Grünstadt
Letzte Miss Grünstadt vor zehn Jahren gewählt
Es war mal eine Zeit, da gab es in Grünstadt zwei gekrönte Häupter: die Weingräfin des Leiningerlandes und die Miss Grünstadt. Dafür, dass zwischen 1993 und 2010 die attraktivste Frau in der Umgebung zur Miss ernannt worden ist, war der Grünstadter Bernd Fuchs verantwortlich. Die Ursprungsidee war, dem Grünstadter Industriemarkt mit einer Miss-Wahl mehr Glanz zu verleihen, erinnert sich Fuchs (61). „Der Gedanke war: Es muss etwas Tolles sein, damit die Leute auf uns gucken.“
Zu Beginn geteilte Meinungen
Die Meinungen über eine Miss-Wahl waren anfangs geteilt: „Es waren nicht alle so glücklich gewesen“, berichtet Fuchs. „Aber als die erste Wahl rum war, waren dann alle happy.“ Das lag wohl auch daran, dass die erste Miss Grünstadt, Isabel Fesque, wie auch ihre Nachfolgerin Carmen Büffor bei der Wahl zur „Miss Rheinland-Pfalz“ erfolgreich waren und an den Wahlen zur Miss Germany teilnahmen. Überhaupt Erfolg: Es gab einige Missen aus Grünstadt, die bei Schönheitswettbewerben weit gekommen sind. Vier Frauen schafften es sogar bis zu Wahlen in Las Vegas (Miss Hawaiian Tropic), darunter Stefanie Serdarusic aus Beindersheim, die heute als Model arbeitet.
„Die jungen Frauen haben alle was erlebt“, sagt Fuchs – aber der Grundgedanke seinerzeit sei gewesen, dass die Missen die Repräsentantinnen der Geschäftswelt sind: „Wir waren zwar sehr erfolgreich. Aber mir war wichtig, dass die Miss die Stadt, die Region und die Pfalz repräsentiert hat“, betont Fuchs. Die Frauen hätten zwischen 60 und 90 Termine im Jahr absolviert, bekamen Preise, später ein Auto. „Die Miss war für die Wirtschaft da“, ordnet Fuchs die Bedeutung der Wahlen ein – die freilich bald überregionale Aufmerksamkeit erfuhren. So schrieb der Focus im Jahr 2004: „Aus keiner anderen deutschen Stadt kommen so viele Schönheitsköniginnen wie aus Grünstadt. Mindestens jedes zweite Jahr darf eine junge Dame der 12.000-Seelen-Gemeinde an der Miss-Germany-Wahl teilnehmen.“
Erste Wahlen in der Werkstatt
Fuchs ist Grünstadter durch und durch: „Ich bin halt einer von Grünstadt und mir ist wichtig, dass das Gesamte funktioniert“, bekennt er. In den Anfangsjahren fanden die Wahlen in seinem Karosserie- und Lackierfachbetriebes in der Dieselstraße statt, zur ersten Veranstaltung kamen gleich 800 Gäste, später 1000. Suchte man erst in der näheren Umgebung nach Missen, wurde der Einzugsbereich mit der Zeit ausgedehnt. Und statt der „Miss Grünstadt“ wurde ab dem Jahr 2000 die „Miss Pfalz/Grünstadt“ gewählt – mit dem Zusatz „Pfalz“ konnte man die Wahl besser bewerben.
Das Interesse war groß: So wetteiferten beispielsweise in den Jahren 2002 und 2008 18 junge Frauen um die Krone, 2007 waren es zehn. Bilder wie jenes aus dem Jahr 2000, als die Kandidatinnen in der RHEINPFALZ in Bikinis abgebildet waren, gab es später nicht mehr: Ab 2007 mussten sich die jungen Frauen bei der Miss-Wahl nicht mehr in Badekleidung zeigen. „Vorher war das Vorschrift“, sagt Fuchs über das Reglement der Miss-Germany-Organisation. Er habe sich dann aber durchgesetzt. Kaum zu glauben: Erst seit 2019 finden auch die Wahlen zur Miss Germany ohne einen Bikini-Durchgang statt.
Auch vom Publikum gewählt
Gut sei gewesen, dass die jungen Frauen, die von einer Jury und in späteren Jahren zusätzlich auch mithilfe des Publikums gewählt worden sind, überzeugend waren, erzählt Fuchs: „Ich bin froh, dass ich immer das Glück hatte, ein gutes Mädel vorne an der Spitze zu haben.“ Für die Veranstaltung verfügte Fuchs über ein Jahresbudget von 30.000 bis 35.000 Euro, Sponsoren, die Geschäftswelt, das Wirtschaftsforum unterstützten Fuchs. Heute frage er sich manchmal, wie er das zeitlich alles gewuppt habe und betont, wie wichtig der Rückhalt seiner Frau in all den Jahren war.
15 Missen (zwei blieben länger) sind in all den Jahren gewählt worden, die letzte Wahl fand im August 2010 statt. Über das Ende sagt Fuchs: „Das hat keinen besonderen Grund gehabt. Ich habe gesagt: ,Ich höre auf, wenn ich oben bin.’“ Und nach 18 Jahren, so drückte er sich damals gegenüber der RHEINPFALZ aus, war für ihn so etwas wie die „Volljährigkeit“ erreicht: „Auch da gibt es häufig einen Schnitt und manchmal große Veränderungen.“ Es war eine gute Zeit, sagt Fuchs heute. „Ich bin stolz auf die Mädels, dass sie das erreicht haben, was sie erreicht haben.“