Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hippies im Woodstock-Fieber auf der Neuleininger Burg

Eine Stimme wie Janis Joplin: Marion La Marché Foto: Benndorf
Eine Stimme wie Janis Joplin: Marion La Marché

Ein halbes Jahrhundert zurückversetzt worden sind am Samstag rund 1000 Besucher des „Happy-Birthday-Woodstock-Festivals“. Bei dem von Radio Regenbogen 2 ins Leben gerufenen und von den Machern des Neuleininger Burgsommers in deren Location veranstalteten Open-Air-Event traten drei fantastische Tributebands auf: Marion La Marché mit der Janis-Joplin-Stimme, Asep Stone als Jimi Hendrix und „Die dicken Kinder“ mit einer Hommage an Joe Cocker.

Schon lange, bevor die Konzerte beginnen, hat sich Woodstock-Feeling in der alten Festung ausgebreitet. Auf dem Vorplatz findet ein Hippiemarkt statt, die Stände der Tätowierer, Barbiere, Accessoires- und Textilhändler sind teilweise in VW-Bussen untergebracht. Viele Menschen, sogar die Mitarbeiter des Gasthauses Zum Engel, haben sich dem Anlass entsprechend angezogen: mit weiten Kleidern oder Schlaghosen zu knallig-bunten Hemden – oft mit Blumenmuster –, darauf farblich abgestimmten Stirnbändern, großen Ringen, unzähligen Armreifen und Peace-Anhängern sowie runden Sonnenbrillen.

Viele Besucher sind in Hippie-Outfit geschlüpft

Letztere müssen nicht wirklich sein, denn es regnet permanent, als wollte Petrus auch sein Scherflein beitragen zum authentischen Woodstock-Gefühl. „Ich war damals vier“, sagt Manuela Eichhof aus Worms-Pfeddersheim mit Blick auf das legendäre dreitägige Rockfestival im August 1969. Auch ihr Outfit ist das der Flower-Power-Generation. Sie lebe diese Kultur, erklärt sie gut gelaunt. Ihr Begleiter, Thorsten Maier, erzählt: „Wir gehen regelmäßig auf Oldie-Festivals, lieben die Musik und die Autos von damals.“ Tina Seygold, die am Stand der Mannheimer Boutique Fashiontraum Mode jenseits des Mainstream verkauft, hört die Songs der Fünfziger und Sechziger sehr gern. Die 55-Jährige findet: „Das war noch echte, handgemachte Musik.“

Marion La Marché hat lange über das Leben von Janis Joplin recheriert

Davon gibt es dann gegen Abend reichlich. Der Auftakt des Geburtstags-Open-Airs obliegt Marion La Marché, die voll und ganz in der Person von Janis Joplin aufgeht. Anderthalb Jahre lang habe sie das Leben der Queen des weißen Blues-Rock studiert, wie sie verrät, und noch länger habe sie – unter ärztlicher Aufsicht – trainiert, um genauso singen zu können. Zwischen 2002 und 2014 tourte die Gesangslehrerin mit dem autobiografischen Theaterstück „Janis – Piece of my heart“ durch die Lande. „Ich habe damit aufgehört, weil ich dieses tragische Leben nicht mehr länger darstellen wollte“, erläutert La Marché. Joplin starb 27-jährig im Oktober 1970 an einer Überdosis Heroin.

Aber ihre raue, kraftvolle Stimme lebt weiter – ergreifend schön und mit enormer Wucht. Die Frontfrau der nach eigenen Angaben bundesweit einzigen Janis-Joplin-Coverband gibt voller Leidenschaft alles. Ein Auftritt sei wie ein Halbmarathon, sagt das Energiebündel mit der langen Wuschelmähne, das barfuß über die Bühne tobt. Grandios, wie sie „Get It While You Can“, „Tell Mama“, „Cry Baby“ oder auch äußerst gefühlvoll das ruhige, 1935 veröffentlichte Stück „Little Girl Blue“ interpretiert. Auch das Lied „Ball And Chain“ ist zu hören, das Joplin beim Monterey Pop 1967 präsentierte, die funkige Nummer „Half Moon“, bei der besonders viel Bewegung in den Burghof kommt, und „Me And Bobby McGee“ als Zugabe. „Mercedes Benz“ wird rein instrumental dargeboten von der ausgezeichneten Band, die hinter La Marché steht: Gitarrist Christian Gasch, Bassistin Monique Heinke, Ringo Hirth am Schlagzeug und Holger Engel an den Keys.

Asep Stone sieht Jimi Hendrix zum Verwechseln ähnlich und spielt Gitarre wie sein Vorbild

Mit „Foxy Lady“ stürmt nach kurzer Umbaupause Asep Stone ins Rampenlicht. Da muss man sich die Augen zweimal reiben, denn der Indonesier hört sich nicht nur an wie Jimi Hendrix, sondern sieht dem Afroamerikaner, der wie Joplin mit 27 Jahren starb, zudem zum Verwechseln ähnlich. Und um das Erscheinungsbild perfekt zu machen, jagt er auch noch auf einer Linkshänder-Gitarre über die Saiten, obwohl er Rechtshänder ist. Dabei hüpft er mitunter wie ein Flummi umher, tanzt mit seinem Instrument, dem er auch hinter dem Rücken haltend oder mit den Zähnen die fantastischen, atemberaubend schnellen Tonfolgen mit beeindruckender Leichtigkeit entlocken kann. Viele Hits seines Vorbilds gibt Stone zum Besten, darunter „Voodoo Child“, „Red House Over Yonder“, „Hey Joe“ und „Purple Haze“. Das Publikum tobt, aber eine Zugabe wird ihm wegen der fortgeschrittenen Zeit verwehrt.

Auf „Die dicken Kinder“ haben die Zuschauer im Burghof sehnsüchtig gewartet

Dem Trio um Stone folgt ein Orchester um Chris Becker: Die dicken Kinder. Als deren Leadsänger hat sich der 43-Jährige vollkommen der britischen Rock- und Blues-Legende Joe Cocker verschrieben. Bis ins Detail hat er sich nicht nur dessen Stimme angeeignet, sondern auch die einmaligen und vielfach belächelten Bewegungen des Originals am Mikrofon. „Das sind keine epileptischen Anfälle, vielmehr hat Cocker die Instrumente zu seinen Liedern gespielt. Er ist der Erfinder der Luftgitarre“, so Becker, der mit großem Beifall begrüßt wird. Auf diese Musikgruppe haben die meisten Besucher sehnsüchtig gewartet. Auch Manuela Eichhof sagt, dass sie sich auf diese Band am meisten freut. Mittanzen, -klatschen und -singen können die Zuschauer unter anderem bei „Feelin' Alright?“, „Just Like A Woman“, „Let's Go Get Stoned“, „I Don't Need No Doctor“ und „Summer In The City“.

Marion La Marché mit ihrer Bassistin Monique Heinke Foto: Benndorf
Marion La Marché mit ihrer Bassistin Monique Heinke
Eine perfekte Hendrix-Kopie: Asep Stone Foto: Benndorf
Eine perfekte Hendrix-Kopie: Asep Stone
Asep Stone Foto: Benndorf
Asep Stone
Ahmt auch die Bewegungen von Cocker nach: Chris Becker von „Die dicken Kinder“  Foto: Benndorf
Ahmt auch die Bewegungen von Cocker nach: Chris Becker von »Die dicken Kinder«
„Die dicken Kinder“ Foto: Benndorf
»Die dicken Kinder«
Authentisch: Woodstock-Revival im Regen Foto: Benndorf
Authentisch: Woodstock-Revival im Regen
Leben die Hippie-Kultur: Manuela Eichhof und Thorsten Maier Foto: Benndorf
Leben die Hippie-Kultur: Manuela Eichhof und Thorsten Maier
Verregneter Woodstock-Geburtstag Foto: Benndorf
Verregneter Woodstock-Geburtstag
Wie vor 50 Jahren: Frauen am Modestand Fashiontraum  Foto: Benndorf
Wie vor 50 Jahren: Frauen am Modestand Fashiontraum
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