Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kliniken in Not: So steht es ums Kreiskrankenhaus

Stiller Protest auf dem T-Shirt einer Demonstrantin.
Stiller Protest auf dem T-Shirt einer Demonstrantin.

Gerade erst sind Mitarbeiter des Grünstadter Kreiskrankenhauses mit zwei Bussen zu einer Protestveranstaltung in Mainz gereist. Denn auch ihre Klinik leidet unter der Inflation, andere sind derweil schon in die Insolvenz gerutscht. Nun haben der Landrat, ein Wirtschaftsprüfer und der Verwaltungsdirektor beschrieben, wie sie die Lage einschätzen.

Rote Zahlen zum Jahresabschluss: Auch beim Kreiskrankenhaus Grünstadt laufen die Ausgaben den Einnahmen davon. In der Gewinn- und Verlustrechnung 2022 steht ein Fehlbetrag von 408.148 Euro. „Die Kliniken befinden sich in einer sehr schwierigen Lage“, betonte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) im Krankenhausausschuss des Kreises am Donnerstag.

Fünf Häuser in Rheinland-Pfalz hätten schon einen Insolvenzantrag gestellt, „bei uns bestünde die Gefahr erst, wenn sich an der jetzigen Situation langfristig nichts ändert“, erklärte er. Der Staat müsse dringend einen Inflationsausgleich gewähren, wie zuletzt auch bei der Demonstration in Mainz am Mittwoch zum bundesweiten Protesttag „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“ gefordert wurde. „Wir waren mit zwei Bussen stark vertreten. Das war ein wichtiges Zeichen“, sagte Ihlenfeld und führte aus: „Wir haben den Eindruck, dass das Bundesgesundheitsministerium billigend in Kauf nimmt, dass Kliniken pleite gehen.“ Dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD), mit dem er sich am Mittwoch unterhalten habe, sei allerdings wohl bewusst, dass speziell das Kreiskrankenhaus Grünstadt wichtig für die Versorgung der Region sei. „Wir sind nun sehr gespannt, wie unsere Förderanträge für verschiedene Modernisierungsprojekte beschieden werden.“

Schon 40 Kliniken haben Insolvenzantrag gestellt

Wolfgang Kunz, der Geschäftsführer der Prüfungsgesellschaft HRB Treuhand GmbH aus Neu-Isenburg, berichtete, dass aktuell 40 deutsche Krankenhäuser insolvent seien. „Unter einem Schutzschirm wird innerhalb von drei Monaten entschieden, ob sie durch Restrukturierungen zu retten sind oder geschlossen werden müssen“, so Kunz. Insgesamt schrieben derzeit rund 80 Prozent aller deutschen Krankenhäuser rote Zahlen. Ziel des Bundes sei es, die Anzahl der Kliniken von momentan knapp 1900 auf 1250 zu senken. „Die Politik wird die Entwicklung dahin durch unterfinanzierte Leistungsvergütungen unterstützen“, zeigte sich der Wirtschaftsprüfer überzeugt.

2022/23 seien die Kosten um rund 13 Prozent gestiegen, aber die Landesbasisfallwerte seien nur um sechs Prozent angehoben worden. Angekündigte Zuschüsse blieben aus. Verwaltungsdirektor Markus Kieser nannte ein Beispiel: „Wegen der explodierenden Energiepreise war für 2022 noch eine Zahlung zugesagt worden. Bis heute haben wir keinen Bescheid.“ Kunz sagte, das dritte Pandemiejahr 2022 sei kein gutes gewesen. Und für das laufende Jahr prognostizierte er: „Das wird nicht besser.“

Zwischenbericht nicht ganz so düster

Allerdings sieht es nach dem Zwischenbericht zum 30. Juni gar nicht so düster aus. Dort ist zwar ein Verlust von 150.226 Euro verbucht, sodass laut Kieser zum 31. Dezember mit rund 300.000 Euro Miesen zu rechnen ist. „Aber im Zwischenbericht vom März lag der angenommene Jahresfehlbetrag noch bei circa 800.000 Euro und bei der Planung für 2023 war sogar ein Defizit von mehr als einer Million Euro kalkuliert“, so der Verwaltungsdirektor. Die Fallzahlen im stationären Bereich lägen bei 4119 und damit um 57 über dem Soll. „Wir streben danach, wieder das Vor-Corona-Niveau von 2019 zu erreichen, und wir sind auf dem besten Weg dorthin“, bilanzierte er. Auch mit der Geriatrie, die während der Pandemie kaum ausgelastet war, zeigte er sich zufrieden: „Die Tagesklinik ist wieder voll belegt.“

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