Leininger Nachlese
Kolumne: Alles kann, nichts muss - Gedanken zur Corona-App
Auch wenn das der Deutsche gern von sich behauptet: So richtig fortschrittsaffin ist er nicht. Eher ein Skeptiker, vor allem, wenn es um den digitalen Raum geht. Ganz gut zeigt sich das mal wieder am Beispiel der Corona-App der Bundesregierung. Eigentlich ja eine ziemlich gute Sache, eine wirkliche Hilfe, um Infektionsketten nachzuverfolgen und so die Gesundheitsämter zu unterstützen – wenn, ja, wenn denn jeder, der ein Smartphone besitzt, auch mitziehen würde. Aber da ziert er sich eben, der Deutsche. Weil er Angst hat, dass mit seinen Daten Schindluder getrieben wird. Und so blöd, sich datentechnisch auf Gedeih und Verderb nackig zu machen, sei er ja keineswegs, wie er beim Bezahlen an der Supermarktkasse, die Payback-Karte gezückt, oder in einem öffentlichen Facebook-Post beteuert. Der Beziehungsstatus der Deutschen mit der Corona-App: Er ist kompliziert.
Lassen Sie uns Ihnen daher ein moralisches Stützrad sein und mit einigen Mythen und Vorurteilen gegen die App aufräumen. So können wir Ihnen vielleicht die Angst nehmen. Also, legen wir los: Nein, keine Sorge, die App funktioniert nicht nach demselben Prinzip wie eine Dating-App. Ein Risikokontakt ist kein „Match“, er wird ihnen nicht offenbart, es bleibt alles anonym. Man muss also mit ihm/ihr kein ungelenkes Gespräch anfangen („Na, nach was suchst du so hier?“). Wenn das ihre große Furcht war, lassen Sie ihren Partner die App ruhig installieren. Er wird sich nicht alle elf Minuten in einen anderen Risikokontakt verlieben. Und: Das Wort „Risiko-Begegnung“ in der App bezieht sich auch tatsächlich nur auf eine mögliche Corona-Infektion und nicht auf eine mögliche Einschätzung, wie gut Sie mit dem Gegenüber zusammenpassen („Risiko! Er wird Ihnen das Herz brechen!“).
Kein Spiel, keine Dating-App
Auch ist die App nicht aufgebaut wie ein Spiel, eine Art „Pokémon Go“ für Erwachsene quasi. Sie soll sie einfach nur warnen und nicht dazu bringen, Risiko-Kontakte in der Stadt zu finden. Dafür gibt es entsprechend auch keine Punkte. Höchstens Quarantäne, wenn es dumm läuft.
Eigentlich ist die Corona-Warn-App relativ entspannend, gerade im Vergleich zu jenen Apps, die sich sonst so auf Ihren Handys tummeln. Anders als bei „Tik Tok“ sind Sie nicht dazu gezwungen, ihr Umfeld mit schrägen Tänzen oder Playback-Versuchen zu unterhalten. Einfach zurücklehnen und warnen lassen. Wenn selbst der eher regierungskritische Chaos Computer Club die App für unbedenklich hält, können Sie doch eigentlich ganz beruhigt sein.
weiter die Hände. Eine gute Zeit
wünschen Ihnen Benjamin Fiege