Hertlingshausen RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasser: Wo es in der VG noch hakt

Beim ersten Bürgerworkshop zum Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept der VG diskutieren die neuralgischen Punkte in Altleini
Beim ersten Bürgerworkshop zum Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept der VG diskutieren die neuralgischen Punkte in Altleiningen und Carlsberg, von links: Reinhard Rößel, Gerd Kunze und die Bauingenieure Christian Langhauser und Thorsten Sorg.

Welche Straßen und Keller werden bei Starkregen geflutet? Wo fließen die Niederschläge schlecht ab? Wo drückt sich bei Unwetter Wasser aus dem Kanal hoch? Solche Fragen sind beim ersten Bürgerworkshop der Verbandsgemeinde Leiningerland zu Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepten in Altleiningen und Carlsberg diskutiert worden. Was die Erkenntnisse sind.

Die Verbandsgemeinde Leiningerland hat die Ingenieurgesellschaft Pappon + Riedel mbH (IPR) aus Neustadt beauftragt, Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte für die Kommunen in ihrem Verwaltungsbereich zu erstellen. Bei diesem Projekt, das zu 90 Prozent vom Land gefördert wird, sollen nach den bereits erfolgten Ortsbegehungen die Bewohner der Dörfer einbezogen werden.

Am Donnerstag ist die Beteiligung der Bevölkerung mit einem Workshop im Bürgerhaus Hertlingshausen gestartet, wo die Gefahrenlage in Altleiningen und Carlsberg im Fokus stand. „Wir sind angewiesen auf Ihren Input, Ihre Erfahrungen und Vorschläge“, ermutigte Ortschef Patrick Schmitt (CDU), der mit seinem Altleininger Amtskollegen Benjamin Claus (FWG) die Teilnehmer begrüßte, zum Mitmachen.

Vorsorge ist Gemeinschaftsaufgabe

Der Schutz vor Starkregen, also sehr lokal auftretendem Niederschlag von mehr als 15 Liter pro Quadratmeter und Stunde, oder Hochwasser sei eine Gemeinschaftsaufgabe, aus der sich niemand herausnehmen könne, machten die IPR-Bauingenieure Christian Langhauser und Thorsten Sorg zu Beginn klar. Jeder Einzelne müsse per Gesetz Maßnahmen ergreifen, „sofern es ihm möglich und zumutbar ist“.

Wie stark Schäden ausfallen können, hänge von verschiedenen Faktoren ab: von der Heftigkeit des Unwetters, von der Topographie, dem Grad der Versiegelung und der Bebauungsdichte sowie örtlichen Besonderheiten wie einem überlasteten Kanalsystem, so Langhauser. Letzteres werde aufgrund des Klimawandels immer häufiger vorkommen, weil die Unwetter zunehmend heftiger werden und die Abwasserrohre dafür nicht ausgelegt seien. Das Land habe Kartenmaterial entwickelt, auf denen Fließwege und Abflusskonzentrationen skizziert sind, unter anderem spezielle Sturzflutkarten. „Die Übersichten sind im Internet zu finden, etwa auf dem Geoportal Wasser“, informierte der Bauingenieur.

Durchlass zu eng und zugesetzt

In Altleiningen werden in der Gefährdungsanalyse Eckbach, Rothbach, Märzenweiherbach, Höninger Bach, Bach vom Schlüsselstein und Gewässer im Kirchheimer Tal aufgezählt. Eine Stelle, wo es zu Überschwemmungen kommen kann, ist beispielsweise der Märzenweiherbach, der beim Bahnhofsplatz unter einem Privatgrundstück in ein Rohr gezwängt wird. „Der Durchlass ist schmal. Wenn er von Treibgut zugesetzt wird, kommt es zum Rückstau“, so Langhauser. Eine Idee, das Überflutungsrisiko zu minimieren, sei das Anlegen von Flutmulden und das regelmäßige Befreien des Rohres, wenn es zu verstopfen droht.

Letzteres war ein häufig wiederholter Ratschlag. Selbst Regenrückhaltebecken wie das im Schindthal in Höningen und das bei der Kreuzung Margarethenhof/Seckenhäuserstraße in Carlsberg sind oft zugesetzt mit Sedimenten und zugewuchert mit üppigem Pflanzenbewuchs. Darüber hinaus sei mitunter die bauliche Situation nicht optimal. So müssten etwa Zulaufrinnen tiefer und ein ausreichendes Gefälle in die richtige Richtung haben. Eine Teilnehmerin beklagte, dass bei Starkregen vom Zimmerberg das Wasser in die Lessingstraße schieße, weil die Sinkkästen meist nicht sauber seien.

Wald ist oft in privater Hand

Wie denn „Unterhalt“ der Flüsse, Bäche und Seen, etwa durch den Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach, definiert sei, wollte Besucher Gerd Kunze wissen. Sorg erklärte: „Es gibt Pflegepläne.“ Allerdings seien diese Arbeiten kostenintensiv und es bestehe ein Konflikt zwischen Gewässerunterhalt und -ökologie mit Blick auf den Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Ungünstig sei es grundsätzlich, so Sorg, wenn Grünschnitt und Holzstapel an Ufern gelagert würden. „Bei Hochwasser wird das dann mitgerissen“, warnte er.

Auf abschüssigen Waldwegen notwendige Querabschläge zu installieren, sei in der Region problematisch, sagte Ingenieur Sorg. Der Grund: Der Forst sei kleinparzellig überwiegend in privater Hand. Solche Wege gebe es nördlich des Naturfreundehauses in Hertlingshausen. „Der Rahnenhof steht in einer Senke und wird regelmäßig überschwemmt.“ Wegen der tiefliegenden Gebäudeeingänge dringe auch immer wieder Wasser in die Häuser ein. „Da hilft nur privater Objektschutz“, so Sorg.

Tipps zum privaten Objektschutz

Generelle Tipps dazu sind unter anderem zur Straße hin abfallende Zufahrten, Mäuerchen, Kanten, Schwellen und Stufen, um zum Beispiel zu verhindern, dass Wasser in Kellerfenster eindringt. „Das steht eventuell der Barrierefreiheit entgegen“, sagte Sorg. Flächen sollten entsiegelt werden, damit mehr Wasser versickern kann, Öltanks seien gegen Aufschwimmen zu sichern. „Gründächer tragen dazu bei, dass Regenwasser langsam abfließen kann“, erläuterte er.

Eine nicht zu unterschätzende Gefahrenstelle bildet sich bei starken Niederschlägen an der Kreuzung von der nach Carlsberg hoch führenden Altleininger Straße und der vielbefahrenen L520. Der Kanal sei dann oft überfordert und die Gullydeckel heben sich, was bei Überschwemmung nicht gesehen wird. Gleiches passiert nach Starkregen in der Klosterhofstraße. Dort gibt es eine verrohrte Querung des Eckbachs unter dem Verkehrsweg und einem Gebäude. Straße, Gelände und Mauer sind schon abgesackt und haben den Durchlass versperrt. Dieser sollte vergrößert werden, riet Sorg. Gut wäre es auch, einen Raumrechen vorzuschalten, der das Treibgut abhält.

„Hat das Speicherbecken nichts gebracht?“

Der Darstellung, dass es nach Unwettern keine Probleme im Hasental gebe, widersprach Bürger Peter Dück, der von wiederholten Überschwemmungen berichtete. Als Ingenieur Sorg erzählte, dass die katholische Kirche in der Hauptstraße immer wieder unter Wasser stehe, meldete sich Reinhard Rößel zu Wort: „Hat das teure Speicherbecken in der Ramser Hohl nichts gebracht?“ Von diesem Becken wussten die IPR-Mitarbeiter noch nichts und trugen das in ihre Karte zum Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept ein, genauso wie auch andere Stellen, die nach der Erfahrung der Bürger schon überflutet waren. Nach der Ergänzung der bisherigen Pläne und der fachlichen Prüfung von Ideen wird laut Langhauser ein Konzeptentwurf erstellt. „Wir entwickeln einen Katalog an Maßnahmen und priorisieren sie. In einem weiteren Workshop im nächsten Jahr stellen wir alles vor.“

Datensammlung

Gefahren- oder Schwachstellen melden, Videos, Fotos, Beschreibungen von Ereignissen, Maßnahmenvorschläge einreichen, aber auch Anfragen wegen Beratungen stellen: E-Mail an hochwasserschutz@vg-l.de. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet kostenlose Telefonberatung zu Elementarschäden und Naturgewalten an, 06131 2848868 (montags, 10 bis 13 Uhr, mittwochs, 14 bis 17 Uhr, donnerstags, 11 bis 13 Uhr).

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