Grünstadt Leiningerland: Feuerwehrfrauen in Männerdomäne angekommen

Saskia Pikowsky, Donja Reichert und Claudia Noll (von links) sind Feuerwehrfrauen in Altleiningen und Carlsberg.
Saskia Pikowsky, Donja Reichert und Claudia Noll (von links) sind Feuerwehrfrauen in Altleiningen und Carlsberg.

Leiningerland: In der Verbandsgemeinde Leiningerland sind 384 Feuerwehrleute aktiv: 351 Männer und 33 Frauen. Ist die Freiwillige Feuerwehr also immer noch eine Männersache? Nein, sagen die Feuerwehrfrauen. Sie sind in der Männerdomäne mittlerweile als Gleichberechtigte angekommen.

Als Donja Reichert am 22. September 1993 als 16-Jährige zur Altleininger Feuerwehr kam, wurde sie nicht besonders enthusiastisch begrüßt. Eine Frau in der Wehr sei ein „Problem“, hieß es damals, man müsse sich erst einmal bei der Verbandsgemeindeverwaltung schlau machen, ob sie mitmachen dürfe. Sie durfte. Das Gesuch könne man „nicht ablehnen“, kam zur Antwort. Die selbstbewusste Oberfeuerwehrfrau Reichert feiert im September ihr 25-Jähriges als Wehrfrau, wird die silberne Ehrennadel des Landes bekommen. Über die Entwicklung in den letzten Jahren sagt sie: „Heute ist alles total anders. Es wird nicht mehr differenziert zwischen Frau und Mann.“ Und auch das Umkleiden in der großen Fahrzeughalle sei kein Problem: „Es muss schnell gehen, da ist nur der Einsatz im Kopf.“

Spatenstich 1993

Wie sie überhaupt zur Wehr kam? Ein Bekannter habe ihr geraten, zur Freiwilligen Feuerwehr zu gehen – das wäre doch mal was, „als erste Frau“ dabei zu sein. Der Tipp gefiel Reichert, die Hotelfachfrau gelernt hat und als Berufschulsekretärin beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Neustadt arbeitet. Anfang der 1990er Jahre wurde in Altleiningen das neue Feuerwehrhaus gebaut. Spatenstich war im Oktober 1993. Sie sei ständig auf der Baustelle gewesen, habe die Bauphasen miterlebt, erzählt Reichert. Da hätte sie eine gewisse Akzeptanz der Kollegen gespürt: „Okay, sie will, sie kann.“

Pläne für Sanitärräume geändert

Die Pläne für die Sanitärräume wurden damals geändert: „Es wurde noch eine Mauer eingezogen, dann gab es einen Raum für Damen und Herren“, sagt sie. Mit 18 Jahren machte Reichert den Führerschein. Da habe es nochmals Vorbehalte gegeben – Stichwort: „Kann die Frau ein Fahrzeug fahren?“ Der eine oder andere habe sich lange schwer getan mit einer Wehrfrau, berichtet die 41-Jährige. Frauen, die heute zur Feuerwehr gehen, haben die Probleme nicht mehr – weil andere ihnen den Weg geebnet haben. Saskia Pikowsky, 22-jährige Erzieherin aus Altleiningen, ist seit Februar bei der Wehr. Sie ist Feuerwehrfrau-Anwärterin und absolviert demnächst den Grundlehrgang. Probleme, wie sie vor 25 Jahren Reichert hatte, kennt sie nicht: Die Geschlechterfrage stelle sich überhaupt nicht, sagt die junge Frau. „Ich war gleich akzeptiert.“ Auf die Feuerwehr gekommen ist sie durch eine Info-Veranstaltung. Ein kleines Manko sei die Einsatzmontur, die „noch ganz auf die Männer zugeschnitten ist“. Die Passform sei selten optimal. Die Frauen nehmen’s mit Humor: „Macht nix, wir stellen uns damit schließlich nicht zur Miss-Wahl.“

Wichtiger ist Teamgeist, egal ob Mann oder Frau

Das Ausrüstungsproblem sieht auch die 38-jährige Industriekauffrau Claudia Noll gelassen. Schließlich stehe die Hilfe am Nächsten an erster Stelle. Sie ist seit 2001 Feuerwehrfrau in Carlsberg, angefangen hat sie vor 23 Jahren als Jugendliche in Dannenfels. Die Oberfeuerwehrfrau spricht von „absoluter Gleichberechtigung, und das von Anfang an“. Frauen-Sanitärräume seien in Carlsberg schon da gewesen und arbeitsmäßig würden keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht. Die 20-jährige medizinische Fachangestellte Vanessa Wilhelmy ist seit zwei Jahren bei der Feuerwehr Bockenheim-Kindenheim, zuvor war sie bei der Jugendfeuerwehr in Neuleiningen und sagt: „Es freut mich, wenn wir Menschen helfen können.“ Sie hat verschiedene Lehrgänge absolviert, unter anderem einen Atemschutzlehrgang. „In der Feuerwehr Bockenheim-Kindenheim wird kein Unterschied gemacht, ob Mann oder Frau. Wenn man was alleine nicht hinbekommt, hilft sofort jemand.“ Teamgeist sei wichtig. Sie fühle sich sehr wohl und gut aufgehoben.

Von "mal reinschauen" zur Brandmeisterin

Jennifer Höfle ist seit zehn Jahren als Wehrfrau in Bockenheim-Kindenheim. „Ich weiß gar nicht mehr genau, wer gefragt hat, ob ich mal bei der Feuerwehr reinschauen möchte“, berichtet die Bockenheimerin, die als Bürokauffrau arbeitet und zuvor ehrenamtlich beim Roten Kreuz war. Mutig ist sie zu einem Übungsabend gegangen – und geblieben. 2010 wurde Jennifer Höfle zur Feuerwehrfrau ernannt, sie hat sich in den vergangenen Jahren immer weitergebildet: Im gleichen Jahr machte sie eine Ausbildung zur Atemschutzgeräteträgerin. Seit 2011 ist sie, nach einem abgeschlossenen Truppenführer-Lehrgang, Hauptfeuerwehrfrau. 2014 kam eine PHTLS-Ausbildung (Pre Hospital Trauma Life Support; Deutsch: präklinisches Traumamanagement) hinzu. Das heißt: Sie ist bei der Erstversorgung von Traumapatienten nach Unfällen an vorderer Stelle dabei. 2015 hat sie die Ausbildung zur Gruppenführung gemacht, danach kam die Beförderung zur Brandmeisterin. Mit dem TRT-Team (Technical Rescue Team) fährt sie jedes Jahr zur Deutschen Meisterschaft, einem Leistungswettbewerb für Unfallrettung. Als Frau in der Wehr fühlte sie sich nie abgekanzelt, sagt Höfle: Sätze wie „Das kannst du nicht, nur weil man eine Frau ist, das habe ich noch nie erlebt.“

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