Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Amokfahrt in Mannheim: Das sind die Folgen für die Fasnacht in Grünstadt

Polizeipräsenz und quergestellte Lastwagen: Schon beim Fasnachtsumzug in Hettenleidelheim am Sonntag gab es Schutzvorkehrungen.
Polizeipräsenz und quergestellte Lastwagen: Schon beim Fasnachtsumzug in Hettenleidelheim am Sonntag gab es Schutzvorkehrungen.

Die Schockwelle der Mannheimer Amokfahrt hat auch Grünstadt erreicht. Dort stehen am Dienstag Umzug und Straßenfasnacht an. Nun soll der Trubel besser geschützt werden.

Karlheinz Schneider fühlt sich gerade nicht sehr wohl in seiner Haut. Der 66-Jährige zeichnet als Vorsitzender des VfR Grünstadt auch für die Organisation des Fasnachtsumzugs am Faschingsdienstag verantwortlich. Als er hörte, dass ein Auto am Rosenmontag gegen 12.30 Uhr am Mannheimer Paradeplatz in eine Menschenmenge gerast ist, hat er sofort daran gedacht, die Großveranstaltung in seiner Heimatstadt abzublasen. „Aber da hängt so viel dran“, erklärt er mit Blick auf die langwierigen Vorbereitungen der Organisatoren und Teilnehmer. Also gingen seine weiteren Überlegungen dahin, ob und wie die närrische Prozession noch besser abgesichert werden könnte.

Zugmarschall in Grünstadt: Karlheinz Schneider.
Zugmarschall in Grünstadt: Karlheinz Schneider.

Bei der Umzugsstrecke sieht er keine Probleme, dort habe man schon nachgeschärft, unter anderem durch mehr quergestellte Lastwagen. Verbesserungen sind laut Schneider aber bei der Fasnachtsparty möglich, die um 11.11 Uhr auf dem Luitpoldplatz starten soll. Seine erste Idee, mit der er sich an die Stadtverwaltung wandte: Man sperrt sämtliche Zufahrtsstraßen ab. „Das hätten wir in der Kürze der Zeit nicht umsetzen können“, erläutert der Ordnungsamtsleiter Jürgen Bracht auf Anfrage der RHEINPFALZ und hebt hervor: „Wir haben grundsätzlich mehrere Interessen zu beachten.“ Anwohner, Gewerbetreibende und vor allem Rettungskräfte müssten rechtzeitig informiert werden. Auch seien Erreichbarkeiten zu gewährleisten, Umleitungen zu erarbeiten, Schilder zu stellen und Pläne zu ändern.

Antiterror-Fässer und Lastwagen

Einfacher zu realisieren sei es, Barrieren rund um das Festgelände aufzubauen, so Bracht, der sich umgehend zu einer Besprechung mit Schneider sowie Vertretern der Polizei und des Bauhofs vor Ort getroffen hat. Es wurde vereinbart, mehrere Antiterror-Fässer und weitere große Lastwagen lokaler Firmen aufzustellen. Bei den Containern handelt es sich um stabile Kunststoffbehälter, die mit Tausenden Litern Wasser befüllt sind. So werden sie zu tonnenschweren Hindernissen, die sich nicht einfach wegschieben lassen. „Die haben wir vor rund drei Jahren angeschafft und auch schon öfter zur Verhinderung von Anschlägen platziert“, berichtet der Ordnungsamtsleiter von den praktischen Objekten, die geleert zusammengefaltet und dann beim Bauhof gelagert werden.

Buden und Absperrungen stehen schon, am Dienstag sollen massivere Barrikaden folgen: Der Grünstadter Luitpoldplatz am Rosenmonta
Buden und Absperrungen stehen schon, am Dienstag sollen massivere Barrikaden folgen: Der Grünstadter Luitpoldplatz am Rosenmontag.

Da Schneider Bauunternehmer ist, stünden ihm entsprechende Fahrzeuge zur Verfügung, mit denen er die vorgesehenen Absperrungen errichten könne, sagt Bracht. Er betont, dass es keine Anordnungen oder Auflagen vonseiten der Stadt gegeben habe. „Nach den Meldungen des Veranstalters liegen wir beim Karnevalsumzug unterhalb der Schwelle, ab der ein Sicherheitskonzept gesetzlich gefordert wird“, erläutert er. Bis zu einer erwarteten Besucheranzahl von 5000 Menschen muss so ein Plan nicht erarbeitet werden.

Kann-Vorschrift freiwillig befolgt

Bei kleineren Ereignissen sei es lediglich eine Kann-Vorschrift, sagt der Chef der Polizeiinspektion Grünstadt, Thomas Jung. So ein Konzept lasse sich natürlich trotzdem freiwillig erstellen und dann auch verschärfen, wie es beispielsweise der Hettenleidelheimer Fasnachtsverein Feuerio für seine närrische Prozession getan habe. Auf die Frage, ob aufgrund der Geschehnisse in Mannheim die Anzahl der Ordnungskräfte beim Grünstadter Faschingsfest angehoben wird, winkt er ab. „Wir haben keine Bewertungsgrundlage für die Erhöhung der Sicherheit“, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar, der von dem Attentat im Nachbar-Bundesland auch nur über Tickermeldungen erfahren hat.

„Uns liegen keine Hinweise für eventuelle Angriffe in unserem Bereich vor. Insofern bleibt es bei der hohen abstrakten Gefährdungslage, von der Bundes- und Landeskriminalamt vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts und des Ukrainekriegs sprechen“, sagt Jung. Das gelte auch für den Sommertagsumzug am 9. März. Bereits schon länger seien die Sicherheitsmaßnahmen auf einem hohen Niveau, einschließlich einer erhöhten Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen. Jung findet: „Brauchtum soll stattfinden können.“

Termin

Fasnachtsumzug Grünstadt: Dienstag, 4. März, Start um 14.11 Uhr an der Obergasse. Strecke: Hauptstraße (Fußgängerzone), Carrières-sur-Seine-Platz, Östlicher Graben, Synagogenplatz, Luitpoldplatz. Dort läuft schon ab 11.11 Uhr eine Party.

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