Hertlingshausen RHEINPFALZ Plus Artikel Impftermin: Papierflut bei Vergabe und Stornierung

Ingrid Noll mit der Papier- und E-Mail-Flut zum Impftermin.
Ingrid Noll mit der Papier- und E-Mail-Flut zum Impftermin.

Den Wettlauf mit dem Coronavirus gewinnen wir nur durch schnelle, flächendeckende Impfungen. Doch dabei hapert es allenthalben. Auch die Terminvergabe ist an Umständlichkeit kaum zu überbieten.

Dass das mit den Impfterminen nicht so einfach ist, weiß Ingrid Noll aus Hertlingshausen aus eigener Erfahrung. Die 79-Jährige verfolgt die Pandemiebekämpfung in der Bundesrepublik mittlerweile mit ungläubigem Kopfschütteln. Und das nicht nur, weil alles furchtbar lange dauert, ja, das Tempo und das Chaos bei der Impfkampagne schon geradezu peinlich sind. Der Gipfel für sie: Die Bestätigung eines Impftermins, nachdem der Termin schon verstrichen war.

Aber der Reihe nach: Am 10. März hatte sich die Seniorin online auf der Webseite impftermin.rlp registriert. Das wurde ihr auch umgehend per E-Mail bestätigt. Am 4. April hat Noll dann ein Schreiben erhalten, in dem ihr die erste Spritze mit Astrazeneca „im Verlauf des Mai“ angekündigt wurde. „Ein konkretes Datum wurde dort nicht genannt“, erzählt sie. Kurz darauf wurde der Hertlingshauserin von ihrem Hausarzt ein Impfangebot mit Biontech-Pfizer für den 7. April gemacht.

Registrierung stornieren ist nicht so einfach

„Das habe ich gern angenommen, zumal mir auch das deutsche Serum lieber ist“, sagt Noll. Gleich nachdem sie den Piks in den Oberarm erhalten hat, rief sie bei der Corona-Hotline des Landes an, um ihre Registrierung zu löschen. Deren Antwort rief bei Noll erneut Kopfschütteln hervor: „Man sagte mir, das ginge nicht. Ich müsste abwarten, bis ich eine Einladung zur Impfung erhalten habe.“

Das würde ja bedeuten, dass Tausende Briefe mit Impfterminen an bereits geimpfte Personen verschickt würden, was ebenso unsinnig wie teuer ist. Und wenn Empfänger der Schreiben diese überflüssigen Einladungen gar nicht weiter beachteten, würden die Helfer in den Impfzentren mit aufgezogener Spritze auf Leute waten, die nicht kommen. Womöglich müssten dann auch noch Dosen des wertvollen Vakzins vernichtet werden!

In der Regel wird keinSerum weggeworfen

Das Gesundheitsministerium beruhigt auf Anfrage. In der Regel werde kein Serum weggeworfen, wenn Impftermine nicht angetreten wurden, sagt Pressereferent Timo Konrad. „Übriggebliebene Dosen werden weiteren impfberechtigten Personen verabreicht, die kurzfristig benachrichtigt werden.“ Nur deutlich weniger als 0,5 Prozent der Vakzine würden vernichtet, etwa weil eine Ampulle defekt sei.

Auch beruhigend: Die Auskunft, die Noll über das Corona-Telefon erhalten hat, sei nicht richtig. „Selbstverständlich ist sowohl die Stornierung eines bereits vergebenen Termins als auch der Registrierung möglich“, versichert Konrad. „Das funktioniert auch über die Hotline.“ Klingt einfach und nicht nach Steuerverschwendung.

Besser spät als nie

Zunächst sah es auch so aus, als sei das nicht bloß Theorie. Am 8. April, also einen Tag nach ihrem telefonischen Versuch der Registrierungsaufhebung, bekam Noll eine E-Mail – mit der Bestätigung der Stornierung. So weit, so gut. Doch am Folgetag erreichte sie wieder elektronische Post. „Darin wurde mir die Verabreichung von Astrazeneca am 12. April im Impfzentrum Bad Dürkheim angekündigt“, erzählt sie. Das Datum für die zweite Dosis wurde ihr in der E-Mail ebenfalls mitgeteilt. Das passierte dann noch einmal per Post.

Am 13. April erhielt die Seniorin zwei Briefe. Im ersten Schreiben, das inklusive Aufklärungs- und Datenschutzbögen acht Seiten umfasst, steht: „Hiermit bestätigen wir Ihre Termine für die Sars-CoV-2-Impfung am 12.04.2021 um 19.45 Uhr und am 29.06.2021 um 16 Uhr.“ Zu dumm nur, dass der erste Termin bei Posteingang schon vorbei ist. Na ja, besser spät als nie, gell? Im zweiten Brief, der – es geschehen noch Zeichen und Wunder – mit exakt einer Seite auskommt, heißt es: „Hiermit bestätigen wir die Stornierung Ihrer Termine für die Sars-CoV-2-Impfung am 12.04.2021 um 19.45 Uhr und am 29.06.2021 um 16 Uhr.“

Ingrid Noll kann diese unnötige Papierflut nicht fassen und schüttelt wieder mit dem Kopf: „Haben die nichts Besseres zu tun?“

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