Grünstadt Mit der Spitzhacke im Einsatz

Kein Spaß bei Minusgraden und steinhart gefrorenem Boden oberhalb des Drahtzugweihers in Altleiningen einen Krötenschutzzaun auf
Kein Spaß bei Minusgraden und steinhart gefrorenem Boden oberhalb des Drahtzugweihers in Altleiningen einen Krötenschutzzaun aufzustellen (vorn von links): die Vorsitzende Nabu Eisenberg-Leiningerland, Susanne Bentz aus Mühlheim, Josefine und Ulrike Klett aus Grünstadt und Melanie Wilding aus Wachenheim/Weinstraße.

„Der Boden ist beinhart gefroren. Da kommen wir nicht vorwärts“, stöhnt Ruth Wölke vom Nabu Eisenberg-Leiningerland. Ihre Gruppe hat am Samstag die Altleininger Amphibienschützer beim Aufbau eines Krötenzauns unterstützt. Erstmals wurde er im Wald oberhalb des Drahtzugweihers aufgestellt und zum ersten Mal wurde auf eine solche mobile Barriere entlang der K 31 am östlichen Ortseingang von Höningen verzichtet.

„Vorerst“, sagt Susanne Back. Die Sausenheimerin, die seit Gründung der Gruppe 2008 dabei ist, erklärt, dass die Zahl der Amphibien, die die Kreisstraße queren wollten, zurückgegangen sei. „Das hängt vermutlich damit zusammen, dass der Teich bei der Pferdekoppel, den die Tiere zum Ablaichen aufsuchen, allmählich verbuscht und sie dort keine idealen Bedingungen mehr vorfinden“, so Back. Aber man werde die Situation genau beobachten und falls doch ein Zaun vor Höningen erforderlich sein sollte, werde man ihn errichten. „Der lagert beim Kleinsägmühlerhof und ist in zwei, drei Stunden aufgebaut.“ Oberhalb des Drahtzugweihers werden die rund 18 Helfer, die aus dem gesamten Leiningerland, der Verbandsgemeinde Eisenberg und sogar aus Alzey und Wachenheim/Weinstraße gekommen sind, deutlich länger brauchen. Zum einen, weil zwei Zäune, die der Nabu zur Verfügung gestellt hat, installiert werden: ein 160 Meter langer im Wald und ein etwas kürzerer zwischen dem kleinen See und dem Firmenparkplatz. Zum anderen, weil das Gelände voll mit Wurzelwerk und Stein ist sowie – bei der derzeitigen Witterung – gefroren. Weshalb man sich diese Knochenarbeit bei Minustemperaturen antut, wenn die Tiere, die man schützen möchte, doch gar nicht unterwegs sind? Die Nabu-Vorsitzende Susanne Bentz sagt: „Der Termin war lange geplant.“ Entlang der L 520 in Höhe des Weihers darf nach wie vor kein Zaun aufgestellt werden – einige Grundstückseigentümer wehren sich dagegen. So bleibt den Altleininger Amphibienschützern nichts anderes übrig, als jedes Jahr eifrig die Kröten von der Fahrbahn zu sammeln. Dennoch werden unzählige Tiere von Autos überrollt. „Sie wandern ja die ganze Nacht, auch wenn wir schon nicht mehr da sind“, erklärt Back. Außerdem werden sie scharenweise auf dem Parkplatz am See überfahren – etwa von Sattelschleppern und leider auch immer wieder mutwillig (wir berichteten). Das Elend mochte sich der Umweltmanagementbeauftragte der Firma ITW Welding, Bernd Frühbeißer, nicht mehr länger angucken. Er wandte sich an Ruth Wölke, die daraufhin Hans-Heiner Back informierte. Der Vater von Susanne Back leitet die einst von Achim Hoffmann aus Obersülzen aufgebaute Amphibienschutzgruppe, die einen harten Kern von rund einem halben Dutzend Höningern hat und auf Hilfe aus der Umgebung zählen kann. Wolfgang Stein, Eigentümer des Weihers und Waldstücks, willigte in den Aufbau von Zäunen ein. „Unser Unternehmen unterstützt die Aktion mit Manpower, auch bieten wir Lagerfläche für den Zaun“, so Frühbeißer, der mit seinem Kollegen Axel Eich vor Ort ist und gerade mit einer Spitzhacke den Boden bearbeitet. Er ist schon ordentlich ins Schwitzen gekommen. „Man muss das sportlich sehen“, sagt er lachend. An der mobilen Barriere im Wald werden die Tiere in eingegrabene Eimer plumpsen, die regelmäßig am Weiher geleert werden. Der Zaun am See, der laut Back während der Hinwanderung hochgebunden wird, soll verhindern, dass die Kröten auf dem Rückweg über den Parkplatz müssen. So wird sich hoffentlich die Zahl der überlebenden Amphibien erhöhen. Bislang haben die Naturschützer alljährlich allein in der Talstraße zwischen 4500 und 6500 Tiere gerettet.

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