Das war 2021
Keine Pause für Rettungskräfte im Leiningerland
Pandemie oder nicht Pandemie – bei Polizei und Feuerwehr macht das keinen allzu großen Unterschied. Weder flacht das Arbeitsaufkommen ganz ab, wie bei den gebeutelten Gastronomen oder Kulturschaffenden, noch geht es wie bei Medizinern oder Pflegekräften durch die Decke. Allerdings hat das Jahr 2021 durchaus ein paar Besonderheiten für die Einsatzkräfte bereitgehalten – eine davon waren sicher die Fahrten ins Katastrophengebiet an der Ahr, die Schilderungen zufolge bei allen Beteiligten einen bleibenden Eindruck hinterließen.
Betrüger und Einbrecher
Mit Enkeltrickbetrügern und Einbrüchen ging es im Januar für die Grünstadter Inspektion los – und beides begleitete sie bis ans Ende des Jahres. Dabei änderten die Betrüger ihre Masche immer wieder: Von der mittlerweile weithin bekannten Notlage des Enkels, über Warnungen vorgeblicher Polizisten, die potenzielles Diebesgut vorsorglich in Verwahrung nehmen wollten, bis hin zu Corona-Schockanrufen von der „Intensivstation“, wo sterbende Verwandte Geld für ein Medikament benötigten, war alles dabei. Auch die Einbrecher waren fleißig, im Sommer und Herbst sogar so fleißig, dass sich die Polizei mit einer Warnung und Tipps an die Bevölkerung wandte.
Den krassesten Fall des Jahres vermeldete die Unterhaardter Rundschau am 3. Februar unter dem Titel „Mit Masken und großer Gewalt“. Im Grünstadter Industriegebiet hatten es Einbrecher auf Firmenwagen von Elektro Krück und Delta Glas abgesehen: Sie schlugen Fenster ein oder schnitten die Seitenwände der Autos auf, um ins Innere zu gelangen und hochwertige Werkzeuge zu entwenden. Der Schaden in diesem Fall summierte sich auf rund 50.000 Euro. Polizei wie Geschädigte gingen von einer professionell geplanten Aktion aus. Es rechnete niemand damit, dass sie erwischt werden würden – und das geschah dann auch nicht.
Gewalt gegen Andere
In Hettenleidelheim ereignete sich in der Nacht auf den 11. Mai eine Bluttat, deren Aberwitz erst nachträglich bekannt wurde: Mit Messern griff ein 49-jähriger Mann einen 81-Jährigen an, der im selben Wohnkomplex lebte. Laut Polizeibericht erließ ein Richter einen Unterbringungsbefehl wegen versuchten Totschlags: Der Hettenleidelheimer musste nicht in Gefängnis, sondern wurde ins Pfalzklinikum in Klingenmünster eingewiesen. Das legte die Vermutung einer psychischen Beeinträchtigung nahe. Im Prozess gegen den 49-Jährigen wurde bekannt, dass er glaubte, im Auftrag des Germanengotts Odin zu handeln: Wenn er den 81-Jährigen töte, würde er ein eigenes Haus bekommen. Der Mann leidet nach Experteneinschätzung unter paranoider Schizophrenie, was seine Schuldfähigkeit beeinträchtigt hat.
Eher kurios war ein Fall, den die RHEINPFALZ am 7. September meldete: Auf einem Parkplatz im Kirchheimer Rosengartenweg war es zu einer Prügelei unter drei Lkw-Fahrern gekommen. Wie die Polizei mitteilte, schraubten zwei davon an ihren Wagen herum und tranken dabei Bier. Der Dritte fühlte sich dadurch gestört, weil er schlafen wollte, und bat nachdrücklich um Ruhe. Stattdessen griffen die anderen beiden ihn an, gewannen aber nicht die Oberhand, sondern wurden verprügelt. Der Ausgang des Gerangels wurde womöglich von ihrer Alkoholisierung begünstigt: Sie hatten beide mehr zwei Promille und bekamen ihre Schlüssel daher abgenommen.
Brände und eine Explosion
400 Ballen Stroh im Wert von etwa 16.000 Euro sind in der Nacht zum 28. April auf einem Feld bei Hettenleidelheim verbrannt. Es gehörte dem landwirtschaftlichen Betrieb Schwalb und war als Einstreu für Mastbullen sowie für die Aufzucht von Erdbeeren gedacht. Dass es sich nicht um eine spontane Selbstentzündung, sondern um Brandstiftung handelte, stand für die Ermittler bereits am darauffolgenden Tag fest. Eine doppelt bittere Nachricht für die Landwirte, denn es war nicht das erste, sondern schon das dritte Mal, das jemand ihr Stroh angezündet hatte. Einen Täter konnte die Polizei in dieser Sache leider nicht dingfest machen.
Am 4. Juni brannte es wieder, diesmal in einer landwirtschaftlich genutzten Halle in Tiefenthal. Glück im Unglück war, dass das Feuer rechtzeitig entdeckt wurde und die Pferde, die direkt neben der Halle in einem Stall standen, daher gerettet werden konnten. „Es war haarscharf. Keine zwei Minuten später – und wir hätten sicherlich tote Pferde zu beklagen gehabt“, sagte der Tierhalter damals. Er und die Besitzer der Halle waren sehr dankbar, dass die Feuerwehr der Verbandsgemeinde, die mit 75 Wehrleuten vor Ort war, einen super Job gemacht hatte.
Einen lebensgefährlich Verletzten meldete die RHEINPFALZ nach einer Explosion in einem Kindenheimer Wohnhaus am 18. Juli. Die Wucht der Detonation war so groß, dass Teile des Dachs abgedeckt wurden. Ein Rettungshubschrauber brachte den verletzten Mann ins Krankenhaus, während sich Feuerwehr und Polizei um das beschädigte Haus kümmerten – und darin eine Hanf-Plantage sowie 20 kleinere Rohrbomben fanden. Das explosive Material wurde am 18. und 19. Juli im Wingert nahe des Dorfes kontrolliert gesprengt. Die Ermittlungen gegen den Hausbewohner laufen noch – wegen der fahrlässigen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, des strafbaren Umgangs mit explosiven Stoffen und auch wegen eines Verbrechens nach dem Betäubungsmittelgesetz.
Verkehrsunfälle
Wegen der Baustellen in der Obersülzer Straße und der Asselheimer Straße wurden Unfälle im Grünstadter Stadtgebiet und auf der Umgehungsstraße dieses Jahr schnell zu schwierigen Geduldsproben für alle, die sich auch nur ansatzweise in der Nähe befanden. Da die Kirchheimer Straße als einzige Durchgangsstraße übrig blieb und sie nun mal leider auf einer Seite im gleichen Kreisel endet wie die Umgehungsstraße, war das Autofahren zu Stoßzeiten ohnehin eine Qual. Jede noch so kleine zusätzliche Störung brachte das Fass zum Überlaufen und führte zum totalen Kollaps des innerörtlichen wie auch des Verkehrs auf der B271.
Ein Gefahrenherd ist auch die A6 auf der sich der erste größere Unfall bereits Mitte Januar ereignete: Ein Sattelzugfahrer war im morgendlichen Berufsverkehr bei Wattenheim auf einen Tanklaster aufgefahren. Bilanz: zwei schwer verletzte Lkw-Fahrer, ein Sachschaden von etwa 90.000 Euro und in Richtung Saarbrücken ging wegen zwei gesperrter Fahrspuren erst mal nicht mehr viel.
Noch folgenreicher war ein Unfall in der Nacht auf den 5. Mai, bei dem ein geplatzer Reifen dazu führte, dass die A6 bei Wattenheim 15 Stunden gesperrt wurde. Nach dem Platzer war ein Sattelschlepper auf die Gegenfahrbahn gestürzt, die geladenen Eisenstangen verteilten sich auf der Straße und mussten von Rettungskräften sowie einem Bergungsunternehmen händisch aufgesammelt werden. Den Schaden schätzte die Polizei damals auf 180.000 Euro. Der Fahrer kam mit leichten Verletzungen davon.
Ein 29-Jähriger kam am 24. Juni auf der A6 bei Grünstadt zu Tode. Er hatte das Begleitfahrzeug eines Schwertransports rechts überholen wollen, stieß jedoch mit ihm zusammen, fuhr ungebremst in den Transporter hinein und wurde in seinem Wagen eingeklemmt. Die Feuerwehr bekam ihn nach 25 Minuten frei, doch er verstarb noch am Unfallort.
Land unter!
Ebenfalls am 24. Juni sowie am 25. und 30. Juni hielten die Auswirkungen von Starkregenfällen die Freiwilligen Feuerwehren im Leiningerland in Atem. In verschiedenen Ortschaften wurden Keller geflutet und Straßen überschwemmt, in Kleinkarlbach stand die Hauptstraße vorübergehend ein gutes Stück unter Wasser und zwischen Obersülzen und Dirmstein war gleich mehrfach kein Durchkommen. Vertreter der Feuerwehren waren sich einig, dass so was künftig nicht zuletzt wegen des Klimawandels häufiger vorkommen wird und Stadt- wie Verbandsgemeindeverwaltung sind nun verschärft an der Planung neuer Hochwasserschutzkonzepte dran.
Wie viel schlimmer es unter ungünstigen Bedingungen laufen kann, zeigte sich Mitte Juli beim Hochwasser an der Ahr, das viele Leben kostete und etliche Existenzen zerstörte. Die Feuerwehren aus der Region fackelten damals nicht lange, sondern schnürten ihre Päckchen und machten sich auf den Weg in den Norden von Rheinland-Pfalz, um zu helfen, wo sie es konnten. Dabei sammelten sie Eindrücke, die sie nicht wieder losließen. „Ich hätte mir nie vorstellen können, solche Bilder einmal in Deutschland zu sehen“, sagte Markus Ittel, Leiter der Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Leiningerland im Interview am 20. Juli.
Und dann waren da noch ...
Entwendete Lorbeerbäume meldete die RHEINPFALZ am 12. Mai dieses Jahres. Zehn Stück an der Zahl, und nicht irgendwelche, sondern jahrelang gehegte und gepflegte Hochstämme im Wert von je 2000 bis 3000 Euro. Ein schmerzhafter Verlust für den Grünstadter Gärtner Karlheinz Starck. Der hatte schon so eine Ahnung, was damit passieren sollte, und bat seine Kollegen daher, Augen und Ohren offenzuhalten. Tatsächlich meldete sich ein Gärtner aus der Verbandsgemeinde, als ihm zwei solche Bäume zum Kauf angeboten wurden. Sowohl Starck als auch die Polizei machten sich auf den Weg. Der Verkäufer war bei ihrer Ankunft zwar schon geflüchtet, konnte aber wenig später mit zwei Bäumchen in seinem Transporter aufgegriffen werden, die Starck als seine identifizierte. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, konnte der Täter in diesem Fall ermittelt werden – es handelte sich nicht um den Fahrer des Lieferwagens, sondern um dessen Halter. Die restlichen acht Bäume bekam Karlheinz Starck aber leider nie wieder zu Gesicht.
Am 30. Oktober schließlich ereignete sich eine Verfolgungsjagd auf den Straßen Grünstadts. Es war allerdings nicht die Polizei, die sich an die Fersen eines Übeltäters heftete, sondern die Person, die von ihm geschädigt worden war. Nachdem ein Lieferwagenfahrer sie gerammt und anschließend verhöhnt hatte, nahm eine 46-Jährige in ihrem ramponierten Wagen die Verfolgung auf, die über die Asselheimer Straße und die Bitzenstraße führte – bis quasi direkt vor die Haustür der Polizei, wo diese dann auch übernahm. Die Beamten erwischten den Unfallverursacher sowie dessen aggressiven Beifahrer in Neuleiningen und stellten fest, dass er gar nicht am Steuer hätte sitzen dürfen: Er hatte 2,8 Promille Alkohol im Blut und laut Polizeibericht vermutlich auch Kokain konsumiert.