Grünstadt Leiningerland: Einbruchsserie in Kitas

Nachdem die Polizei gestern ihren Dienst getan hatte, machten sich in Ebertsheim kleine Detektive ans Werk: Das Foto zeigt Kita-
Nachdem die Polizei gestern ihren Dienst getan hatte, machten sich in Ebertsheim kleine Detektive ans Werk: Das Foto zeigt Kita-Kinder mit der Tür, die Einbrecher am Wochenende beschädigt haben.

Neun Einbrüche in kürzester Zeit - Täter gehen oft leer aus, richten aber einen großen Schaden an

Das Schild, das seit Montag am Eingang der Kindertagesstätte in Ebertsheim hängt, klingt so, als hätten die Erzieherinnen das Unheil befürchtet: „Nun hat es uns am Wochenende auch erwischt ...“ Mit diesen Worten informieren sie die Eltern über den Einbruch. Kindertagesstätten stehen derzeit auf der Liste der Einbruchsorte im Leiningerland ganz oben: Neben der Kita in Ebertsheim ist am Wochenende auch in Kindertagesstätten in Gerolsheim und Dirmstein eingedrungen worden. Wenige Tage vorher, in der Nacht zum Donnerstag, waren die Sausenheimer Kita in den Maulgärten, die protestantische Kita in Bockenheim und die Kindertagesstätte in Kindenheim das Ziel der Übeltäter. In Einrichtungen in Carlsberg, Hettenleidelheim und Kirchheim wurde in den zurückliegenden Wochen ebenfalls eingebrochen (wir berichteten). Der Schaden liegt meist im vierstelligen Bereich.

Polizei glaubt an Serientäter

Die Grünstadter Polizei geht davon aus, dass es sich um den oder die selben Täter handelt. Das Motiv kann sich bei der Polizei niemand erklären. „Normalerweise gehen Diebe gezielt vor, sie rechnen den Aufwand und Ertrag eines Einbruchs gegeneinander auf, schätzen Risiken genau ein“, sagte Sigfrid Doll, der Leiter Polizeiinspektion Grünstadt, gestern zur RHEINPFALZ. Er räumt ein, dass die Ermittler im Dunkeln tappen. „Wir haben bislang keinen Schimmer, wer die Taten begeht, auch wenn wir vor Ort nach Spuren suchen.“

Auch Fälle im Donnersbergkreis

Profis wollen Beute machen, deshalb geht der Grünstadter Polizeichef davon aus, dass eventuell Amateure am Werk sind. Mittlerweile ist laut Doll die Kriminalpolizei in Neustadt mit im Boot, die Ermittlungen gehen über das Gebiet der Inspektion Grünstadt hinaus, da auch im benachbarten Donnersbergkreis bereits mehrere Kindertagesstätten das Ziel von Einbrechern waren, unter anderem in Ramsen, Eisenberg, Steinborn und Lautersheim. Stefan Molter von der Polizeidirektion in Neustadt sind allein in den vergangenen Wochen im Leiningerland und rund um Bad Dürkheim (Freinsheim, Erpolzheim, Bad Dürkheim-Trift) zehn Einbrüche in Kindertagesstätten gemeldet worden. Die Neustadter Polizisten würden sich jetzt mit den Kollegen der anderen Polizeidienststellen und Präsidien austauschen, sagt er.

Kita-Leiterinnen: Es gibt nichts zu stehlen

In Ebertsheim sind die Diebe am Wochenende leer ausgegangen, dennoch ist der Schaden am Gebäude groß, eine genaue Berechnung stand gestern noch aus: Es wurde eine Außentür aufgebrochen, ein Fenster genutzt, um in die Innenräume zu kommen. Außerdem wurde versucht, die stählerne Kellertür aufzubrechen. „Das war niemand, der sich hier auskennt“, vermutet die Leiterin der Ebertsheimer Kindertagesstätte, Claudia Amodeo. „Vom Vorraum kommt man um die Ecke in die Innenräume, da hätte man nicht ans Fenster rangehen müssen“, erklärt sie vor Ort. In Ebertsheim wird kein Geld in der Kita aufbewahrt. „Wir nehmen alles mit, haben die Schränke offen“, sagt Amodeo. Dennoch seien Ordner und Schubladen durchwühlt worden. „Die Kinder nehmen den Vorfall gelassen, wir haben das im Morgenkreis besprochen, erzählt, dass die Diebe nichts mitnehmen konnten. Es besteht ein gewisser Stolz, dem Bösen ein Schnippchen geschlagen zu haben.“ Interessiert hätten die Kinder den Besuch der Beamten, die nach Spuren gesucht haben, verfolgt.

"In der gesamten Einrichtung kein Bargeld"

Etwas mehr Beute, allerdings keine größeren Beträge, ließen der oder die Einbrecher in Gerolsheim und Dirmstein mitgehen. In Gerolsheim waren rund 30 Euro in Münzen im Gebäude, in Dirmstein einige Euro mehr, informierte die Polizei auf Nachfrage. Aber auch hier stehe die Beute nicht im Verhältnis zum angerichteten Schaden. In Kindenheim waren die Täter vergangene Woche zugange: Cornelia Nitsche von der Villa Kunterbunt hat in ihren 37 Berufsjahren den dritten Einbruch in die Kita miterlebt. „Es ist ein komisches Gefühl“, sagt sie und fügt an: „So schlimm wie dieses Mal war es noch nicht.“ Denn die Täter hätten alles durchwühlt. Die Einbrecher zogen ohne Beute wieder ab, berichtet Nitsche und betont: „Es gibt in der gesamten Einrichtung kein Bargeld, bei uns wird kein Geld aufgehoben.“ Für die Kinder habe das Ganze glücklicherweise nichts Bedrohliches: „Die Kinder haben keine Ängste. Die fanden das sehr interessant.“

Mit Stemmeisen Schranktüren aufgebrochen

Die protestantische Kindertagesstätte in Bockenheim hat in der Nacht zu Donnerstag ebenfalls „Besuch“ unerwünschter Gäste bekommen. Die Kinder hätten die Folgen des Einbruchs gar nicht so mitbekommen, berichtet Leiterin Elke Happersberger: „Bei uns ist das kein großes Thema.“ Denn die Täter haben vor allem im Personalraum und im Büro im zweiten Stock ihr Unwesen getrieben, dort alles durchwühlt und einen kleineren Bargeld-Betrag entwendet. Ein komisches Gefühl, wie Happersberger sagt: „Sie wissen ja nicht, wer da wo die Finger dran hatte.“ Die Kita-Leiterin zeigte sich von der Rücksichtslosigkeit, mit der die Täter vorgegangen sind, schockiert: „Die haben mit dem Stemmeisen die Schranktüren aufgebrochen.“ Der Schaden wurde auf 3000 Euro geschätzt – Happersberger nimmt aber an, dass er tatsächlich noch höher ausfallen könnte, da auch eine Tür, durch die die Täter in die Kita kamen, repariert werden muss. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich schon einmal Einbrecher versucht – sie scheiterten zwar, aber das Fenster sei trotzdem kaputt gewesen, sagt die Kita-Chefin. Happersberger würde den Tätern gerne eines ins Stammbuch schreiben: „Bargeld gibt’s in Kindergärten normalerweise nicht.“ Hinweise Die Polizei Grünstadt bittet um Hinweise unter Telefon 06359/93120.

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