Grünstadt Lärm aus der Luft

Im Jahr 2017 haben die Kampfjets laut Bürgerinitiative an 220 Tagen 788 Stunden lang Lärm in der Trainingszone TRA Lauter gemach
Im Jahr 2017 haben die Kampfjets laut Bürgerinitiative an 220 Tagen 788 Stunden lang Lärm in der Trainingszone TRA Lauter gemacht.

Zum Infoabend der Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung aus Kaiserslautern kamen rund 25 Personen. Drei Vorstandsmitglieder des Vereins waren vor Ort und nahmen die Problematik sowie die Gründe des Fluglärms in der Region in den Fokus. Auch im Leiningerland sind Menschen betroffen Elvira und Jürgen Kirstetter aus Höningen ärgern sich über den Fluglärm. „Sogar bei geschlossenen Fenstern sind die Geräusche der Jets zu hören“, sagt Elvira Kirstetter. Die ständige Beschallung nerve sie, auch wenn es Richtung Kaiserslautern wesentlich schlimmer sein müsse, vermutet die Frau aus dem Leiningerland. Ihr Mann ergänzt: „Die Veranstaltung hat uns gezeigt, dass es Sinn ergibt, sich bei Behörden zu beschweren.“ Auch habe er viel über den Sonderluftraum für militärische Übungsflüge, der sich über seinem Kopf befindet, erfahren. Wie kommt es zu diesem Fluglärm? Das Leiningerland gehört wie die gesamte Pfalz und das Saarland zur Temporary Restricted Area (TRA). Dieses Gebiet, die sogenannte TRA Lauter, ist ein Sonderluftraum für militärische Übungsflüge in 3000 bis 10.000 Metern Höhe. Hier trainieren Kampfjets verschiedener Nationen. Alexander Mathias, Vorstandsmitglied der BI, erklärt die Ursachen für den Lärm: „Wir werden ständig mit Abfangflügen, Überschallflügen, Tiefflügen sowie Versorgungs- und Übungsflügen schwerer Transportmaschinen der US-Airforce beschallt.“ Auch die Bundesluftwaffe sei in der TRA Lauter vertreten, mehr als die Hälfte der Nutzungsstunden in diesem Luftraum gehe jedoch auf das Konto ausländischer Streitkräfte. Zur Verdeutlichung hat Mathias Radaraufzeichnungen dabei, die von der BI gemacht wurden. Darauf zu erkennen: die Flugzeuge eines Tages sowie deren Bewegungsradius, auch über dem Leiningerland. Die Tagesberichte, die auf der Webseite des Vereins zu sehen sind, veranschaulichten die Dauer des Lärms. 2017 seien 788 Nutzungsstunden mit Kampfjets an 220 Tagen – also 3,5 Stunden pro Tag – zusammengekommen, wie Horst Emrich, ein weiteres Vorstandsmitglied, erklärt. Hauptnutzer seien die beiden amerikanischen Luftstützpunkte Spangdahlem und Ramstein. Von hier aus starteten oft mehrere Kampfjets gleichzeitig und sorgten für eine „Rudelverlärmung“. Die Gefahr für Natur und Umwelt Vorstandsmitglied Doris Emrich erläutert die Gefahr für die Gesundheit: „Das JPG Flugbenzin ist hochgiftig, das belegt das Datenblatt des Herstellers Chevron.“ Daher ist es ihrer Meinung nach nicht hinnehmbar, was sich über ihrem Kopf abspielt. Zum einen sei es der Lärm, zum anderen die Verschmutzung der Region, sagt sie und erhält dafür Zustimmung aus den Zuschauerreihen. Die Bürger beteiligen sich rege an der Diskussion und wollen wissen, was der Einzelne tun kann. Sich immer wieder beim Verteidigungsministerium oder Luftwaffenamt beschweren, empfehlen die Vorstandsmitglieder der BI. Zudem könne man auch auf der Vereinswebseite seine Beschwerde abgeben. Die Sicht der Bundeswehr Vertreter der Bundeswehr hatten dem Lauterer Kreistag das Gebiet TRA Lauter 2018 vorgestellt. Sascha Greuel vom Luftfahrtamt der Bundeswehr sagte: „Mit der TRA Lauter befinden wir uns in Nischen zwischen den zivilen Lufträumen, die wir für unsere Übungsflüge brauchen.“ Die TRA Lauter ist einer von vier großen militärischen Übungslufträumen in Deutschland. Die anderen liegen im Allgäu, Weser-Friesland und Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt gab es 2017 in diesen Gebieten 5328 Flüge. Der Anteil der TRA Lauter lag bei 23 Prozent. Es gebe in der TRA kürzere Übungszeiten als in den anderen Sektoren. „Doch das Ganze hat Grenzen“, betonte Greuel seinerzeit. „Eine Einschränkung der militärischen Einsatzbereitschaft ist nicht akzeptabel.“ Die Forderungen und Ziele der Bürgerinitiative „Wichtig ist, dass wir nicht nachlassen“, sagt Horst Emrich. Sein Verein hat derzeit 70 Mitglieder und fordert unter anderem, dass in Ramstein und Spangdahlem nur noch gestartet und gelandet wird. Es sollen keine militärischen Übungsflüge und Luftbetankungen über besiedeltem Gebiet mehr stattfinden. Zudem soll es keine Ausnahmen für Übungsflüge nach 18 Uhr geben. Der Verein setzt sich für ein verbindliches Nachtflugverbot bis 8 Uhr ein. Derzeit dürften Übungsflüge mit Kampfjets von Oktober bis April ohne besondere Genehmigung bis 23.30 Uhr und von Mai bis September bis 21 Uhr absolviert werden. Dass die Jets auch mal länger in der Luft seien, bestätigen mehrere Zuhörer. Einen Teilerfolg kann die BI schon verbuchen: Feitags sind Übungsflüge nur noch bis 13 Uhr zugelassen.

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