Grünstadt Mogeln erlaubt?

Im Fußball greift der Schiedsrichter ein, wenn ein Spieler schummelt. Tennisspieler müssen sich hingegen oft aufs Ehrgefühl des
Im Fußball greift der Schiedsrichter ein, wenn ein Spieler schummelt. Tennisspieler müssen sich hingegen oft aufs Ehrgefühl des Gegners verlassen.

Fair geht vor: ein Motto, das jeder Verein und jeder Sportler befolgen sollte. Aber nicht jeder kleine Trick ist verboten. Versuchen Sportler, Trainer und Schiedsrichter, gemeinsam Fairness zu gewährleisten? Und wie verhalten sich die Zuschauer bei den einzelnen Sportarten? Wir haben nachgefragt.

Handball

Um eine günstige Schiedsrichterentscheidung herbeizuführen, täuscht so mancher Spieler eine Verletzung vor. Das geschieht auch im Handball, wie Johannes Finck, Trainer der Handball-Region (HR) Göllheim/Eisenberg/Asselheim/ Kindenheim, auf Nachfrage berichtet. So etwas lasse sich kaum nachweisen. Er halte es nicht für erforderlich, etwa Seminare oder Vorträge zum Thema Fairness für sein Team zu organisieren, meint der Trainer. Die Mannschaft konzentriere sich bei der Spielvorbereitung auf Taktiken des Gegners und nicht in erster Line auf Fragen der Fairness, denn Handball sei in erster Linie ein Wettkampfsport. Die Zuschauer fieberten mit, wenn die eigene Mannschaft oder gar die Kinder auf dem Spielfeld stehen. Deshalb komme es beim Handball des Öfteren zu unschönen Rufen aus dem Publikum, erzählt Finck. Das sehe der Verein aber nicht gern, und die Spieler unterstützten es nicht. Ein nicht gegebenes Tor oder ein übersehenes Foulspiel kämen immer wieder vor und könnten auch spielentscheidend sein. Nach seiner Erfahrung glichen sich Fehlentscheidungen, egal wie gravierend, letztendlich aber aus: Keine Mannschaft könne auf Dauer entscheidende Vorteile durch unfaire Aktionen erzielen. Ein kluger und guter Schiedsrichter suche Kontakt zu Spielern und der Trainerbank und erkläre seine Entscheidungen, sagt Finck. Kickboxen Körperkontakt gibt es bei Kampfsportarten wie Kickboxen genug. Deshalb müssten sich alle Beteiligten an wichtige Kodizes halten, sagt Andreas Lambrix, Pressewart des Martial Arts Team Pfalz. Es sei wichtig, seinen Gegner mit Respekt zu behandeln. Das Missachten der Regeln könne zum Ausschluss des Kämpfers vom Wettkampf oder im Härtefall zum Ausschluss aus dem Verein führen. Ein solcher Fall sei ihm aber nie untergekommen, sagt der Pressesprecher. Grund dafür sei „das hohe soziale Niveau“ der Sportler. Wie in den meisten Sportarten feuerten die Zuschauer beim Kickboxen ihre Kämpfer lautstark an. Beleidigende Rufe seien aber absolut untersagt, und auch für die Eltern jugendlicher Kämpfer sei das tabu. Beim Point Fighting, einer Unterart des Kickboxens, bei der nach einem Treffer unterbrochen und nicht bis zum K.o. gekämpft wird, gibt es gleich drei Schiedsrichter: einen Hauptrichter und zwei Assistenten, die dafür sorgen sollen, dass der Wettkampf fair bleibt. Sportler und Zuschauer müssten den Unparteiischen Respekt entgegenbringen. Dennoch gebe es schwarze Schafe, die sich unfair verhalten, so der Pressesprecher. Gewichtheben Die Gewichtheber in der Region bilden einen überschaubaren Kreis, man kennt sich untereinander, erzählt Michaela Attilo vom KSV Grünstadt. „Das Gewichtheben ist eine Randsportart, und es gibt so gesehen keine Fremden, die man ausbuhen würde“, sagt sie. Die Heber könnten kleine Fehler kaum vor den Unparteiischen verstecken, auch ein leichtes Wegknicken falle schnell auf. Dass trotzdem Fehlentscheidungen getroffen werden, sei normal, aber anders als in anderen Sportarten sorge dies beim Gewichtheben nicht für Pfiffe oder Pöbeleien. Auch sei das Gewichtheben wegen des mangelnden Körperkontakts eine der fairsten Sportarten, findet die Pressewartin. Tennis Gerade beim Tennis wird ans Ehrgefühl der Spieler appelliert, denn in den unteren Ligen gibt es oft keinen Schiedsrichter, der über Fehlverhalten entscheidet – zumindest, wenn es nicht gerade um ein wichtiges Mannschaftsspiel oder Turnier geht. Der gängigste Regelverstoß beim Tennis – gerade im Jugendbereich – sei das Irritieren des Gegners, indem Spieler oder Zuschauer beispielsweise hineinreden oder aufstampfen. Das beschreibt der Jugendwart des Tennisvereins PTC Grünstadt, Marc Brinkmann, als „psychologisches Spiel“. Die Spieler könnten sich auch Vorteile verschaffen, indem sie anzweifeln, ob ein Ball im Aus war. Bei Diskussionen liege es in der Pflicht des Trainers, den Streit zu schlichten. Wenn die Gegner sich nicht einigen können, werde ein neutraler, kompetenter Beobachter hinzugerufen, der den weiteren Spielverlauf beaufsichtigt. Fairness sei beim Tennis Voraussetzung und werde nicht extra durch Seminare des Trainers gefördert. Brinkmann warnt aber vor Spielern, die bekannt dafür seien, dass sie gerne und häufig „bescheißen“. Für deren Spiele werde in der Regel extra ein Schiedsrichter beauftragt.

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