Grünstadt Leiningerland: Annette Maurer kandidiert als Bürgermeisterin
BEGEGNUNG: Die 45-jährige Annette Maurer geht für die Grünen ins Rennen ums Amt des Verbandsbürgermeisters des Leiningerlands. Nach 15 Jahren in Tiefenthal lebt sie nun mit Ehemann Klaus, Tochter Sophie und zwei Hunden in Mühlheim. Im Zentrum ihrer persönlichen „Spurensuche“ steht das Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1993.
MÜHLHEIM. Der Fußweg führt über Euro-Paletten zum neuen Haus der Maurers. „Bei uns ist halt einiges noch recht provisorisch“, entschuldigt die Hausherrin die sandige Außenbaustelle und wacklige Zuwegung in der Mühlheimer Ortsmitte. Das Grundstück – mit altem Gebäude – haben sie erst vor zwei Jahren gekauft. „Anfangs hofften wir, dass wir aus dem alten Gemäuer unser neues Domizil bauen können. Aber dann wurde schnell klar, dass ein kompletter Abriss notwendig ist“, erinnert sich Maurer, dass ein Neubau ursprünglich nicht geplant war. Improvisieren war angesagt. Das gilt auch für die von der Redaktion gewünschten „ausgesuchten Fotos von ihrem Lebensweg“. „Von mir gibt es merkwürdigerweise gar nicht so viele Fotos. Kinderfotos schon mal gleich gar nicht, wahrscheinlich weil ich einen größeren Bruder hatte und der sich immer vorgedrängelt hat, sagt die 45-Jährige schmunzelnd. Will sagen: als Mädchen oder Frau hat man’s doch nicht so leicht wie als Junge oder Mann. Gerade auch wegen der Konzepte zu Frauen in Politik und Gesellschaft ist die Angestellte eines Frankenthaler Steuerberatungsbüros bei den Grünen „gelandet“. Ein Kinderfoto hat sie dann doch rausgekramt: ihr Einschulungsfoto an der Haßlocher Grundschule. In Haßloch ist sie groß geworden und hat ihren Realschulabschluss gemacht. Bereits mit 19 Jahren kam die große Zäsur ihres Lebens: Sie hat den damals in Kirchheim lebenden Klaus Maurer kennengelernt. Das 24 Jahre alte Hochzeitsfoto präsentiert sie denn auch mit etwas trotzigem Stolz: „Damals haben viele, viele gezweifelt, ob das mit uns gut geht. Schließlich waren wir ja im Vergleich zu anderen Hochzeitspaaren noch sehr jung, und waren auch erst seit drei Jahren zusammen.“ Es ist gut gegangen: Im nächsten Jahr feiern die beiden Grünen silberne Hochzeit. Dass Annette Maurer die erste Direktkandidatin der Bündnis-Grünen für das Bürgermeisteramt einer Verbandsgemeinde in der Region ist, hat letztendlich auch Gatte Klaus mitzuverantworten. Zwar schon immer von der politischen Gesinnung her den Grundzügen der Grünen zugetan, wurde sie erst im Jahr 2008 „richtiges“ Parteimitglied: auf Initiative ihres Mannes, der schon länger im Grünen-Kreisverband Leiningerland tätig war. Damals haben sie noch in Tiefenthal gewohnt. „Unser Kreisverband umfasst aber schon immer die Ortschaften der nun neu entstehenden Verbandsgemeinde – plus die Stadt. Wir als Partei sind der realen Politik da mal wieder ein, zwei Schritte voraus gewesen“, sagt sie lachend, aber auch durchaus mit etwas ernstem Unterton zu künftigen Zielen der Kooperation mit der Stadt Grünstadt „in Insellage der Verbandsgemeinde Leiningerland“. Für ihre Kandidatur selbst habe nicht ihr Gatte, sondern Grünen-Frontmann Pirmin Magez die entscheidende Rolle gespielt. Seine Anregung und der Zuspruch vieler Menschen aus ihrem Umfeld hätten sie dazu ermutigt, diesen Schritt zu tun. Auch wenn Maurer bislang „nur“ (seit 2004) im Kreistag politische Erfahrung in kommunalen Gremien gesammelt hat. Beim Blick auf das Foto mit ihrer 17-jährigen Tochter Sophie (und den Hunden Anton und Sandy) wird noch eine Motivation deutlich. „Ich hatte auch das Gefühl, dass ich mich selbst mehr für die Umwelt und die Zukunft unserer Kinder engagieren sollte“, betont die Neu-Mühlheimerin. Mit Projekten direkt vor Ort soll ehrenamtliches Engagement von möglichst vielen Bürgern gefördert werden. Und mit Blick auf ihre Tochter sinniert sie, dass „Sophie wohl einen ganzen Tag unterwegs wäre“, wenn sie mit dem derzeitigen Angebot im Personennahverkehr von ihrem neuem Wohnort Mühlheim zu Bekannten aus ihrer alten Heimat Tiefenthal will. „Mit dem einen Elektro-Auto und Bürgerbus“ habe die Verbandsgemeinde Grünstadt-Land zwar schon einiges erreicht, „aber da muss man noch weiter denken“, sagt Maurer und meint damit zum Beispiel zusätzliche umweltfreundliche Bürgerbusse oder auch E-Bikes, die Einwohnern und Touristen zur Verfügung gestellt werden könnten. Nun sind zu ihren Freizeitaktivitäten – Leiterin zweier Wirbelsäulengymnastikkurse in Eisenberg, Gassi gehen und Klavierspielen „für den Hausgebrauch“ – die Beschäftigung mit den Ortsgemeinden im Leiningerland gekommen. Da nur in einer Ortsgemeinde eine Frau auf dem Chefsessel sitzt, sieht sie die Zeit gekommen, dass auf VG-Ebene eine Frau das Steuer übernimmt. Die Chancen, bei der Bürgermeisterwahl bestehen zu können, beurteilt sie „als richtig gut – als einzig echte Alternative “. Termin RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten Reinhold Niederhöfer (SPD), Frank Rüttger (CDU), Uwe Martin (Einzelbewerber) und Annette Maurer (Grüne) am Dienstag, 4. April, ab 19 Uhr, in der Emichsburg in Bockenheim. Herzliche Einladung!