Grünstadt / Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Leiter in Sorge: Warum Sponsoren die Musikschule nicht retten

Er bangt um „seine“ Musikschule: Leiter Richard Martin.
Er bangt um »seine« Musikschule: Leiter Richard Martin.

VG-Ratsmitglieder hatten die Musikschule Leiningerland aufgerufen, einen Sparplan zu erstellen. Doch die stößt an Grenzen. Warum zwei Lösungsansätze vom Tisch sind.

Wenn Richard Martin über die aktuelle politische Lage spricht, sind ihm die Sorgen ins Gesicht gemeißelt. Der Leiter der Musikschule Leiningerland sieht durch den Irankrieg eine Konjunkturdelle kommen – und die könnte seine Institution treffen, die ohnehin schon zu kämpfen hat. Erst vor wenigen Wochen war von VG-Ratsmitgliedern die Frage nach einem Sparplan vonseiten der Musikschule aufgekommen. Die erhält nämlich jährlich 180.000 Euro, jeweils 90.000 Euro von Stadt Grünstadt und Verbandsgemeinde – und beide müssen auch jeweils auf ihre Finanzen schauen beziehungsweise sogar Einsparungen vornehmen. Das, was am ehesten wegfallen kann, sind die freiwilligen Leistungen, also die Ausgaben, die nicht zwingend nötig sind. Zu diesen freiwilligen Leistungen zählt auch die Musikschule.

Sponsoring als „Sahnehäubchen“

FDP-Ratsmitglied Thilo Holstein hatte Sponsoring als Lösungsansatz ins Spiel gebracht, um die Haushalte zu entlasten. Das sieht Martin allerdings kritisch. Zwar wolle er das durchaus probieren, „Kleinvieh macht aus Mist“, aber es gebe eben auch eine riskante Seite: Diese Einnahmen seien keine zuverlässige Geldquelle, eher ein „Sahnehäubchen“. „Wenn sie wegbricht, stehen wir wieder vor demselben Problem“, sagt der Schulleiter. Es sei zwar schon gelegentlich vorgekommen, dass Sponsoren Beträge zur Verfügung stellen, allerdings selten für die Institution, sondern vielmehr für einzelne Schüler. „Das ist gut, aber bringt dem Betrieb nichts“, so Martin.

Ein weiteres Problem: Im ländlichen Raum wie im Leiningerland sei der Einzugsbereich für Sponsoren zu klein, das funktioniere seinem Eindruck nach eher in Städten oder Ballungsgebieten. Gleichzeitig wollten Spender für gewöhnlich Ergebnisse sehen. Die Musikschule hingegen brauche das Geld für den laufenden Betrieb. Darüber hinaus habe er sich im Verband der Musikschulen über das Thema erkundigt, mit ernüchterndem Ergebnis. Sponsoring mache dort keiner zur Finanzierung.

Ensembles verkaufen schadet dem Selbstwert

Als weitere Idee hatte Martin im Sinn, Ensembles zu verkaufen. Das heißt, Firmen oder Privatpersonen könnten Pate sein oder die Gruppe buchen, die dann anlassbezogen musiziert. Allerdings könnte das in der sensiblen Entwicklungsphase der Schüler deren Selbstwertgefühl angreifen, wenn Gruppen keine Interessenten fänden. Weil er keine weiteren Einfälle hat, verweist er in Sachen Sparpläne auf die Politik: „Sie kann gerne Ideen liefern, wir sind offen dafür.“ Wichtig ist ihm, dass trotz der Sparzwänge die Relevanz der Musikschule als Institution in den Köpfen bleibt. „Man muss sich fragen: Ist Kultur wirklich ein Luxusgut?“ Seine klare Haltung: Nein, das ist sie nicht.

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