Grünstadt Mehr als eine Million Karten
«KAISERSLAUTERN.» An Fasnacht und an Kerwetagen besuchte der Wander-Kinematograph Hirdt mit „bewegten Bildern“ Kaiserslautern, so auch 1904, vor 115 Jahren. Kaiserslautern entwickelte sich bis in die 1960er Jahre zur Kinostadt der Region. Der erste Tonfilm lief hier 1929, vor 90 Jahren. Einen Filmpalast bekam die Stadt 1937. In den 1950er Jahren gab es zeitweise acht Kinos mit rund 4600 Sitzplätzen. Derzeit gibt es in Kaiserslautern drei Kinos mit 14 Sälen und rund 2600 Plätzen.
Die Statistik verrät, dass die Deutschen heutzutage im Schnitt 2,5 Mal im Jahr ins Kino gehen. Zu Beginn der 1930er Jahre ging man durchschnittlich sechs Mal jährlich ins Kino. Diese Zahlen können auch für Kaiserslautern gelten. Die beste Zeit für die Kaiserslauterer Filmfans waren die 1950er Jahre. Nach dem Filmstatistischen Jahrbuch ging man 1954 in der damaligen Bundesrepublik jährlich durchschnittlich 13 Mal ins Kino. Mit über einer Million verkaufter Karten machte Kaiserslautern 1954 einen guten Schnitt. Die Statistik registriert bereits Anfang der 1950er Jahre in Kaiserslautern jährlich weit über eine halbe Million Kinobesucher. Die Geschichte der Lauterer Lichtspieltheater ist eine zittrige Angelegenheit, wie die Flimmerbilder der Kinematographen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Besucherbilanz schwankte immer wieder. Sie war auch in den besten Jahren der Kaiserslauterer Kinos manchmal rückläufig, ähnlich wie heute. Der erste Rückgang begann Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre. Die Gründe sind auszumachen: Die Fernsehprogramme – noch in Schwarz-weiß – wurden besser, und mit der fortschreitenden Motorisierung gab es auch Parkplatzprobleme, die unmittelbaren Einfluss auf die Besucherzahl hatten, wie sich bei damaligen Umfragen herausstellte. Einen neuen Höhepunkt gab es für die Kaiserslauterer Lichtspielhäuser Anfang der 1990er Jahre, eine Stagnation folgte dann um das Jahr 2000 und seit 2003 gehen die Zuschauerzahlen eher wieder leicht nach unten. Das älteste Kino in Kaiserslautern, eine „speziell zum Zweck der Filmvorführung umgebaute Einrichtung“, ist das Union-Kino. Am 13. Oktober 1911, im Jahr, in dem die Wochenschau-Filme als Zeitdokument ins Kino kamen, gründete der Unternehmer Schwehm in den Räumen der bis dahin bestehenden Gaststätte „Stadt München“ in der Kerststraße 24 das Union-Theater. Das Central City Cinema, das alte „Central-Theater“ in der Osterstraße, wurde von Eduard Meyer 1913 mit 420 Sitzplätzen gebaut. Dieses Haus war der erste Neubau in der Pfalz, der eigens für Filmvorführungen errichtet wurde. Meyer führte ab 1908 bis zur Eröffnung des Kinos in der Osterstraße in einem Nebenzimmer der Gaststätte „Weiße Laterne“ in der Eisenbahnstraße 1a Filme vor. Dieses „Kinematographen-Theater“ hatte 200 Sitzplätze. Zur Eröffnung lief „Affaire im Selecthotel“. Kaiserslauterer Tonfilm-Premiere war am 7. Juni 1929, vor 90 Jahren, im damaligen Lichtspiel-Palast, den späteren Capitol-Lichtspielen in der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße. In diesem Lichtspiel-Palast gastierte bereits vom 25. bis 28. April 1914 das „Edison-Kinetophon“ mit einem „Tonfilm“. Der Film war mit einer Schallplatte abgestimmt. Die ersten echten Tonfilme liefen zunächst als Beiprogramm zu Stummfilmen. „Der Saal des Protestantischen Gesellschaftshauses am Fackelrondell soll zu einem Lichtspielhaus umgebaut werden“, stand am 20. Juni 1937 in der Zeitung. Kaiserslautern bekam seinen „Filmpalast“ mit 800 Plätzen. Eröffnung war am 3. September 1937 mit dem Film „7 Ohrfeigen“. Das Gebäude wurde bei dem Nachtangriff vom 28. auf 29. September 1944 derart beschädigt, dass der Filmbetrieb aufgegeben werden musste. Mit der Eröffnung des „Neuen Filmpalasts“ auf dem Altenhof am 7. Dezember 1951 begannen in Kaiserslautern die guten Kinojahre. Das „modernste Lichtspielhaus der Pfalz“ sei in Kaiserslautern mit 800 Plätzen eröffnet worden, so die Werbung. Im Januar 1973 schlugen die Abrissbagger im Auftrag der Kreissparkasse zu. Das „Lumina“, Ecke Altenwoog und Tannenstraße, schaltete die Projektoren am 14. Februar 1952 mit „Hallo Dienstmann“ ein. Unter 39 möglichen Standorten hatte sich der Bauherr, die Süddeutschen Filmtheaterbetriebe, für Kaiserslautern entschieden. Das „Aladin-Lichtspielhaus“ wurde1953 auf der Ostseite des heutigen Pfaffplatzes gebaut. „Aladins Wunderlampe“ flimmerte allerdings keine zehn Jahre über die Leinwand; sie erlosch im Dezember 1962. Auf dem Trümmergrundstück Fackelstraße 3 wurde der „Gloria-Palast“ gebaut. Eröffnung war am 3. März 1955. Den Lauterer Cineasten wurde etwas geboten: 800 weinrote Ledersitze, eine 11,5 auf fünf Meter breite Cinemascope-Leinwand, vier Tonspuren und Klimaanlage. „Drei Münzen im Brunnen“ lief als Premiere. Das Filmtheater hielt sich 20 Jahre. Dann übernahm der Hertie-Konzern das Grundstück. Das „Rex“ in der Riesenstraße öffnete Ende Oktober 1955. Drei Kinosäle bot das Filmtheater nach einem Umbau im Sommer 1975. Das „Universum“, das „Fritz-Walter-Kino“, in der Karl-Marx-Straße lief ab 20. August 1956. Das Kino war kolossal: 933 Sessel, mit 14,65 auf 6,5 Meter die größte Kinoleinwand in der Pfalz. Als das Kino im Juni 1993 schloss, prangerten die Grünen im Stadtrat den „Kulturabbau“ in Kaiserslautern an. Wenn man Kino auf die Möglichkeit reduziert, Bilder mit Hilfe von Licht und Linsen auf einer Wand zu betrachten, stand in Lautern am Anfang der Lichtbildgeschichte das „Schmidtsche Kunstinstitut“ in den Nebenräumen des Hotels „Zur Post“, Ecke Schillerplatz / Fruchthallstraße. In diesem „Kunstinstitut“ wurden zunächst noch keine Filme, keine „laufenden Bilder“ vorgeführt. Es war eines der sogenannten „Panoramas“, in denen man durch Vergrößerungsgläser Fotos oder gezeichnete Bilder betrachten konnte. „Das ,Panorama’ des Herrn Schmidt hat diese Woche wieder eine neue Serie ausgestellt und zwar ,Paris’“, war am 26. November 1885 im Stadtanzeiger zu lesen. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden alle Kinos geschlossen. Im Oktober wurden sie wieder geöffnet. Die oberste Heeresleitung zensierte allerdings, wie später im Zweiten Weltkrieg, die Wochenschaustreifen.