Grünstadt „Menschlich und fachlich kompetent“

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Grünstadt. Im Alter von 83 Jahren ist am Sonntag der frühere langjährige Direktor des Leininger-Gymnasiums, Paul Müller, gestorben. Nahezu 21 Jahre lang, von 1972 bis 1993, leitete er die Schule mit teilweise bis zu 1200 Schülern.

Müller war kein Mann der lauten Worte, kein Chef, der auf große Distanz zu seinen Schülern bedacht war. Im Gegenteil. „Er war jemand, zu dem man mit allen Problemen gehen konnte und der immer zugehört hat.“ So formulierte es eine Schülerin, als Paul Müller mit einem großen Schulfest Mitte Juli 1993 verabschiedet wurde. Vielen ist noch der Zug in Erinnerung, als Gymnasiasten, als Römer verkleidet, ihren Direktor an dessen letztem Schultag in einer Sänfte durch die Stadt zum Gymnasium trugen. Paul Müller wurde am 23. Mai 1931 in Zweibrücken geboren, wo er im März 1953 das Abitur ablegte. Er studierte Deutsch und Latein und wurde am 1. Oktober 1962 zum Studienassessor ernannt. Bis zu seiner Berufung zum Leiter des Grünstadter Gymnasiums am 1. Oktober 1972 und seiner Ernennung zum Oberstudiendirektor zwei Monate später vergingen gerade mal zehn Jahre. Das zeigt, dass auch das Kultusministerium schon früh die Fähigkeiten des Pädagogen erkannt hatte. „Fachlich qualifiziert und menschlich kompetent“, nennt das Cornelia Diehl, die heutige Direktorin des Leininger-Gymnasiums. Im gleichen Jahr, als Müller die Leitung übertragen wurde, kam sie als Sextanerin an die Schule. Auf den vergleichsweise jungen Schulleiter warteten nicht nur pädagogische Aufgaben, sondern auch große bauliche Maßnahmen. In seiner Zeit als Direktor wurde die Schule so ausgebaut, wie der Komplex heute noch im Kreuzerweg steht. An der Schule herrschte akute Raumnot, geburtenstarke Jahrgänge drängten in die weiterführenden Schulen. Die Planung sah für das LG eine Erweiterung von zwei auf drei Züge vor, Müller plädierte von Anfang an für einen Ausbau zur Vierzügigkeit, was schließlich auch akzeptiert und umgesetzt wurde. Der Erweiterungsbau, im November 1977 in Betrieb genommen, kostete damals rund neun Millionen Mark. Unmittelbar nach dessen Fertigstellung begann der Bau einer Drei-Feld-Sporthalle, die rund 2,5 Millionen Mark kostete und ab 1. Dezember 1979 dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stand. 1981 erfolgte die Fertigstellung der Außensportanlage, Kosten: rund 814.000 Mark. Der Bau war notwendig geworden, weil beim vierzügigen Ausbau der Sportplatz zum Bauplatz wurde. Dass eine Vierzügigkeit gerechtfertigt war, zeigte sich spätestens 1980, als das LG mehr als 1200 Schüler zählte. Friedel Sauer, der 36 Jahre am LG unterrichtete und Mitglied der Schulleitung war, bezeichnete Müller als „einen guten, lieben Chef, der nach seinem Abschied von der Schule ein guter Freund blieb“. Sauer schildert seinen Skatbruder als klug und hilfsbereit. So habe er seine handwerklichen Fähigkeiten beispielsweise auch zugunsten der Alten Lateinschule eingesetzt, aus Holzrahmen und Keramikplatten Topfuntersetzer gefertigt, die für die Renovierung verkauft werden. „Das Material haben wir zum Teil beim Sperrmüll gesammelt“, erinnert sich Sauer lächelnd. Müller, der nach eigenem Bekunden „am liebsten nur Lehrer“ war, ging mit 62 Jahren in den Ruhestand, obwohl er sich noch fit fühlte. Vielleicht, weil er als humanistisch geprägter Mensch nicht immer damit einverstanden sein konnte, dass die Politik die Schule gern als politische Spielwiese benutzte. Dass er diese Kritik bei seiner Verabschiedung nur anklingen ließ und nicht laut äußerte, entsprach seinem Naturell. Ihm war es wichtig, Schule als Lebensraum zu gestalten, als einen Bereich, in dem sich Menschen begegnen und kommunizieren können. Seine Schüler haben das verstanden. So ein, zwei Jahre nach Müllers Abschied schufen Schüler unter Anleitung von Kunsterzieher Horst Schipull einen Aufenthaltsort für Oberstufenschüler. Der Raum heißt heute noch „Café Paule“. (ks)

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