Grünstadt „Hochzeitsreise nach Ludwigshafen“

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„Mit der Pathétique von Beethoven hat sie mein Herz erobert“, sagt Horst Göbel und strahlt seine Gattin Ruth, geborene Lambrecht, an. In den Fünfzigern haben sich die Südpfälzerin und der Ludwigshafener, die in Neuleiningen ihre Wahlheimat gefunden haben, kennengelernt und geheiratet. Am heutigen Samstag feiern die beiden mit zahlreichen Verwandten und Freunden Diamantene Hochzeit.

In den sechs Jahrzehnten habe es keinen Streit gegeben, versichern sie und betonen, dass sie aus christlichen Elternhäusern stammen. Verbindend ist sicherlich die Liebe zur klassischen Musik. Doch eine ganz wesentliche Zutat im Rezept für eine lange glückliche Ehe sei die strikte Aufgabentrennung, meint die Jubilarin: „Ich war immer für Haus und Familie zuständig, mein Mann für die Firma.“ Das von seinem Vater 1927 ins Leben gerufene Elektronik-Unternehmen mit 20 Mitarbeitern musste Horst Göbel gleich nach Abschluss seines Ingenieurstudiums im August 1954 übernehmen, da der Gründer plötzlich verstorben war. Mit einem Schlag sei die Jugend vorbei gewesen. Drei Monate später wurde im engsten Kreis in der Gnadenkapelle Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben geheiratet. „Unsere Hochzeitsreise ging dann von meinem Geburtsort Clausen nach Ludwigshafen“, berichtet augenzwinkernd Ruth Göbel, deren Großvater 1890 zusammen mit seinem Schwager die erste mechanisch betriebene Schuhfabrik „Lambrecht & Weber“ gegründet hat. Nach der Eheschließung begann ein Alltag ohne Illusionen. Ihr Studium am Konservatorium in Kaiserslautern hat Ruth Göbel selbstverständlich aufgegeben. Eigentlich wollte sie Profimusikerin werden. 1955 wurde Sohn Karl-Rudolf geboren, drei Jahre später Michael, und 1963 kam Dietmar zur Welt. Der Jüngste, ein promovierter Betriebswirt, hat das Familienunternehmen inzwischen zur Göbel-Gruppe mit über 100 Mitarbeitern und fünf Betrieben, darunter einem in Sausenheim, ausgebaut. Noch vor der Geburt des dritten Sohnes bezog das Jubelpaar ein selbst gebautes Haus in Neuleiningen. „Ich kam ja aus dem Wald, wo ich eine ganz tolle Kindheit verbracht habe“, begründet Ruth Göbel, weshalb sie mit ihrer Familie nicht auf Dauer in Ludwigshafen wohnen wollte. Ihr Mann, der in der Metropole am Rhein aufgewachsen ist, wurde gegen Kriegsende ausgebombt und nach Rodalben evakuiert – etwa fünf Kilometer von Clausen entfernt. Dorthin kam Ruth Lambrecht nach dem Besuch der Mädchenoberschule in Speyer und dem Magdalenenkloster 1946 wieder zurück. Die beiden heute 86-jährigen, fünffachen Großeltern lernten sich bei einer Hauseinweihung in Clausen kennen, wohin Horst Göbel den Pfarrer chauffieren musste. Die katholische Kirche hat Göbel stets kräftig unterstützt; 1988 wurde er dafür zum französischen Ordensritter geschlagen. Den Gottesdienst zur Diamantenen Hochzeit zelebriert Dekan a. D. Erich Ramstetter, einer der engsten Freunde von Altbundeskanzler Helmut Kohl, zu dem Familie Lambrecht Kontakt pflegt. (abf)

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