Grünstadt Im Rathaus wird Deutsch gebüffelt
Es wird einmal wöchentlich Deutsch gebüffelt im Bockenheimer Rathaus, während Bürger voll gepackte Tüten und Pakete mit Sachspenden vorbeibringen. Die gelebte Flüchtlingshilfe trägt den Namen Café der Unterstützung und ist gut angelaufen.
Vor einer Woche hat sich dem Kurs für Flüchtlinge das Café der Unterstützung angeschlossen, künftig alle 14 Tage im Rathaus. Bürger brachten Babykleidung, Winterjacken und Spielzeug vorbei. Ute Kohl, eine der Initiatorinnen, lädt eine Menge Sachspenden, die in der Bockenheimer Kindertagesstätte gesammelt wurden, aus ihrem Kleintransporter, schleppt die vollen Tüten ins Rathaus. Später kommen Betina Lavender und Jörg Neumann dazu, bringen ebenfalls Kleidung, Schuhe, Babysachen mit. Währenddessen üben im Saal des Rathauses eine engagierte Mutter und eine ebenso engagierte pensionierte Lehrerin, beide aus Bockenheim, mit Familien aus Eritrea und Syrien die deutsche Sprache. „Deren ehrenamtlicher Einsatz in Sachen Deutschunterricht ist super“, freuen sich Kohl und Lavender, die das Café der Unterstützung vor wenigen Wochen ins Leben gerufen haben. Derzeit finden sich jeden Donnerstag, von 16 Uhr bis 17.30 Uhr, im Durchschnitt sieben Flüchtlinge im Rathaus zum Deutsch-Unterricht ein. Alle 14 Tage können im Anschluss an den Unterricht Bürger kommen, die gerne weitere Kleidung, Spiel- und Babysachen mitbringen dürfen. „Die Leute können sich auch darüber informieren, was noch gebraucht wird oder wie sie sonst helfen können“, erzählt Ute Kohl. „Die Bürger wollen schon helfen, sie wissen aber oft nicht, wohin sie sich wenden sollen“, sprechen Kohl und Lavender aus Erfahrung. Beide freuen sich, dass ihre Aktion so gut angelaufen ist. Ute Kohl fragte vor Wochen bei der Protestantischen Kirche wegen der Räumlichkeiten an. Das Presbyterium stimmte spontan zu, stellte das Sälchen neben der Lambertskirche für die Deutschkurse und Begegnungen mit Asylanten zur Verfügung. Um Überschneidung mit dem Konfirmanden- und Präparandenunterricht zu vermeiden, wurden die Treffen ins Bockenheimer Rathaus verlegt, ebenfalls unbürokratisch. Von Beginn an bestehe eine Vernetzung mit der Liga Leiningerland, so Ute Kohl. Dadurch können Sachspenden auch weitergegeben werden. Man stehe weiter mit der Tafel in Grünstadt in Verbindung, Spenden gebe es vom Rotary-Club Eisenberg-Leiningerland. Lavender, kommissarische Vorsitzende des örtlichen CDU-Verbandes, betont, dass die Aktion „über die Parteigrenzen hinweg“ laufe. Die beiden Bockenheimer Initiatorinnen organisieren zudem Fahrten zum Einkaufen, zusammen mit den Flüchtlingen, und helfen bei Verwaltungsgängen. „Dass wir so viele Unterstützung von Leuten, vor allem jungen Müttern und Familien, aus dem Dorf bekommen, hat uns echt überrascht, wir finden das ganz toll“, freuen sich beide. (gsp) Info Bockenheimer Rathaus, Leininger Ring 51, jeden Donnerstag ehrenamtlicher Deutschunterricht für Flüchtlinge, 16 bis 17.30 Uhr. Alle 14 Tage, donnerstags im Anschluss, ab 17.30 Uhr, Café der Unterstützung, mit Bürgertreff, der nächste Termin: Donnerstag, 12. November, 17.30 Uhr, Rathaus.