Grünstadt „Manchmal täuscht die fröhliche Melodie“
Jolina Carl kommt wieder. Nach ihrem Debüt in der protestantischen St.-Jakobs-Kirche im Altleininger Ortsteil Höningen im vergangenen November, bei dem sie das Publikum begeistert hat, konzertiert die Country-Sängerin am nächsten Sonntag erneut in dem Gotteshaus. Eintritt müssen die Besucher nicht bezahlen, aber es wird um Spenden für die Instandsetzung der Innenmalerei in dem Sakralbau gebeten, der aus dem 12. Jahrhundert stammt.
Beim letztjährigen Konzert waren für diesen Zweck etwas mehr als 400 Euro zusammengekommen. Dass man den Betrag steigern könnte, wenn Tickets verkauft würden, glaubt Jolina Carl nicht. „Ich denke, es kommen mehr Leute, wenn es nichts kostet, gerade auch, wenn sie den Künstler nicht kennen. Und wenn ihnen die Darbietung gefallen hat, geben sie auch gern etwas“, meint die Künstlerin, die vom TV Magazin Prisma zur besten deutschen Country-Interpretin gekürt wurde und ihr viertes Album „Forward Back Home“ mit Nashville-Cracks in einem Studio in Tennessee aufnahm. Erst am 16. Juni hat sich die 48-Jährige an einem Benefizkonzert in Bergheim bei Köln zugunsten des Vereins „Dat Kölsche Hätz“ beteiligt. Die Einnahmen sind für krebskranke Kinder bestimmt. „Ich habe auch ein Lied für die Betroffenen geschrieben“, erzählt Carl, deren Vater an Krebs gestorben ist. Sie plant, eine CD zu produzieren, deren Erlös auch an den Verein geht. Zu ihrem Auftritt in Höningen hat sie kein brandaktuelles Album im Gepäck – aber ein neues Programm, wie sie versichert. „Ich habe mich intensiv mit Übersetzungen von Liedern beschäftigt und werde wieder ein Storytelling-Konzert veranstalten“, kündigt sie an. Carl findet es schade, wenn das Publikum nicht weiß, worin es in den Songs geht. „Manchmal täuscht die vermeintlich fröhliche Melodie über die Inhalte hinweg.“ Das sei in keiner anderen Stilrichtung so extrem wie in der Country-Musik. Als Beispiel nennt sie das Stück „Letter To Mom“ der US-amerikanischen Singer und Songwriterin Iris DeMent aus dem Jahr 1996, das vor allem Line Dancer sehr schätzen: „Es erzählt von einem Mädchen, das von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde.“ Die Industriekauffrau, die ihr Gesangstalent seit 2002 professionell einsetzt und Musik zu ihrem Hauptbroterwerb gemacht hat, füllt große Säle, spielt vor Tausenden Menschen. „Das ist schon cool, wenn viele Leute meinen Namen rufen“, erinnert sie sich gern an ein Musik-Festival in Polen. Allerdings liebt sie auch gerade die Wohnzimmer-Konzerte: „Mir gefallen die schöne Atmosphäre und die Möglichkeit, das Publikum durch Interaktionen direkt zu packen.“ TERMIN Jolina Carl ist mit Acoustic Country, Rock und Pop am Sonntag, 7. Juli, 17 Uhr, in der protestantischen St.-Jakobs-Kirche in Höningen. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Aufarbeitung der Innenmalerei des Gotteshauses sind erwünscht.