 11x11-Jubiläum. In den 121 Jahren hat sich viel verändert – was in einer ungewöhnlich entspannten Party gipfelt.

Nur 21 der rund 400 Mitglieder in der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine sind älter als der Hettenleidelheimer Feuerio. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Hettrumesien närrisches Treiben uff de Gass. „Unter Narhalla war dieser Verein bekannt, doch dauerte es nicht lange, bis er wieder verschwand“, reimte Beisitzerin Kira de Nijs in der Jubiläumszeitschrift. „In einem Radfahrverein hat man diese Tradition wieder aufleben lassen“, erzählt der Feuerio-Vorsitzende Dominik Hoffmann. 1904 wurde der erste Maskenball initiiert – die Geburtsstunde des Karnevalvereins.

Schriftliche Dokumente aus der Zeit sind nicht mehr vorhanden – erst am 5. Januar 1928 kam es im Gasthaus Zum Ochsen zu einer Neugründung. „Der Name unseres Vereins hat sich aus einem Schlachtruf entwickelt“, erläutert Stefan Frey, seit 1989 Mitglied und seit 2004 Sitzungspräsident. In Zeiten ohne moderne Kommunikationstechnik haben sich die Bewohner einer Ortschaft mit lautem Gebrüll gegenseitig auf Brände aufmerksam gemacht, in Hettenleidelheim rief man „Feuerio!“ Weil dadurch zum Löschen viele Menschen zusammenkamen und auch das Feiern mehr Spaß in der Gemeinschaft macht, übernahmen die Fasnachter in feuerroten Uniformen diesen Ausruf.

Erstes Prinzenpaar 1951 gekrönt

Zum erster belegten Vorsitzenden wurde 1930 – da hatte der Verein schon 93 Mitglieder – Josef Unterländer gewählt. Er blieb es bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. 1949 war er erneut zur Stelle, um den Verein wieder aus der Asche zu heben – mit Adolf Fürst als Sitzungspräsident. Am 19. Februar desselben Jahres startete die Kampagne mit einem Maskenball. Als erstes Prinzenpaar wurden am 3. Februar 1951 Wiltrud Eisenbarth und Paul Holz inthronisiert – noch ohne Krönungsball. Premiere dieser Veranstaltung war erst 21 Jahre später. Ambiente und Ablauf sind den Organisatoren dabei sehr wichtig. Seit 1981 wird an dem Abend auch die Grubenlampe als Auszeichnung für besondere Verdienste rund um die Fasnacht verliehen. Erste Empfänger waren Hans Becker, Werner Mittrücker und Eugen Scholl.

Vor fünf Jahren bekam Thomas Rös die Lampe. Er zeichnet seit langer Zeit für den Fasnachtsumzug verantwortlich. Der erste seiner Art nach dem letzten Krieg schlängelte sich am 6. Februar 1951 durch die Dorfstraßen. 1954 – zum 50. Jubiläum des Vereins – war der Lindwurm mit 35 Nummern besonders beeindruckend. Zwei Jahre später fand der letzte Umzug statt, danach kehrte bis 1976 eine Pause ein. Die zwei Jahrzehnte fielen in die Zeit, als Hans Becker Sitzungspräsident war. Er hatte das Amt von 1955 bis 1993 inne. „Becker war Inhaber eines Blumengeschäftes in der Hauptstraße und die Scheune dahinter haben wir uns als Narrenstube ausgebaut“, berichtet Frey. Einweihung des Treffpunktes war 1979. Bei einer Zusammenkunft dort habe Werner Peter Fell angeregt, den Feuerio endlich ins Vereinsregister eintragen zu lassen. 1990 geschah das schließlich auch und folgerichtig bald die „Gewaltenteilung“: Dem Elferrats-Chef Becker wurde Fell als Vorsitzender zur Seite gestellt.

Männliche Gardetänzer haben Seltenheitswert

Letzterer rief 1992 die „Aktiven Frauen“ ins Leben. „Vorher war der Feuerio von Männern dominiert, die Damen durften nicht mitreden, sondern lediglich tanzen“, berichtet Frey. Die Garden haben sich seit 1981 – dem 7x11-Jubiläums-Jahr – entwickelt. Damals wurde auch das Tanzmariechen aus der Taufe gehoben. Heute gibt es vier Gruppen mit 69 Tänzerinnen und – immerhin – einem Tänzer, vom Kindergarten- bis zum Erwachsenenalter. Als Tanzmariechen wirbelt in dieser Kampagne Luna Garst über die Bühne und als Tanzpärchen fungieren seit einigen Jahren Hanna Lautensack und Lorenzo Jutzi. Vorsitzender Hoffmann hatte Lorenzos Part von 1997 bis 2007 inne, er war vier Jahre lang in der Garde aktiv. „Meine Freunde haben mich damit aufgezogen“, erinnert er sich. Er selbst habe sich aber sehr wohl gefühlt als „Hahn im Korb“, gut aufgenommen von den Mädchen, so der 38-Jährige. Frey findet es prima, wenn auch Jungen in der Garde sind. „Dann gelingen richtig tolle Hebefiguren“, sagt er und macht deutlich, dass es sich bei dem Tanz um Hochleistungssport handelt.

Die rund 350 Feuererianer, die seit 2002 ihr Domizil im Haus der Vereine haben, veranstalten in der Fünften Jahreszeit neben dem Krönungsball den Feuerio-Rock mit Liveband, die Seniorenfasnacht, den Kinderfasching und den Lumpenball. Letzterer ist ein Alleinstellungsmerkmal. „Ich kenne weit und breit keinen Verein, der so etwas anbietet“, sagt Frey. Zu der Feier am letzten Abend vor Aschermittwoch dürfen alle Besucher ganz leger kommen. Es ist eine lockere Party, an deren Ende um Mitternacht das Prinzenpaar „enthauptet“ wird: In diesem Jahr müssen Andrea Guth und Oliver Schimmel die Insignien zurückgeben. Alle zwei Jahre – auch diesmal wieder – gibt es den Fasnachtsumzug.

Narren wirken auch bei „weltlichen“ Feiern

Darüber hinaus wirkt der Feuerio an „weltlichen“ Feiern mit, dem Waldfest an Pfingsten und der Kerwe. „In Hettenleidelheim unterstützen sich sämtliche Vereine untereinander“, erläutert Frey. Zu verdanken sei das Jakob Dormann (SPD), der von 1992 bis 2009 Ortsbürgermeister war, und dem einstigen, 2019 verstorbenen Vereinsvorsitzenden Werner Peter Fell. „Sie haben einen Vereinsstammtisch initiiert. Daraus ist eine dauerhafte Kooperation erwachsen“, so Frey, der erfreut erzählt: „Unsere Jubiläumsfeier in der Gut-Heil-Halle konnten wir einfach genießen. Die Organisation und die Ausgestaltung haben Mitglieder anderer Vereine übernommen.“ Großartig sei auch, dass die Narren für ihre Orden, die alljährlich mit 3500 bis 5000 Euro zu Buche schlagen, Sponsoren finden.

Den jüngsten Tänzerinnen aus der Minigarde zuzuschauen, macht besonders viel Spaß.
Den jüngsten Tänzerinnen aus der Minigarde zuzuschauen, macht besonders viel Spaß.
So sah eine Narrenkappe des Fasnachtsvereins Feuerio aus Hettenleidelheim in den 1980er-Jahren aus.
So sah eine Narrenkappe des Fasnachtsvereins Feuerio aus Hettenleidelheim in den 1980er-Jahren aus.
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