Grünstadt „Mein Herz schlägt links“
NEULEININGEN. Die vierte Veranstaltung des Neuleininger Burgsommers sollten sich die Freunde des bissigen Humors vormerken: Am Samstag, 9. Juli, ist die historische Festung Kulisse für einen Comedy-Abend. Zu erleben sind Ingo Appelt, einer der bekanntesten deutschen Comedians, mit seinem Programm „Besser...ist besser!“ und die Twotones (Rainer Klundt und Anna Krämer), die energiegeladenes Musikkabarett bieten. Das aus der Region stammende Duo hat sich drei Jahre lang nicht mehr auf dieser Bühne sehen lassen, der dritte im Bunde war noch nie dort und man kennt sich untereinander nicht. Das verspricht eine spannende Darbietung zu werden. Wir fragten Ingo Appelt, was das Publikum erwartet.
Eigentlich bin ich es gewohnt, die Bühne für mich allein zu haben, aber es ist doch schön, dass ich jetzt mal ein paar Kollegen kennenlerne. Wie es läuft, werden wir sehen. Ich komme nie mit einem vorgefertigten Programm. Vielmehr habe ich vier Stunden Material in petto. So kann ich flexibel reagieren auf das, was die anderen Akteure tun, und auf das, was aus dem Publikum rüberkommt. Ich bin sehr gern in Talkshows – am liebsten mit wechselnden Moderatoren. Dann wird man auch damit rechnen können, dass Sie auf aktuelle Geschehnisse eingehen. Wird der Brexit vorkommen? Natürlich ist der Brexit ein Thema, ebenso wie auch die Flüchtlingspolitik. Den Frust über die EU kann ich verstehen. Juncker hätte vor dem Referendum nach Großbritannien fahren müssen, um für die Europäische Union zu werben. In dem Zusammenhang gehe ich auch auf Merkel ein, wenn sie bis dahin nicht eingegangen ist. Ich kenne viele Engländer, und alle haben das Gefühl: Sie werden von Berlin und Brüssel regiert. Mutti ist Europa, sie regelt alles allein. Merkel hat nur einen wirklichen Gegner und der heißt Seehofer. Der Bayxit ist nicht mehr weit. Ja, der Nationalismus erstarkt. Was sagen Sie dazu, dass die Parteienlandschaft nun auch die „Alternative für Deutschland“ umfasst? Ach, wenn Mutti alles macht, ist das mit der Zeit einschläfernd. Jetzt passiert wieder was. Die Zeiten, in denen man bequem Demokrat sein konnte, sind vorbei. Und wie leben Sie als Gewerkschafter und überzeugter Sozialdemokrat damit, ausgerechnet an Führers Geburtstag das Licht der Welt erblickt haben? Mein Vater hat immer gelästert, und ich habe meinen Geburtstag nie gern gefeiert. Arbeitskollegen fanden’s witzig und haben mir „Mein Kampf“ geschenkt. Aber irgendwie hat das auch was. Brigitte Mira teilte das gleiche Schicksal. Ich versuch’s mit Humor zu nehmen. Das macht das Leben sowieso leichter. Wie wurde aus dem Maschinenschlosser aus dem Ruhrpott ein Kabarettist? Mein Herz schlägt links, und ich habe eine große Fresse. So wurde ich mit 16 schon Jugendvertreter der IG Metall. Schließlich war ich im Bundesjugendausschuss und Siemensgesamtjugendvertreter. Ich hab` Vorträge gehalten, konnte aber auch Willi Brand. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass man auf der Bühne viel offener reden kann. Schlechte Komiker gehen in die Politik. Hat Humor Grenzen? Was sagen Sie zur Böhmermann-Debatte? Das Thema Böhmermann ist schwierig. Wenn mir „Ziegenficker“ eingefallen wäre, hätte das ZDF das wohl nicht gesendet. War es nötig, derart zu provozieren wie Böhmermann? Normales Kabarett geht doch auch. Das ZDF als Staatsfernsehen hätte das, noch dazu zur besten Sendezeit, nicht ausstrahlen dürfen. INFO Ingo Appelt und die Twotones sind zu erleben am Samstag, 9. Juli, ab 20 Uhr, auf der Burg Neuleiningen. Karten zu 24,50 Euro (Ermäßigung mit RHEINPFALZ-Card) gibt es ab 18.30 Uhr an der Abendkasse. Sie können auch unter der Hotline 01805/783424404, unter Telefon 06359/1718 oder per E-Mail: luxxxus@t-online.de reserviert werden. Vorverkauf unter www.reservix.de, beim RHEINPFALZ Ticket Service und den bekannten Vorverkaufsstellen der Region. |INTERVIEW: Anja Benndorf DOPPELTERZEILENUMBRUCH