Eisenberg / Leiningerland
Kampfflugzeug über der Region: Der Tag des Donners
„Im ersten Moment dachte ich, Ramstein wird angegriffen.“ Es war für Wolfgang Pfeifer ein Schreckmoment, als ihn da am Montag plötzlich dieses gewaltige Donnern aus seiner Konzentration riss. Gegen 14.45 Uhr war das. Der 61-Jährige war gerade zu Hause in Kerzenheim, am arbeiten, Home Office, als da plötzlich dieser ungeheure Krach war. „Ich bin dann raus auf den Balkon, um nachzuschauen, was da los ist“, sagt Pfeifer.
Von dort sah er mehrere Kampfflieger, die über den Ort hinwegflogen und das gleich mehrfach. „Mir ist dann richtig das Adrenalin reingeschossen“, gesteht Pfeifer, der die Kampfflieger aber nicht identifizieren konnte. Rund 20 Minuten habe das Ganze dann gedauert. „Das kann einem Angst machen, gerade in diesen Zeiten. Wieso wird man da als Bürger nicht gewarnt, wenn es zu Übungen kommt“, fragt sich Pfeifer, der zudem den Eindruck hatte, das die Kampfflieger viel zu tief über den Ort hinwegfegten. Pfeifer: „Das waren in meinen Augen weniger als 500 Fuß“.
Auch anderen im Dorf ist das Treiben am Himmel über Kerzenheim natürlich nicht verborgen geblieben. In den sozialen Netzwerken entspinnen sich noch am selben Tag Diskussionen, eine Mischung aus Ärger, Angst und Verständnis findet sich in den Kommentaren auf Facebook. „Besonders die ersten drei waren ziemlich beängstigend. Weiß man, ob das eine Übung ist? Das hört ja gar nicht mehr auf“, fragt eine Nutzerin. „Zu laut und wirklich erschreckend“, bilanziert eine weitere. „Warum wird wieder hier bei uns Krieg gespielt“, fragt ein anderer. Und: „Endlich mal was los im Kaff“, stellt ein anderer fest. Auch im Leiningerland waren die Kampfjets zu hören, wie Zuschriften an die Redaktion nahelegen.
Das sagt die Bundeswehr
Nachfrage beim Luftfahrtamt der Bundeswehr. Dieses bestätigt, dass drei Kampfflugzeuge der Bundeswehr vom Typ Tornado über der Region, auch über Kerzenheim etwa, unterwegs waren. Die Luftfahrzeuge vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 seien im Rahmen des Ausbildungsflugbetriebs zwischen 14.43 und 15.02 Uhr mehrmals über den Bereich geflogen, so ein Sprecher. Dabei seien sie in Höhen zwischen 500 Fuß (zirka 150 Meter) und 2370 Fuß (rund 722 Meter) über Grund unterwegs gewesen. „Nach den uns vorliegenden Daten erfolgte der Einsatz, für den eine Mindestflughöhe von bis zu 500 Fuß (zirka 150 Meter) über Grund ordnungsgemäß angemeldet war, unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen“, so ein Sprecher des Luftfahrtamts der Bundeswehr weiter.
Grundsätzlich sei über dem gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland militärischer Flugbetrieb zulässig und nicht an bestimmte Streckenführungen gebunden. So sollen die Flugbewegungen möglichst gleichmäßig über den gesamten Luftraum der Bundesrepublik verteilt werden. Die dabei einzuhaltende Tiefflugmindesthöhe für Kampfflugzeuge betrage 1000 Fuß (rund 300 Meter) über Grund. Nach vorheriger Anmeldung dürfe diese „in wenigen - – aber unverzichtbaren – festgelegten Ausnahmen auf 500 Fuß“ über Grund reduziert werden.
Bürgerservice eingerichtet
Ausgenommen von Tiefflügen seien Großstädte (über 100.000 Einwohner), Flugplatzkontrollzonen und Kernkraftwerke sowie bestimmte Industrieanlagen. Sie dürften nur oberhalb spezieller Schutzzonen mit einer Sicherheitsmindesthöhe von 2000 Fuß (zirka 600 Meter) überflogen werden. „Selbstverständlich wird versucht, bewohnte Gebiete nicht zu überfliegen. Aber die dicht besiedelte Bundesrepublik setzt diesem Vorhaben neben den gesetzlichen und flugbetrieblichen Regelungen enge Grenzen“, so der Sprecher.
Allgemeine Informationen zum militärischen Flugbetrieb habe man im Internet bereitgestellt. Der Sprecher: „Ebenso haben wir in unserem Hause ein Bürgertelefon eingerichtet, damit sich die Bevölkerung auch unmittelbar mit Ihren Beobachtungen an uns wenden kann.“
Bürgerinnen und Bürger können sich unter der Rufnummer 0800 8620730 (kostenfrei) mit Fragen oder Beschwerden zum militärischen Flugbetrieb an den Bürgerservice des Luftfahrtamts der Bundeswehr wenden. Allgemeine Infos zum Militärischen Flugbetrieb gibt es auf dieser Webseite der Bundeswehr.
Zur Sache: Was ist ein Tornado?
Der Tornado ist ein von Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Italien entwickeltes Mehrzweckkampfflugzeug. 1981 wurde der erste PA-200 Tornado an die Bundeswehr ausgeliefert, 1992 der letzte. Insgesamt gingen 357 dieser Maschinen an Luftwaffe und Marine. Erstmals im Kampf eingesetzt wurde der Tornado im zweiten Golfkrieg durch die britische, italienische und saudi-arabische Luftwaffe. Die Bundeswehr setzte ihn zuerst bei Missionen im Jugoslawien- und Kosovokrieg ein. Hier diente er zur Aufklärung und zur Bekämpfung feindlicher Radarstellungen. Die Tornados sind ein Auslaufmodell und werden durch einen Mix aus F-35 Kampfjets und weiterentwickelte Eurofighter ersetzt.