Kindenheim
Leserärger: Wenige Parkplätze, viele Raser
Kindenheim. Das Parkkonzept, das die Ortsgemeinde, das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Leiningerland und der Landesbetrieb Mobilität für die Ortsdurchfahrt L 450 erarbeitet haben, missfällt Thilo Holstein. Der 57-Jährige kritisiert – und damit stehe er nicht allein, wie er mehrfach betont – vor allem die Regelungen im unteren Teil der Hauptstraße, Richtung Bockenheim. „Ohne Not“ seien dort „20 Parkplätze weggefallen“. Diese hätten zuvor keinerlei Probleme verursacht, da fast niemand aus dem Ort sein Auto auf der Straße abstelle. Gut seien die Plätze für Kurzzeitparker, etwa Besucher gewesen, meint der Winzermeister. Jetzt gebe aber nur noch vier gekennzeichnete Pkw-Stellflächen.
Holstein fände es besser, wenn das jetzige Schild (Parken nur auf gekennzeichneten Flächen erlaubt) etliche Meter weiter westwärts, also in Richtung Ortsmitte, aufgestellt worden wäre. Auch werde von Gemeindeseite nichts gegen die Raserei unternommen. „Das letzte Mal wurde hier vor sechs Jahren geblitzt“, ist sich Holstein sicher. Das müsse öfter gemacht werden. „Nach Rückfrage bei der Polizei entscheidet die Kommune, ob Geschwindigkeitskontrollen notwendig sind. Ein einfacher Antrag der Gemeinde und man kommt auf eine Warteliste“, berichtet Holstein. Dass bei einer Geschwindigkeitsmessung nur fünf Prozent der Fahrer zu schnell waren, sage nichts über wahre Raser aus.
Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr
Versäumt habe die Gemeinde auch, einen Antrag darauf zu stellen, den Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen aus Kindenheim heraus zu halten, moniert er. Dieser Antrag wäre „gerade jetzt wichtig und einen Versuch wert gewesen“. Denn mit dem derzeitigen Bau des Kreisels am Monsheimer Ortseingang beim Gewerbegebiet habe sich das Verkehrsaufkommen in Kindenheim mit zusätzlichen Fahrzeugen aus dem Zellertal drastisch erhöht.
Ein Sprecher des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Leiningerland stellt klar: Was Verkehrsbelange der Landesstraße angehe, sei seine Behörde nur „die Vermittlungsstelle“ zum Landesbetrieb Mobilität (LBM). Das gelte für Wünsche der Ortsgemeinden, für Anträge und Änderungen. Ausführendes Organ sei der LBM. Anders sehe es bei Gemeindestraßen aus. Aktuell beantrage das Amt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer mit dem Zusatz „Lärmschutz“ für die ganze Hauptstraße. Auch seien zwei weitere Parkflächen im östlichen Bereich der L 450 vorgesehen.
An vielen Stellen könnten aufgrund von Einmündungen, Grundstückszufahrten sowie Hydrantenzugängen keine Pkw-Stellflächen markiert werden , ergänzt Ortsbürgermeister Albrecht Wiegner (FWG). Für ein zweites mobiles Geschwindigkeitsmessgerät mit Dokumentation, das angeschafft werden soll, habe die Gemeinde bereits Geld in den Haushalt eingestellt, berichtet er.
„Alle Veranstaltungen sind verboten“
Der nächste Kritikpunkt, den Holstein vorzubringen hat, betrifft die Veranstaltungen im Dorf. Im Juni vorigen Jahres sei im Kulturausschuss die Kerwe am ersten Septemberwochenende besprochen worden, erinnert er. Feste, vor allem unter Gemeindeführung wie das Kirchweihfest, wurden abgesagt. Es sei aber vereinbart worden, dass jeder unter Einhaltung der gültigen Coronaregeln Veranstaltungen durchführen dürfe, sagt der 57-Jährige. „Umso mehr hat mich verwundert, was am 10. August bei der Absage der Käskuchenwanderung stand: Coronabedingt fallen alle Veranstaltungen aus. Für mich ist es sehr befremdlich, dass ein Beschluss vom Juni einfach ignoriert wird“, sagt Holstein.
Als positives Beispiel des Machbaren nennt er den Turnverein: Der habe anlässlich seines Jubiläums am Kerwesonntag den Motivwagen „100 Jahre TVK“ auf dem Sportplatz präsentiert. Das sei „alles unproblematisch“ gewesen. Sein Weingut habe im September noch drei Weinberg-Spaziergänge durchgeführt, erzählt der Winzer. Zu den Veranstaltung, die im Freien stattgefunden hätten, seien je 15 bis 20 Leute gekommen. Holstein will an einer für Ende April vorgesehenen ähnlichen Aktivität im Außenbereich, die vom Deutschen Weininstitut initiiert ist, festhalten. Er meint: „Es wird alles verboten, man sollte aber auch schauen, was möglich ist.“
Ortschef Wiegner sagt zu diesem Thema: Kulturveranstaltungen ließen sich nach wie vor von jedem Bürger in Eigenregie coronakonform anbieten.
Wenig informativer Internetauftritt
Winzermeister Holstein ärgert sich außerdem über den Internetauftritt der Ortsgemeinde, der ja die Visitenkarte des Dorfs sein solle. Er lasse sehr zu wünschen übrig, meint er. Von aktuellen Infos keine Spur. „Es steht nichts drin“, findet er. Gerade für Auswärtige – die beispielsweise keinen Kindenheimer Kalender mit Veranstaltungshinweisen hätten –, sei eine informative Webseite besonders wichtig.
Der Internetauftritt der Gemeinde sei in der Tat seit längerem „ein Manko“, weiß der Ortsbürgermeister. Der bisherige Betreuer der Seiten habe die Arbeit aus beruflichen Gründen abgegeben. Laut Wiegner ist die Gemeinde dabei, einen Nachfolger zu finden, der die Webseite auf Vordermann bringen kann. Das sei unbedingt notwendig.
„Für Anregungen immer erreichbar“
Holstein hätte seine Kritik gern als Zuhörer in der jüngsten Ratssitzung vor wenigen Wochen vorgetragen, „um Lösungen zu besprechen“. Da tat sich aber nichts, weder aus dem Publikum heraus noch aus dem Gremium. Der Grund: Es stand keine Einwohnerfragestunde an.
Es sei diesbezüglich auch kein Antrag in oder für die Sitzung gestellt worden, stellt Bürgermeister Wiegner auf Nachfrage klar. Generell sei er für Kritik und Anregungen stets offen und telefonisch erreichbar, betont er. „Auch eine an mich geschickte Beschwerdeliste wäre machbar gewesen; die hätte ich größtenteils beantworten können.“