Hettenleidelheim
Luitpoldschule: Stellvertretende Rektorin Anneliese Zaremba verabschiedet
„30 Jahre lang bin ich hier ein- und ausgegangen, hatte immer einen tollen Blick ins Grüne.“ Etwas wehmütig schaut Anneliese Zaremba, als sie das sagt und in „ihr“ Klassenzimmer im Pavillon der Luitpoldschule in Hettenleidelheim geht. Vor wenigen Tagen ist die dienstälteste Lehrerin und damit automatisch stellvertretende Schulleiterin in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden.
Zaremba ist immer freudig zur Arbeit gegangen. Das bestätigt auch der Rektor der größten Grundschule in der Verbandsgemeinde Leiningerland, Jürgen Heckmann. „Sie ist eine Frohnatur, war nie schlecht gelaunt. Wenn sie morgens kam, hat sie positive Stimmung verbreitet“, erzählt er. Zudem sei Zaremba extrem zuverlässig, sei fast nie wegen Krankheit ausgefallen. Weil ihm das nicht vergönnt war, habe Zaremba ihn öfter und auch über längere Zeit vertreten müssen. Darüber hinaus sei auch das Organisieren von Veranstaltungen bei ihr in guten Händen gewesen.
Musik als pädagogisches Mittel
Die 64-Jährige sagt dazu: „Ob Einschulung, Jubiläum, Schulfest oder Feiern zu sonstigen Anlässen – ich habe sie immer auf die Beine gestellt.“ Das ergab sich auch dadurch, dass Zaremba, die Klavier spielt und 25 Jahre lang den Gemischten Chor Hertlingshausen dirigierte, einen musikalischen Schwerpunkt setzte. „Das ist meine große Leidenschaft“, erklärt die gebürtige Wattenheimerin, die in Carlsberg lebt. Mit den Kindern habe sie vor allem mit Orff-Instrumenten gearbeitet, also den kreativen Umgang mit Musik, Sprache und Bewegung trainiert.
Bei Zarembas Verabschiedung sang das Kollegium das Rolf-Zuckowski-Lied „Wie schön, dass du geboren bist“ mit individuell angepasstem Text und zur Gitarrenbegleitung von Heckmann. „Nach jeder Strophe gab es eine Rose, sodass ich am Ende einen tollen Blumenstrauß hatte“, erzählt sie. Zur Feier seien auch viele ehemalige Schüler gekommen.
Fairness und Rücksichtnahme
Da sie die Klassenleitung stets von der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe innehatte, sei sie mit den Schülern schon ein Stück weit zusammengewachsen, sagt Zaremba: „Ich war mit Herzblut Lehrerin.“ Sehr wichtig sei ihr außer der Wissensvermittlung gewesen, dass die Kinder lernen, fair zu sein, dass sie sich in Toleranz, Rücksichtnahme und Höflichkeit üben und dass sie respektvoll miteinander und mit anderen umgehen. Sie werde ihre Schützlinge sehr vermissen, auch die netten Gespräche mit den Kollegen und die Kontakte mit den Müttern und Vätern, die sie stets auch privat erreichen konnten.
Im Lauf der fast vier Jahrzehnte, in denen sie unterrichtete, habe sich die Jugend sehr verändert, sagt Zaremba. „Wir bräuchten in jeder Klasse Förderpädagogen, denn überall gibt es Kinder mit Aufmerksamkeits-, Konzentrations- oder Wahrnehmungsstörungen“, sagt Zaremba. Der aktuelle Lehrkräftemangel erschwere die Situation zusätzlich. „Sobald man ein paar Wochenstunden Überhang hat, werden Kollegen abgezogen“, klagt sie. Katastrophal seien die Auswirkungen der Pandemie gewesen – eine Zeit, die sie nie wieder erleben wolle. „Man merkt sehr deutlich, wenn Jungen und Mädchen nicht in der Kita waren. Und der Online-Unterricht scheiterte mitunter an der schlechten Datenübertragung und an fehlender technischer Ausstattung.“ Ein Gutes habe Corona allerdings doch gehabt: Die Digitalisierung sei vorangeschritten, Lehrer hätten Notebooks und die Grundschüler Tablets erhalten.
Kritik an politischen Entscheidungen
Eine fatale Fehlentscheidung, deren Folgen kaum wiedergutzumachen seien, war nach Zarembas Überzeugung die Schließung von Schulen. Insgesamt habe es immer wieder unsinnige Vorgaben und Gesetze gegeben. „Politiker haben keine Ahnung von der Praxis“, verdeutlicht sie. Vor etwa 15 Jahren sei zum Beispiel Englisch ab der ersten Klasse verordnet worden. „Das ergibt keinen Sinn. Abc-Schützen müssen erst einmal lesen und schreiben lernen“, hebt Zaremba hervor. Zudem müssten sie zunächst die deutsche Sprache beherrschen.
Auch nicht in Ordnung sei, dass die Übernahme einer stellvertretenden Grundschulleitung weder finanziell honoriert wird noch mit der Gewährung von Zusatzstunden verbunden ist, findet die Enkelin von Adam Kraft, der einst die Volksschule in Hertlingshausen leitete. Jetzt freut sie sich darauf, wieder mehr Klavier zu spielen, Konzerte – etwa in Berlin oder Hamburg – zu besuchen, sich mehr um ihren kleinen Enkel und den großen Garten kümmern zu können.