Grünstadt Mit Tablets und „Kuchensystem“
Smartphone und Tabletcomputer werden künftig das Leben der Jugendlichen noch viel mehr bestimmen, ist sich Richard Hartmann sicher. Allerdings nicht irgendwelche Mobiltelefone, sondern die explosionsgeschützte Variante. Und auch nicht, um sich mit Freunden auszutauschen, zu spielen oder Musik zu hören, sondern unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ als Diagnose- und Reparaturhilfe an hochsensiblen chemischen Anlagen. „Die digitale Transformation eröffnet den Jugendlichen ganz neue Wege. Wir sind stolz, dass in der Ausbildung der BASF die Zukunftstechnologien nicht nur vermittelt, sondern bereits in der Praxis erlebbar werden“, erklärt Hartmann. Sven Richter aus Albsheim und Dennis Häschel aus Lambsheim sind angehende Elektroniker für Automatisierungstechnik und freuen sich auf die Ausbildung. Für Häschel ist es eine Rückkehr zur BASF. „Ich habe hier schon Elektriker gelernt, dann mein Fachabitur nachgeholt, und jetzt bin ich wieder da.“ Während er Auskunft gibt, erklärt Ausbilder Jürgen Antz dem Neuling Tas Aliihsan gerade den Umgang mit dem Tablet an der Übungsanlage: „Die Maschine meldet den QR-Code und hilft im Störungsfall bei der Suche nach der Fehlerquelle.“ Dies funktioniere im Übungsraum genauso wie an einer „echten“ Anlage. „Mit dem Unterschied, dass die Übungsanlage mit Wasser betrieben wird. Es ist also nicht so schlimm, wenn einmal etwas überläuft.“ Schmerzhaft ist es trotzdem, wissen Nicolas Dietrich und Philip Unicsovics, die seit Freitag in ihrem dritten Lehrjahr sind: „Wir haben hier das ,Kuchensystem’. Wenn etwas überläuft, muss der Verursacher für alle anderen Kuchen mitbringen.“ Zum Glück nur für die Kollegen der jeweiligen Gruppe und nicht für alle 84 angehenden Automatisierungs-Elektroniker, die gestern ihre Ausbildung begonnen haben. Richard Hartmann beklagt sich nicht über die Anzahl der Bewerbungen, von denen mittlerweile jährlich rund 8000 bei der BASF eingehen. Das sei nach der Umstellung auf Online-Bewerbungen aber nicht mehr mit der Anzahl früherer Jahre vergleichbar. „Wenn eine Stelle besetzt ist, nehmen wir die aus dem System, während früher weiter Bewerbungen dafür eingegangen sind“, erklärt er. Der Ausbildungsleiter des Chemieunternehmens beklagt viel mehr die Qualität der Bewerbungen. „Wir würden uns wünschen, dass in den Schulen andere Schwerpunkte gesetzt werden“, formuliert er seine Kritik. Das Unternehmen müsse vor und während der Ausbildung zunächst Grundlagenwissen, etwa in Rechtschreibung oder Mathematik, vermitteln, ehe es an den eigentlichen Ausbildungsinhalten arbeiten könne. Sein Blick und der von Daniela Kalweit, neue Leiterin der Rekrutierung, richten sich bereits in die Zukunft: „Wir nehmen bereits seit Mai 2017 Bewerbungen fürs Ausbildungsjahr 2018 an.“ Gemeinsam raten sie angehenden Schulabgängern zu möglichst frühzeitigen Bewerbungen. „Je früher desto größer ist die Auswahl der möglichen Berufe“, betonen Hartmann und Kalweit.