Handball RHEINPFALZ Plus Artikel HSG Eckbachtal: „Ein super Typ“ hört auf

Rechtsaußen Matthias Kassel war fünf Jahre für die HSG Eckbachtal aktiv. Am Saisonende hört er auf.
Rechtsaußen Matthias Kassel war fünf Jahre für die HSG Eckbachtal aktiv. Am Saisonende hört er auf.

In der spielfreien Zeit hat sich die Ausgangslage von Oberligist HSG Eckbachtal wesentlich entspannt. Durch den Klassenverbleib von Drittligist Friesenheim/Hochdorf werden wohl auch die „Gekkos“ nicht absteigen. Ein Spieler wird derweil am Saisonende aufhören, um mehr Zeit für die Familie zu haben – und für seine Lieblingsmusik.

Zwei Wochen Pause liegen hinter der HSG Eckbachtal. „Wir haben aber durchtrainiert“, betont Trainer Thorsten Koch. Vielleicht sei die eine oder andere Einheit ein wenig lockerer gewesen, das obligatorische Kicken zum Aufwärmen mal ein Minütchen länger. „Ich sage meiner Mannschaft eigentlich immer, dass sie nicht kicken können“, sagt Koch lachend.

Aber sie können es auch etwas entspannter angehen, die „Gekkos“. Zum einen war da der enorm wichtige Sieg vor der Pause gegen die HV Vallendar. „Ein Brustlöser“, wie Koch sagt. Zum anderen hat es Drittligist Friesenheim/Hochdorf quasi in letzter Minute noch geschafft, den Abstieg abzuwenden. Und wie es nun mal so ist mit dem Spiel von Auf- und Absteigern hat das auch Auswirkungen auf die unteren Ligen. In dem Fall positive für die Eckbachtaler. „Es wird wohl nur einen Absteiger geben, da die VTZ Saarpfalz und der SV Zweibrücken wohl zu einer Mannschaft werden“, erklärt der Trainer. Was freilich kein Grund für ihn ist, jetzt nachzulassen. Von Klassenverbleib will der Coach noch nicht sprechen, solange nicht auch die letzten rechnerischen Spielchen möglich sind.

Klare Verhältnisse

Im kommenden Heimspiel gegen die SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam kann die HSG aber endgültig für klare Verhältnisse sorgen, denn bei einem Sieg kann die Koch-Sieben nicht mehr Letzter werden. „Sie haben eine super Hinrunde gespielt“, zollt der Coach dem kommenden Gegner Respekt. Das durften auch die „Gekkos“ erfahren, die im Hinspiel mit 17:30 böse unter die Räder kamen. „Da haben sie uns abgeschossen“, erinnert sich Koch. Doch im kommenden Duell sollte das Ergebnis keine Rolle mehr spielen, die Hausherren sind allein schon ob ihrer Heimstärke nicht chancenlos gegen den Tabellenachten. Die Probleme im Rückraum schienen sich indes zu bessern, doch Bennet Löhmar verletzte sich während seines Auftritts in der zweiten Mannschaft am Außenband und fällt mindestens vier Wochen aus. Bei Matthias Kassel hingegen ist es noch nicht sicher, ob er am Sonntag um 17 Uhr in der Dirmsteiner Sporthalle mit von der Partie sein kann.

„Er hat sich an der Schulter verletzt und das Training abgesagt“, erzählt Koch. Die Verletzung kam jedoch nicht vom Sport, sondern von einem Konzert. „Er hört ziemlich harte Musik“, sagt sein Trainer und lacht. Kassel ist Fan des Genres Metalcore, war unter der Woche auf einem Konzert der amerikanischen Band Unearth – und verletzte sich dabei in einem Moshpit, einem Kreis, in dem Zuschauer zur Musik tanzen. „Ich mache das schon ziemlich lange und bisher ist nichts passiert“, sagt Kassel. „Die Schulter hat sich ein bisschen lose angefühlt, aber beim Röntgen war nichts zu sehen“, erzählt der Außenspieler, der auch leidenschaftlich gerne Gitarre spielt und viele Jahre in einer eigenen Band war. „Das hat in der Schulzeit angefangen. Die hieß Rebirth, also Wiedergeburt. Die kennt aber keiner mehr“, erzählt der Lehrer für Biologie und Sozialkunde mit einem Lachen.

Viel mehr als Geschrei

Über seine Freude am Gitarre spielen habe er dann auch Metalcore für sich entdeckt. „Viele hören nur das Geschrei, ich eben auch das dahinter“, beschreibt er, was ihn am lauten Metalcore so fasziniere. Die Leute, die er auf Konzerten treffe, seien wahnsinnig nett. Früher, da sei er auch auf mehrtägige Festivals wie Rock am Ring gegangen und auch heutzutage sei er gerne noch unterwegs – allerdings nur noch auf Festivals, die einen Tag gehen. „Mehr lässt die Familie nicht zu“, erklärt er seine klare Priorität. Mehr Zeit für Freundin, sein Kind und das eigene Haus – die will sich der 37-Jährige auf jeden Fall nehmen. Nach fünf Jahren im Dress der HSG Eckbachtal ist für ihn am Ende der Runde deswegen Schluss. „Das ist eine Entscheidung, die über die Saison gereift ist“, erklärt der Linkshänder. Er habe sein Karriereende selbst bestimmen und nicht von einer schwereren Verletzung diktieren lassen wollen.

Handball spielt Matthias Kassel bereits, seit er sechs Jahre alt ist. „Ich war lange bei der TSG Maxdorf, habe in Dannstadt und Kirrweiler Pfalzliga gespielt“, zeichnet er seinen Karriereweg nach. Als Linkshänder sei es quasi vorbestimmt gewesen, dass er Rechtsaußen spiele. „In Dannstadt war es auch einmal eine ganze Saison auf halb rechts und einmal habe ich auch am Kreis ausgeholfen“, erinnert er sich. Und vor fünf Jahren rief Koch an und fragte, ob Kassel nicht noch einmal Oberliga spielen wollte. „Das war damals ein Glücksgriff“, sagt Koch. „Er ist ein super Typ, war jahrelang Kassenwart und war immer unter den besten bei der Trainingsbeteiligung.“ Die Mannschaft, sagt Koch, sei öfter nach Spielen auch noch in Kassels Partykeller gelandet und habe gemeinsam gefeiert. „Es war eine schöne Zeit“, sagt der 37-Jährige. „Ich habe hier viele Freunde gefunden und werde versuchen, immer zum Zuschauen in die Halle zu kommen.“ Noch sind es aber ja ein paar Spiele, und – wenn die Schulter es mitmacht – kann Kassel am Sonntag vielleicht dabei mithelfen, den Klassenverbleib einzutüten. „Das wäre dann genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich war fünf Jahre hier und wir sind nicht abgestiegen.“ Und wenn in Eckbachtal in der zweiten oder dritten Mannschaft einmal Not am Mann hätten, könnten sie ihn ja anrufen: „Dann schnüre ich die Schuhe bestimmt noch mal.“

Metalcore – hier ein Auftritt der Band Parkway Drive – ist Matthias Kassels Lieblingsgenre.
Metalcore – hier ein Auftritt der Band Parkway Drive – ist Matthias Kassels Lieblingsgenre.
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