Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Lokale Weinmesse: Winzer auf dem Industriemarkt?

In Bockenheim gibt es schon länger Weinmessen, 2022 auch erstmals eine mit Piwi-Produkten aus pilzresistenten Trauben.
In Bockenheim gibt es schon länger Weinmessen, 2022 auch erstmals eine mit Piwi-Produkten aus pilzresistenten Trauben.

Die Erzeugung edler Tropfen ist eine besondere Stärke der Verbandsgemeinde Leiningerland. Soll daher eine Weinmesse mit lokalen Produkten organisiert werden? Mit dieser Frage hat sich gerade der Tourismus- und Wirtschaftsausschuss beschäftigt.

Bei einer im September 2022 durchgeführten Befragung der hiesigen Unternehmen, die im Tourismusbereich angesiedelt sind, hatten viele Akteure den Weinbau als besondere Stärke in der Verbandsgemeinde Leiningerland herausgehoben. Als Schwächen wurden die fehlende Werbung, Kommunikation und Organisation identifiziert. Auch wurden ein Alleinstellungsmerkmal in der VG vermisst und als wichtigste touristische Zielgruppe die Weinliebhaber genannt. Das war Anlass für die Verwaltung, im August 2023 sämtliche 107 Winzer in ihrem Zuständigkeitsbereich mit der Idee einer lokalen Weinmesse zu konfrontieren.

„Leider haben nur 15 Betriebe geantwortet, das entspricht einer Rückmeldequote von 14 Prozent“, sagte der Vorsitzende des Tourismus- und Wirtschaftsausschusses Hans Scherer (CDU) bei der schwach besetzten Sitzung des Gremiums am Donnerstag. Lediglich elf dieser Winzer hätten eine Exposition begrüßt, sie seien sich aber uneins hinsichtlich des richtigen Zeitraums gewesen. „Als wichtig sahen sie an, dass dabei einheitliche Tische, Gläser und Kühlschränke bereitgestellt werden“, erläuterte er. Ein Büro aus Neustadt hätte sich kostenlos an der Organisation beteiligt. Aufgrund der mauen Resonanz habe die VG jedoch entschieden, zunächst keine Anstrengungen zur Planung einer Messe zu unternehmen, was den Weinbaubetrieben Mitte Januar mitgeteilt worden sei.

Bereits Messen in Dirmstein und Bockenheim

Anja Klose (SPD) wollte wissen, mit welcher Begründung die Erzeuger edler Tropfen so zurückhaltend seien. Büroleiter Jürgen Esser berichtete, dass die meisten beklagt hätten, zu wenig Zeit zu haben. „Ihnen wird kontinuierlich übers Jahr viel abverlangt“, erklärte er. Eine Leistungsschau müsse sehr gut vorbereitet sein, auch werde ausreichend Personal benötigt. Außerdem hätten einige Unternehmer darauf hingewiesen, dass es bereits Messen in Dirmstein und Bockenheim gebe.

Götz Rittner (FDP) äußerte die Vermutung, dass den Angeschriebenen das Ganze vielleicht nicht schmackhaft genug gemacht worden sei. „Man hätte eventuell so etwas wie eine Weinmarke Leiningerland in den Fokus stellen sollen“, so Rittner. Es gebe genügend gut funktionierende Beispiele aus Regionen im Ausland wie etwa Bordeaux in Frankreich und Priorat in Spanien.

Grünstadter Winzer sollten einbezogen werden

Manche Kollegen hätten vielleicht keine genaue Vorstellung davon gehabt, wie so eine Präsentation im Detail aussehen könnte, mutmaßte Hans-Joachim Hartmetz (CDU), selbst Winzer. Unklar sei, was für ein Gelände dafür zur Verfügung stehen würde. Auch, ob die Ausstellung eine Woche laufen soll oder nur Freitag und Samstag, nannte er Beispiele für offene Fragen. Es wäre gut gewesen, wenn die Neustadter Firma nähere Ausführungen gemacht hätte. Zudem plädierte Hartmetz dafür, die Grünstadter Weinbauern einzubeziehen. Scherer meinte, zu entscheiden sei auch, wie der Westteil der Verbandsgemeinde, in der es keine Wingerte gibt, aber sehr wohl Konsumenten eines guten Tropfens, integriert werden könnte.

Edwin Gaub (CDU) schlug vor, dass sich die Weinerzeuger auf dem Industriemarkt präsentieren. „Man könnte doch den elf daran interessierten Winzern bei der Veranstaltung am 22. und 23. Juni in einem Zelt eine Plattform geben. Das wäre mal ein Anfang – gemeinsam mit der Stadt“, befand er. Für die jetzt vor der Tür stehende Gewerbeschau sei es zu spät, sagte Hartmetz zur RHEINPFALZ. „Wir brauchen mehr Vorlaufzeit.“ Der Ausschuss war sich aber einig, die Messe-Idee in ein paar Monaten wieder aufgreifen zu wollen.

x