Grünstadt Mehr Zeit für den Wald
Im Januar ist in den neu gebildeten Forstzweckverbänden Ganerben und Jerusalemsberg-Leiningerwald die Arbeit aufgenommen worden. „Ein langer gemeinsamer Prozess wurde erfolgreich abgeschlossen“, resümiert der Leiter des Forstamtes Bad Dürkheim, Frank Stipp, beim Pressegespräch. Am 20. Dezember hatte sich die Kreisstadt als letzte Kommune entschieden, dem Verband Ganerben beizutreten.
2017 ist laut Stipp ein Übergangsjahr. Soll heißen: Alle Holzeinschläge vom Vorjahr werden noch einzeln auf die Ortsgemeinden abgerechnet. Der erste Hieb im Verband Jerusalemsberg-Leiningerwald läuft dieser Tage im Bereich Harschberg in Altleiningen. „Wir werden dort rund 1000 Festmeter Holz ernten“, kündigt Revierleiterin Isabelle Behret an. Bis März sollen im gleichen Talzug noch 700 Festmeter im Gemeinschaftswald Kirchheim-Kleinkarlbach-Battenberg gefällt werden. Hiebe, die wie bisher separat für jede einzelne Gemeinde gemacht werden mussten, hätten im Durchschnitt nur 220 Festmeter umfasst, so Behret. Die vielen kleinen Einschläge haben aber in der Summe höhere Kosten verursacht und die geringen Mengen waren am Holzmarkt schlechter abzusetzen. Als Verband lasse sich auch der momentane Preisverfall beim Industrieholz besser abfangen, sagt Stipp. Die Nachfrage nach schwächerem Laubholz, aus dem unter anderem Spanplatten und Papier hergestellt werden, sei um zehn bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Da der Holzmarkt globalen Einflüssen ausgesetzt sei, könne das verschiedene Ursachen haben. „Gerade im Wegebau zeigen sich die Vorteile des Verbandes“, erläutert Ganerbens Forstinspektor Markus Leuteneker. Er habe in seiner erst rund einjährigen Amtszeit schon zweimal den Fall gehabt, dass das jeweils mittlere Stück eines Waldweges nicht saniert werden konnte, da die Eigentümer-Gemeinde dafür kein Geld mehr gehabt habe. Durch die neue Verwaltungsstruktur kann ein Vorhaben komplett abgeschlossen werden, da neben den Einnahmen auch die Ausgaben nach einem festgelegten Schlüssel auf alle Verbandsmitglieder aufgeteilt werden. In Ganerben sind das neun Gemeinden mit zusammen 2300 Hektar Wald, in Jerusalemsberg-Leiningerwald ebenfalls neun Kommunen (aber zehn Betriebe, weil noch ein Gemeinschaftswald dazu zählt) mit gut 2100 Hektar Forst. Im Durchschnitt sei ein rheinland-pfälzischer Revierleiter für 1530 Hektar Wald zuständig, weist Stipp auf die enorme Arbeitsbelastung von Behret und Leuteneker hin. Um 10.000 Festmeter Holz zu ernten – das entspricht in etwa der Zielgröße, die beide Revierleiter anstreben –, müssen ungefähr 50.000 Bäume begutachtet und eventuell als Zukunftsbäume (die stehen bleiben sollen) markiert werden. Für diese Entscheidungen wird viel Zeit benötigt. Andere Aufgaben hätten mitunter nur in Überstunden erledigt werden können, so Leuteneker. „70 Prozent meiner Arbeitszeit habe ich bisher am Schreibtisch verbracht. Durch die deutlich vereinfachte Verwaltung der Betriebe kann ich endlich mehr draußen unterwegs sein“, freut sich Behret. Um den Wald für die nächste Generation zu sichern, müsse man sich beispielsweise auch ausreichend um die Verjüngung kümmern und sogenannte Wertastungen (Absägen der Äste im unteren Stammbereich eines jungen Baumes, um eine bessere Holzqualität zu erzielen) vornehmen können. Wichtig sei es zudem, mit Jägern Kooperationsgespräche zu führen, Gemeindevertreter bei Waldrundgängen über ihr Eigentum zu informieren und Wanderer aufzuklären. Darüber hinaus benötige der Förster zunehmend Zeit, um Verkehrssicherungen vorzunehmen, also vorsorglich Bäume zu fällen, die beim nächsten Sturm umstürzen könnten. Die Auswirkungen der Klimaveränderung seien immer stärker spürbar, sagt Behret. „Die Fichte werden wir auf Dauer am Haardtrand verlieren; wir sind gefordert, im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung andere Baumarten zu etablieren“, erläutert Stipp. Den Wald zu erhalten sei aber auch aus anderen Gründen dringend geboten, so Behret, denn es gehe um Naturschutz, Wasserrückhaltefunktion, Kohlenstoffdioxidspeicherung und nicht zuletzt um den Erholungswert.