Grünstadt Mit dem Rad auf der Autobahn

Da er die Landstraße nicht fand, habe er mit seinem Drahtesel eine autobahnähnliche, teilweise sechsspurige Straße benutzen müssen. „Aber ich wurde mit der Schönheit des Kreml belohnt“, sagt er. Den ursprünglich geplanten Rückweg mit großem Bogen über Sankt Petersburg und Helsinki wird Mayer nicht mehr schaffen. „Ich habe viel länger gebraucht als ich dachte“, erzählt der 54-Jährige, der statt der geplanten 130 nur 100 Kilometer pro Tag bewältigen konnte. Er wird nun wieder nach Lettland radeln und eine Fähre über die Ostsee nehmen. Für die letzte Nacht, bevor er am 19. Februar nach Russland einreiste, hatte Mayer in Lettland sein Zelt aufgeschlagen – in einer kleinen Mulde auf dem Feld, rund einen Kilometer vor der Grenze (wir berichteten). Im Morgengrauen wurde er von Zollbeamten geweckt, die ihm erst einmal misstrauisch den Pass abnahmen. „Sie haben mich bis zur Grenze begleitet und mir den Ausweis dann erst wiedergegeben“, erzählt der Grünstadter. Offensichtlich habe man sichergehen wollen, dass er Lettland wirklich verlässt. In Russland durchquerte Rolf Mayer zunächst etwa 600 Kilometer Wildnis, ohne Wege. Permanent kämpfte er sich durch 50 bis 100 Zentimeter dicken Schnee. Um sein Zelt aufzuschlagen, musste er die weiße Pracht erst einmal verdichten, sonst wäre er eingesunken. Weiter im Osten gab es dann größere Straßen, die zwar freigeräumt, aber oft nicht zu erreichen waren. „Die Seitenstraßen waren glatt, ich bin sehr oft gestürzt“, sagt der Abenteurer. Es folgten die oben bereits erwähnten letzten 100 Kilometer vor Moskau. Die Etappe auf der sehr breiten Schnellstraße, davon 30 Kilometer Baustelle, sei nervlich sehr belastend gewesen. „Die Lkw sind haarscharf an mir vorbei gebrettert.“ Nach einer Nacht in einem einfachen Hostel – „aber wenigstens ein Bett“ – musste Mayer die Kette seines Fahrrades reparieren, bevor er Moskau erkunden konnte. „Der Kreml und der Rote Platz sind beeindruckend“, schwärmt er. Die Leute seien oft freundlich und hilfsbereit, viele könnten Englisch, manche sogar Deutsch. Am Donnerstagabend ist der Grünstadter Extremsportler in einen Zug gestiegen, um die russische Hauptstadt zu verlassen. Er wollte die gefährliche Autobahn-Strecke nicht noch einmal fahren. Am Hauptbahnhof sind die Kontrollen so streng wie am Flughafen, und der seltsame Radler ist vielfach bestaunt worden. Beim Versuch, das Ticket zu kaufen, versagte die Kreditkarte. „Ich musste mein letztes Bargeld investieren“, so Mayer, der sich dann lange auf die Suche nach einem Geldautomaten machen musste. (abf)