Grünstadt „Möchte Russland im Schnee kennenlernen“

GRÜNSTADT. Der Grünstadter Rolf Mayer, der vor zwei Jahren Schlagzeilen mit seiner Radtour zum Nordkap gemacht hat, will wieder auf große Fahrt gehen. Am heutigen Donnerstag tritt der Berufsfeuerwehrmann, der seinen Arbeitsweg nach Mannheim seit über 20 Jahren auf dem Drahtesel bewältigt, direkt nach einer 24-Stunden-Schicht in die Pedale gen Russland. Über Berlin, Polen und Litauen geht es bis nach Moskau, anschließend über St. Petersburg und Helsinki wieder zurück. Insgesamt rund 6000 Kilometer. Geschlafen wird im Zelt. Die RHEINPFALZ hat den gut gelaunten 54-jährigen ehemaligen Leistungssportler und heutigen Jugendtrainer beim Kraftsportverein Grünstadt vor seiner Abreise besucht.
(schmunzelt) Im Sommer kann das ja jeder. Nein, im ernst, Russland hat mich schon immer gereizt, und ich möchte es kennenlernen, wie es wirklich ist, eben kalt und mit Schnee. Sind Sie denn ausreichend abgehärtet? Wie haben Sie sich vorbereitet? Seit rund einem Jahr dusche ich nur noch kalt, meist im Keller oder draußen. Außerdem war ich seit November einmal wöchentlich Nacktbaden im Silbersee. Eine Nacht habe ich im Schlafsack auf der Terrasse verbracht. Das war jedoch bei minus fünf Grad angenehm. Wird es richtig kalt, sollte man nachts seinen Schlafsack nicht verlassen, sonst wird man nicht mehr warm. Bei einem dringenden Bedürfnis, pinkelt man besser in eine Flasche. Die wärmt einen auch. Man darf sie nur nicht mit der Trinkflasche verwechseln (lacht). Schlimmer als Minustemperaturen ist aber Nässe. Und wie wappnen Sie sich dagegen? Dagegen kann man sich nicht wappnen, da muss man vor Ort sehen, wie man damit klarkommt. Bei meiner Fahrt zum Nordkap hatte ich drei Tage durchgehend Regen. Ich bin zu McDonald’s gegangen und habe auf der Toilette eine Dreiviertelstunde lang meine Kleidung trocken geföhnt. Wie werden Sie sich auf einsamen Strecken ernähren? Glauben Sie, dass Sie immer etwas zu essen finden? In Europa verhungert man nicht. Auf meiner Tour zum Nordkap wurde mir immer wieder etwas angeboten. Lebensmittelgeschäfte gibt es überall. Und falls mal keines da ist: Ich esse alles, nur keinen Kümmel. Junge Kiefernrinde hab ich beispielsweise mal probiert. Tannennadel-Tee hat viel Vitamin C. Für den Tee brauchen Sie aber Wasser. Ist das überall verfügbar? Das Trinken wird das größte Problem. Am Nordkap konnte ich mich einfach aus Flüssen und der Leitung bedienen. In Russland ist das Wasser nicht so sauber. Da werde ich wohl Schnee abkochen müssen oder Mineralwasser kaufen und so zwischen den Klamotten verstauen, dass es nicht gefriert. Apropos Klamotten: Nehmen Sie viel Kleidung mit, etwa Ersatz für die Hosen, die bei der extremen Belastung durchscheuern? Die Radlerhosen scheuern nicht durch. Ich kleide mich nicht besonders dick, sondern im Zwiebel-Look. Mit Zelt und mir im Sattel wiegt mein Rad etwa 150 Kilogramm. Man darf bei so einer Tour im Winter keinesfalls ins Schwitzen kommen. Sonst friert man sofort, sobald man stehen bleibt. Sie werden sicherlich nicht viel stehen... Ach, die Nächte werden schon recht lang werden, weil es derzeit in Russland früh dunkel wird. Mindestens acht Stunden werde ich aber täglich radeln, um jeweils 100 bis 130 Kilometer zu schaffen. Mitte Februar möchte ich an der russischen Grenze sein, und am 17. März ist mein letzter Urlaubstag.