Fragen und Antworten
In Ruanda über Menstruation reden: Grünstadter reisen zu Partnerschule
Dürfen alle Schüler mit, die in der entsprechenden Altersstufe sind und Interesse haben?
Nach Ruanda fliegen drei Lehrkräfte und 14 Schüler der zwölften Jahrgangsstufe. Der Organisator und Lehrer für Deutsch sowie Sozialkunde Ingo Hammann sagt: Es gab mehr Interessenten, aber der vor Ort benutzte Bus bietet nicht mehr Platz. Bevorzugt worden sind zum Beispiel Jugendliche, die sich in der Ruanda-AG schon länger für die Partnerschaft mit der Schule in Mukondo engagieren.
Was machen das Leininger-Gymnasium und seine Schüler von Grünstadt aus für ihre Partnerschule?
Hammann berichtet: Die engagierten Jugendlichen überlegen von sich aus immer wieder, wie sie die Partnerschule unterstützen können – und sie mobilisieren dann auch materielle Hilfe. Ein wichtiges Projekt: Für Schüler aus besonders bedürftigen Familien wird von Grünstadt aus das Schulessen finanziert. Ein Hintergedanke dabei: Dann kommen auch die Kinder aus besonders notleidenden Familien tatsächlich zum Unterricht.
Bringen sie jetzt auch so etwas wie Hilfsgüter mit?
Alle Reisenden steigen mit zwei Koffern ins Flugzeug, von denen jeweils nur einer mit ihren privaten Sachen gefüllt ist. Der zweite ist für Mitbringsel reserviert: zum Beispiel klassische Unterrichtsmaterialien wie Stifte, außerdem jede Menge Bälle für den Sport. Manche Gastgeschenke haben die Grünstadter aber auch vor Ort geordert – weil der Transport zu aufwendig wäre und die Wirtschaft vor Ort unterstützt werden soll. Hammann sagt: Die Partnerschule bekommt zum Beispiel eine neue Verstärkeranlage für Durchsagen und Ansprache.
Wollen die Pfälzer ihre Partnerschule auch durch persönliches Engagement vor Ort unterstützen?
Als Schulsanitäter ausgebildete Jugendliche werden Erste-Hilfe-Kurse geben. Außerdem wollen die Besucher aus der Pfalz Hygieneartikel für die Menstruation vorstellen. Hintergrund: Weil sie keine Hilfsmittel haben, bleiben viele ruandische Schülerinnen während ihrer Regelblutung zu Hause. Hammann sagt: „Wir könnten uns vorstellen, dass Menstruationstassen eine Lösung wären.“ Denn sie sind mehrfach verwendbar. Ob das wirklich eine gute Idee ist, will die Grünstadter Delegation aber vor Ort erst noch sondieren.
Was kostet die Reise?
Die Teilnehmer zahlen pro Person 1500 Euro. Das ist natürlich viel Geld, das man auch für weitere Hilfsprojekte verwenden könnte. Hammann findet aber: „Eine Partnerschaft lebt von persönlichen Begegnungen.“ Und die, meint der 46-Jährige, sind eigentlich schon überfällig: Durch die Corona-Pause gibt es viele Schüler, die noch nie die Chance zu näherem Kontakt hatten. Die Partnerschaft besteht seit 2014, zum ersten und bislang einzigen Mal war eine Delegation des Leininger-Gymnasiums im Jahr 2017 in Ruanda.
Waren ruandische Schüler auch schon in Grünstadt?
Ja, sogar schon zweimal: 2015, also gleich nach Gründung der Partnerschaft, und 2019 dann noch einmal. Die Kosten hat da zum Teil jeweils das Land Rheinland-Pfalz übernommen, das restliche Geld hat das Leininger-Gymnasium beschafft.
Wo genau ist die Partnerschule überhaupt?
Hammanns Antwort könnte bei seinen Erdkunde-Kollegen auf Missfallen stoßen. Seine anschauliche Beschreibung der Lage: „Auf der Karte so links oben in Richtung Kongo.“ In der Nähe befinden sich zum Beispiel der Kivu-See und die Virunga-Vulkane. Die sind bekannt als Lebensraum der letzten Berggorillas.
Wo übernachten die Pfälzer?
Sie sind zwar jeweils Gastfamilien zugeteilt, mit denen sie auch ganze Tage verbringen. Über Nacht logieren sie aber in katholischen Gästehäusern.
Ist so eine Reise gefährlich?
Hammann sagt: „Da mache ich mir keine Sorgen. Ich weiß: Falls zum Beispiel jemand krank wird, bekommen wir jede verfügbare Hilfe.“
Wie sind die Schüler auf die Reise vorbereitet worden?
Sie musste sich zum Beispiel Impfungen besorgen, und es hat Absprachen zur Einnahme der Tabletten zum Schutz vor Malaria gegeben. Doch vor allem, sagt Hammann, wollte er seinen Schülern vorab beibringen, dass sie ihren Gastgebern respektvoll und auf Augenhöhe begegnen. Und er hat ihnen einen speziellen Manieren-Tipp gegeben: „In Ruanda wird immer sehr auf die Schuhe geachtet. Egal wie schlammig oder staubig es ist, die müssen gepflegt aussehen.“
