Grünstadt In Deutschland tut sich eine neue Welt auf

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Die bordeauxrote Weste, das weiße Hemd mit der schwarzen Krawatte und die schwarze Hose sitzen wie angegossen. Anday Ashera und Salomon Berhe stehen, die Hände auf dem Rücken verschränkt, den Oberkörper gestreckt, im Restaurant des Gartenhotels Heusser. An den strengen Militärdienst ihrer Heimat Eritrea denken die zwei mittlerweile nicht mehr.

Im Restaurant des Hotels tut sich eine neue Welt für die beiden jungen Männer auf. Den Gästen bei ihrer Ankunft aus dem Mantel helfen, mit Kerzenschein für eine angenehme Atmosphäre am Tisch sorgen, Kleinigkeiten, die sie aus Afrika nicht kennen, weiß die Geschäftsführerin Martina Berwing. Und was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Dienstleistung? Darauf konnte auch der Sprachkurs, den Ashera und Berhe im August abgeschlossen haben, ihnen keine Antwort geben. Die Eritreer flohen nach Deutschland und lernten sich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Trier kennen. Im Mai 2014 kamen sie nach Bad Dürkheim. Seit rund einem Monat ist der tägliche Gang an ihren ersten festen Arbeitsplatz in Deutschland zur Routine geworden. Restaurantfachmann lautet nun das Ziel. Sie fühlen sich wohl und haben mittlerweile auch neue Freunde gefunden. Bis im vergangenen Jahr sah das Leben des 26-jährigen Anday Ashera und des 21-jährigen Salomon Berhe noch ganz anders aus. Ashera hat sechs Jahre lang Militärdienst geleistet. Berhe wurde nach dem Schulabschluss ebenfalls eingezogen und begann im Anschluss daran ein Wirtschaftsstudium. Die beiden lernen schnell. Geschäftsführerin Martina Berwing berichtet von durchweg positiven Erfahrungen mit ihren neuen Mitarbeitern. „Sie sind sehr offen und wissbegierig und setzen das Gelernte sehr schnell in die Praxis um“, lobt sie das große Engagement. Jetzt heißt es servieren, Bestellung aufnehmen, Buffet herrichten und wieder abräumen, Eier kochen, Getränke einschenken. Beiden macht die Arbeit Spaß, sagen sie noch etwas schüchtern. „Besonders der Kontakt mit den Gästen“, bemerkt Ashera. Kann das funktionieren? Immerhin benötigen sie dafür gute Sprachkenntnisse: „Das klappt schon ganz gut“, sagt Martina Berwing. „Wir sind in einem guten Team, die Kollegen helfen uns gerne“, erzählt Anday. Er spricht leise und vorsichtig, man spürt, dass er die richtigen Worte mit Bedacht wählt. Wenn sie selbst nicht weiterwissen, springen die deutschen Kollegen ein oder erklären es den beiden Flüchtlingen. „Sie machen es immer selbstständiger“, so Berwing, die sich vorher Sorgen gemacht hatte: Werden sie vom Team akzeptiert? Wie kommen sie in der Berufsschule zurecht? Die Einstellung war eine spontane Entscheidung der Chefin. Im Radio hörte sie von der Initiative um Dekanin Ulla Hoffmann, die die Gruppe von zehn Eritreern und zwei Syrern gemeinsam mit Jutta Schlotthauer vom Mehrgenerationenhaus in Bad Dürkheim und vielen ehrenamtlichen Helfern betreut. Ausbildungsplätze wurden händeringend gesucht. Eine absolute „Win-win-Situation“, die sich daraus ergab. „Es ist nicht mehr so einfach, Auszubildende zu bekommen. Wir waren zwar eigentlich voll besetzt, aber dann ist kurzfristig jemand abgesprungen.“ Mit Salomon Berhe und Anday Ashera löste sich das Problem: Statt einem Azubi bekam Berwing gleich zwei.

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