Grünstadt Mit jeder Art von Schriftkunst zu tun gehabt
Ein besonderes Jubiläum begeht Albrecht Neser: Der Kirchheimer feiert heute seinen 90. Geburtstag. Bekannt ist der Jubilar vielen noch als Chef seines einstigen traditionsreichen Malerbetriebes. Vor allem im Bereich Kunstmalerei und Restauration machte sich Neser deutschlandweit einen Namen und erhielt 1977 für sein Engagement in seinem Berufsstand das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Hineingeboren in den vom Vater gegründeten Malerbetrieb, war für Albrecht Neser nach dem frühen Tod des Bruders schnell klar, dass er in den väterlichen Betrieb einsteigen würde: „Eigentlich wollte ich etwas Technisches machen, Flugzeugingenieur wäre ich gerne geworden, aber dann ist es eben anders gekommen“, erinnert sich der Jubilar. Also begann er 1942 seine Lehre und legte 1944 an der Meisterschule Kaiserslautern die Gesellenprüfung ab, bevor er sich im selben Jahr als Freiwilliger bei der Luftwaffe meldete. Als einer der wenigen Überlebenden seiner Einheit im Einsatz gegen englische Truppen am Weser-Ems-Kanal sei er als Kriegsgefangener nach Belgien, später ins deutsche Munster-Lager gekommen, von wo aus er zurück in die Pfalz gelangte. An die schweren Zeiten des Neuanfangs kann sich der 90-Jährige gut erinnern: „Damals gab es keinen Lohn, nur Naturalien. Wir haben gegen ein Mittagessen Malerarbeiten in den umliegenden Dörfern erledigt.“ Unterkriegen ließ sich der Kirchheimer dennoch nicht: Künstlerisch talentiert, bildete er sich an der Freien Akademie in Mannheim weiter, erhielt Unterricht im Porträt- und Aktzeichnen und legte 1949 in Kaiserslautern seine Meisterprüfung ab. Noch im selben Jahr wechselte er zu einem Malerbetrieb an den Bodensee: „Dort habe ich die Schilderabteilung geführt und mit jeder Art von Schriften zu tun gehabt. Über München bin ich schließlich an die Kunsthandwerkschule Bonndorf gekommen.“ Eine besondere Station für den Jubilar: „Einer meiner dortigen Lehrer war Schüler von Maler Paul Klee“, erzählt Neser nicht ohne Stolz. Die Schriftkunst war es auch, die den Kirchheimer letztlich seine Ehefrau Christel kennenlernen ließ: „Sie war die Tochter des Busunternehmers Metzger und ich sollte einen Bus beschriften. Ja, und dann habe ich dort dieses Mädel entdeckt“, erzählt der Senior verschmitzt. Nach der Hochzeit 1956 kamen die Töchter Traudel und Margit und Sohn Ulrich zur Welt. Der Nachwuchs stieg später zum Teil in den Familienbetrieb mit ein und hielt dem Vater zusammen mit Ehefrau Christel den Rücken frei, wenn sein vielseitiges Können als Restaurator in ganz Deutschland gefragt war: Ob der Altar der Dorfkirche zu Bagow, der berühmten von Ribbecks im Havelland, oder die katholische Kirche in Hinterzarten – mit der Übernahme des Mannheimer Kirchenmalerbetriebes Heller folgten unter anderem bundesweit viele weitere Sanierungsprojekte in Kirchen. Bis heute noch zeugen viele Gebäude in der Gegend von seinem Wirken wie etwa die Battenberger Kirche, deren Wandmalereien Neser gestaltet hat, oder aber das Mosaik an der Fassade der Grundschule Kleinkarlbach. Eine Erweiterung im Bereich Lackiererei 1988 währte nur kurz: „Im Jahr 1992 wurden unsere Hallen im Grünstadter Industriegebiet durch Brandstiftung zerstört, mitsamt dem Maschinenpark“, erzählt Neser. Ein Wiederaufbau sei nicht mehr sinnvoll gewesen, sodass er schließlich den Betrieb aufgab. Aber auch heute noch ist Neser am Geschehen interessiert: „Ich bin immer froh, wenn ich über Aktuelles aus der Innung informiert werde.“ Seinen Ehrentag wird er heute mit seinen Kindern- und Schwiegerkindern, sieben Enkeln und fünf Urenkel verbringen.