Grünstadt „Man muss hart im Nehmen sein“
Extremradler Rolf Mayer ist wieder daheim, pünktlich zu seinem 55. Geburtstag. Fast sieben Wochen war der Grünstadter unterwegs , um sich seinen Traum von Moskau im Winter zu erfüllen. Die Tour im Sommer 2013, die ihn in 44 Tagen zum Nordkap geführt hatte, dürfte aber um einiges angenehmer gewesen sein.
Rolf Mayer ist eine Punktlandung gelungen: Exakt zu seinem Geburtstag kam er in seiner Heimatstadt an. Seine Frau Susanne, Freunde sowie Aktive und die Jugend des KSV, die er trainiert, haben ihm einen tollen Empfang bereitet. Die Kraftsportler fingen ihn auf Drahteseln in Obersülzen ab und begleiteten ihn im Konvoi nach Hause. Dort stieg dann eine Überraschungsparty, wovon Mayer nichts geahnt hat. „Am meisten hat mich gerührt, wie viele Leute zusätzlich noch spontan dazu gekommen sind, um mir zu gratulieren“, so der 55-Jährige. Wie berichtet, hatte sich der Berufsfeuerwehrmann am 29. Januar in Mannheim in den Sattel geschwungen und war in Richtung Osten geradelt. Vorgenommen hatte er sich eine rund 6000 Kilometer lange Tour nach Moskau und zurück. Letztendlich ist seine Abenteuerreise, für die er seinen Jahresurlaub genommen hat, etwas kürzer ausgefallen, und er hatte zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. „Dass so eine Tour keine Erholungsreise sein kann, ist klar“, meint Rolf Mayer, der es seit dem 8. März, als ihn eine Fähre von der lettischen Hafenstadt Liepaja über die Ostsee nach Travemünde brachte, gemütlicher angehen ließ. „In Deutschland ist mir dann aufgefallen, wie viel Rücksicht die Autofahrer auf Radler nehmen“, so der Grünstadter. Ab Polen habe er sich daran gewöhnt, dass Lkw und Pkw teilweise riskant überholten und haarscharf an ihm vorbeigerast sind. „Des Öfteren bin ich von der Straße abgedrängt worden.“ Das habe er als der schwächere Verkehrsteilnehmer zähneknirschend hinnehmen müssen. In Lüneburg verlor Mayer einen Stiefel, den er im Dunkeln nicht mehr wiederfand. Als er in einem Supermarkt im niedersächsischen Holle zwei dringend benötigte Reifen kaufen wollte, kam er mit dem Geschäftsführer ins Gespräch. „Der wollte alles über meine Tour wissen und war letztendlich so begeistert, dass er mir zwei Schläuche bezahlt hat“, so der Familienvater, der glücklich ist, Moskau trotz aller Widrigkeiten erreicht zu haben und die russische Hauptstadt auch bei Sonnenschein kennenlernen durfte. Gern verzichtet hätte Rolf Mayer auf das größtenteils nasskalte Wetter. „Am liebsten war mir die trockene Kälte, so minus zehn Grad Celsius, auch wenn ich mir dabei Erfrierungen an den Füßen eingehandelt habe“, sagt er. Wer so eine Reise vorhat, müsse sich im Klaren sein: Bei einem Tagespensum von 100 Kilometern sei man die ganze Zeit nur am Radfahren. „Selbst das Essen und Trinken findet dann überwiegend im Sattel statt und ist auf die einfachsten Speisen reduziert“, erläutert der Grünstadter. Man müsse absolut fit und hart im Nehmen sein. Auf die Frage, ob seine Abenteuerlust jetzt gestillt sei, sagt er: „Die ist nie ganz gestillt, aber die nächsten Jahre verbringe ich erst einmal mit meiner Frau.“ (abf)