Grünstadt „Musikunterricht ist Grundbildung“

„Wenn es lauter wird, müsst ihr nicht schneller spielen“, weist der Leiter der Musikschule Leiningerland, Richard Martin, seine etwa 15 Schützlinge auf einen häufigen Anfängerfehler hin. Es ist Mittwochnachmittag, das Vororchester des Leininger-Gymnasiums (LG) Grünstadt probt. Seit Januar üben die Geiger für das Konzert am heutigen Samstag im Weinstraßencenter.
Zum Abschluss des Workshops für Pädagogen „Piano and friends“ mit dem Schweizer Daniel Hellbach werden rund 40 Kinder und Jugendliche Eigenkompositionen des Kursleiters präsentieren. Sie rekrutieren sich aus dem LG-Vororchester, dem LG-Orchester sowie dem Orchester der Musikschule. Zum Profil eines Gymnasiums, dem vor genau 20 Jahren vom damaligen Bildungsministerium die Einrichtung des Schwerpunktes Musik bewilligt wurde, gehört nach Überzeugung von Oberstudiendirektorin Cornelia Diehl ein Streicher-Ensemble. Vor langer Zeit gab es eines unter der Leitung von Roland Würtz. „Seither haben wir immer wieder versucht, ein neues Ensemble aufzustellen“, erzählt Diehl. Es seien aber nie genügend Violinisten für ein Orchester zusammengekommen. Andererseits passten die Geiger in keine der bestehenden Arbeitsgemeinschaften am LG: weder in die seit 45 Jahren existierende AG Neue Musik noch in das vor zwei Jahren gegründete Pop-Orchester, in die Bläsergruppe oder den Chor. Jeder Schüler einer sogenannten Musikklasse – von den 137 Kindern, die am LG aktuell für das Schuljahr 2015/16 angemeldet sind, werden das wieder rund 30 sein – hat nicht nur eine Stunde pro Woche mehr Musikunterricht, sondern muss auch in einer AG in dem Bereich aktiv sein. Als Richard Martin die neue Rektorin Diehl im vergangenen Jahr besuchte, waren sich die zwei schnell einig: Gemeinsam wollten sie aus ihren Schülern langfristig ein Grünstadter Jugendorchester aufbauen – „als Aushängeschild für die Stadt“, wie Martin betont. Triebfeder für die Kooperation war für den Chef der Musikschule unter anderem, dass sich bei ihm sehr viele Kinder für Klavier- und Gitarrenunterricht anmelden. „Wir möchten, dass sich der Fächerkanon erweitert“, sagt er. Außerdem würden sich zwei Orchester – eines der Musikschule und eines des Gymnasiums – Konkurrenz machen. Diehl hebt hervor, dass das LG von den großen Erfahrungen und der Kompetenz Martins profitiere. Am Gymnasium sei er für derzeit vier Wochenstunden als „Lehrer im Beschäftigungsverhältnis“ angestellt. „Diesen Luxus leistet sich das Land noch“, so die Oberstudiendirektorin auf die Frage, wer ihn bezahlt. Richard Martin widerspricht: „In meinen Augen ist das kein Luxus. Für mich gehört Musikunterricht zur Grundbildung.“ Die Geiger im Vororchester lobt er nach intensiver Probe: „Das war ein sehr schwerer Schluss, aber ihr habt es hinbekommen.“