Grünstadt Kürzere Ladezeiten auf der Wunschliste

Hat die Erwartungen übertroffen: die Resonanz beim ersten E-Car-Treffen in Grünstadt.
Hat die Erwartungen übertroffen: die Resonanz beim ersten E-Car-Treffen in Grünstadt.

Das erste E-Car-Treffen, das der Verein Energieregion Rhein-Haardt am Donnerstagabend auf dem Parkplatz K 100 in Grünstadt organisiert hat, übertraf alle Erwartungen. Rund 50 Menschen kamen zusammen. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte der Vorsitzende Guido Dahm. Einige waren lediglich Interessierte, die meisten aber sind ebenso überzeugt wie begeistert elektrisch unterwegs. Es fand ein reger Erfahrungs- und Ideenaustausch statt.

„Ich habe ein Auto mit Solardach, mit dem ich im Sommer meine Klimaanlage betreiben kann“, erzählt Gerhard Seibert aus Enkenbach-Alsenborn. Seit einem Jahr fahre er einen Toyota Prius Plug-In Solar. Er sei sehr zufrieden, versichert Seibert, der daheim Sonnenstrom tankt. Allerdings müsse noch viel getan werden: Die Ladesäulen seien zu vereinheitlichen und die Ladezeiten zu verkürzen. Florian Dommel von den Pfalzwerken weist darauf hin, dass der Energieversorger innerhalb der nächsten zwei Jahre pfalzweit 350 Schnellladepunkte mit 50-Kilowatt-Gleichstrom-Anschlüssen installieren will. Der Fuhrpark der Pfalzwerke umfasse auch fünf Elektrofahrzeuge. Albert Monath, Chef der Stadtwerke Grünstadt, verkündet stolz: „Wir haben schon 2010 mit E-Mobilen unsere Dienstfahrten gemacht.“ Das E-Car der Verbandsgemeinde Leiningerland hat sich laut Klimaschutzmanager Pascal Stocké bewährt. Ende des Jahres soll es zwei weitere elektrisch betriebene Wagen für die Mitarbeiter der Verwaltung und der Werke geben. Stocké bietet an: „Jeder, der mal ein E-Mobil Probe fahren will, kann mich anrufen.“ „In Grünstadt gibt es keine öffentlichen E-Tankstellen“, beklagt Michael Huschke. Seine Frau Wiltrud erklärt die Konsequenz: „Wir gehen deshalb in Worms, Frankenthal oder Eisenberg einkaufen.“ Das Ehepaar hat sich im vergangenen Juli einen BMW i3 mit Range Extender gekauft. Der Reichweitenverlängerer, der über einen Generator den Akku auflädt, gebe ihm ein beruhigendes Gefühl, so Michael Huschke und erzählt: „Bislang bin ich 21.000 Kilometer gefahren und habe ganze sieben Liter Sprit gebraucht.“ Auf die hohen Preise von E-Cars anspielend, meint er: „Man muss sich E-Mobilität allerdings auch leisten können.“ Er habe vor dem 12. Juni 2017 auch keine billigen Autos gefahren, erklärt Markus Weis, der an dem Tag auf einen Tesla Modell S umgestiegen ist. 40.000 Kilometer hat der Mann aus Weisenheim am Sand seither rein elektrisch hinter sich gebracht und resümiert: „Ich will nichts anderes mehr.“ Für die amerikanische Automarke gebe es europaweit inzwischen ein gut ausgebautes Netz an Ladestationen „und ich bezahle keinen Cent fürs Aufladen“. Dass man auch viel Geld loswerden kann, wenn man Strom tanken will, ist die Erfahrung des Tiefenthalers Klaus Schöneberger. „An der Elektro-Zapfsäule von Opel-Roth in Hettenleidelheim musste ich alle zehn Minuten einen Euro einwerfen. Bis der Akku voll gewesen wäre, hätte es bei 220 Volt 15 Stunden gedauert und 90 Euro gekostet“, berichtet er. Inhaber Edwin Gaub sagte gestern auf Anfrage, das könne hinkommen: Eine Kilowattstunde koste 25 Cent. Ärgerlich ist in Schönebergers Augen, dass man für jede Station einen anderen Stecker benötigt. „Für die Säule bei Elektro-Krück in Grünstadt habe ich nicht das richtige Kabel.“ Eigentlich könne er seinen Citroën Berlingo, den er seit Februar vergangenen Jahres hat, stets daheim auf seinem Hof aufladen – über die Sonnenkollektoren auf dem Dach seiner landwirtschaftlichen Halle. „Im Alltag komme ich mit den 100 Kilometern Reichweite hin.“ „Meiner Frau genügen in der Regel 60 Kilometer. Seit Dezember hat sie ihren Kia-Hybrid zweimal mit Sprit betankt“, erzählt Dirk Frischknecht aus Obersülzen. In Urlaub zu fahren, sei mit einem E-Mobil aber noch schwierig. Die Reichweite ist für Tesla-Fahrer Siegfried Lück nicht das Problem. Der Hettenleidelheimer fragt sich, wann es in Deutschland ein Vehicle-to-grid-System gibt, sodass regenerative Energie noch besser genutzt werden könnte: „Wenn das E-Mobil vor dem Haus parkt, könnte es doch Strom ins Netz einspeisen.“

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