Grünstadt Kunst unter die Leute bringen
„Kunst muss unter die Leute.“ Das sagt Diplom-Betriebswirt Jürgen Wageck, der schon sein Leben lang malt. Jetzt hat sich der 59-Jährige einen lange gehegten Traum erfüllt und eröffnete in seinem Haus in der Grünstadter Bahnhofstraße die Galerie „Contemporary Art“. Zu einem Tag der offenen Tür hatte er bereits zum Märzmarkt geladen. Morgen, Freitag, startet nun die erste Ausstellung von Werken, die nicht von ihm stammen. Präsentiert werden Arbeiten von Walter Graser.
Erste Skulpturen des gebürtigen Kölners, der einst am Leininger-Gymnasium (LG) in Grünstadt unterrichtete und 1973 die Offene Werkstatt in Bad Dürkheim gründete, stehen seit etlichen Tagen in Wagecks Galerie. Es sind formschöne Objekte aus Oliven-Wurzelholz. „Da kommen noch etliche dazu und rund 20 Bilder“, kündigt der Hausherr an. Seine eigenen Gemälde und Statuen werden dann für eine Zeit aus dem rund 60 Quadratmeter großen Raum verschwinden. Der heute knapp 81-jährige Graser sei sein Kunstlehrer gewesen, blickt der Galerist zurück. „Er hat uns in freier Malerei angeleitet, gezeigt wie man seine Persönlichkeit ohne Zwänge entwickelt.“ Prägende Erinnerungen hätten auch die Besuche in Grasers Atelier in Birkenheide hinterlassen. Bereits als Grundschüler sei die Kunst aber „wie ein Magnet für mich“ gewesen – durch die Freundschaft mit Carlo Unverzagt, dem Sohn des gleichnamigen Grünstadter Malers und Bildhauers. Auch der drei Jahre ältere Künstler Martin Schöneich beeinflusste Wagecks Werdegang. 1987 hat der Grünstadter seine abstrakten Gemälde und Skulpturen erstmals öffentlich gezeigt. Seither waren sie immer wieder zu sehen, auch im Ausland. Sogar als Filmkulisse dienten sie schon. In diesem Frühjahr hat Wageck sie nun in seinen eigenen vier Wänden präsentiert, nachdem der Mietvertrag mit einer Immobilienagentur ausgelaufen war. „Meine Galerie soll Kulturschaffende und -interessierte zusammenbringen und in ihrer Offenheit die Pluralität der heutigen Kunst etwas transparenter und greifbarer machen.“ Langfristig sei eine Art Kulturzentrum geplant. Im kommenden Jahr will Wageck einen Gewölbekeller als Fläche für Ausstellungen und Kulturveranstaltungen dazunehmen. Die Exponate sollen alle vier bis sechs Wochen wechseln. „Dabei möchte ich aber Kunst von außen nach Grünstadt hereinholen und arbeite deshalb mit drei Galerien zusammen: die in Berlin ansässigen Art Cru und The Ballery sowie Norty Paris in Carrières-sur-Seine.“ Die Präsentationen könnten auch Installationen, Fotografien und Videokunst umfassen. Auf die Frage, ob der Name seiner Galerie die Auswahl der Exponate einschränkt, erklärt Wageck: „Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was zeitgenössisch ist, orientiere ich mich über soziale Medien und Kunstplattformen im Internet.“ AUSSTELLUNG Die Vernissage mit Werken des Künstlers Walter Graser findet morgen, Freitag, um 18.30 Uhr in der Galerie „Contemporary Art“, Bahnhofstraße 7 statt. Die Gemälde und Skulpturen sind bis Donnerstag, 7. Juni, zu sehen. Öffnungszeiten: freitags, 15 bis 19 Uhr, samstags, 11 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung.